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Emil Nolde is en Sprakenkünstler

"Er hat alle fünf Sprachen seines Winkels gekonnt" Emil Nolde is en Sprakenkünstler

 „Es ist ganz eigentümlich und nicht immer schön, in einem Grenzland geboren zu sein, das Für und Wider, hierhin oder dorthin, ist schärfer geprägt als anderswo“, sineert de grote Moler Emil Nolde, de an‘ 7. August sien 150 Geburtsdag fiert. Sien Vadder Niels Hansen weer Friese un hett Düütsch schnackt, sien Modder Christine weer een sleswigsche Deern un hett Däänsch schnackt. As de lütt Emil op’e Welt kamen is, dor weer sien Heimatdörp Nolde noch düütsch – föfftig Johr later na de Volksafstimmen is dat denn däänsches Staatsrebeet: „Die Zerreißung des heimatlichen Schleswig mittendurch schien brutal und traf uns schwer“, schrifft Nolde. He weer een Gemisch ut all’ns: Ut düütsch un däänsch, ut Geest un Marsch. Ut Ebb un Floot un ut all de Spraken, de dor in den Sleswiger Ruum schnackt warrd.

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Emil Nolde weer fast in sien Heimat verankert: "Überschwemmung".

„Er hat alle fünf Sprachen seines heimatlichen Winkels gekonnt“, wunnerwarkt Dietmar Grieser in sien Book „Das zweite Ich“.  För Emil Nolde weer dat keen Kunststück, dat weer för sien Tiet, för sien Landstrich un för sien Öllernhuus eenfach Normalität: „Die Sprache der Gegend ist, wie in manchen Grenzgebieten, ein Gemisch. Meine Umgangssprache der Knabenzeit war Plattdänisch, die Schulsprache Hochdeutsch, der Religionsunterricht Hochdänisch, die Verkehrs- und Marktssprache Plattdeutsch“, noteert he in sien Biografie „Das eigene Leben“,  „diese vier halbganzen Sprachen reden alle dieser Grenzgegend, und bei den Friesen kommt noch die friesische Sprache dazu.“ De Kieler Germanistik-Perfesser Hubertus Menke hett den Sleswiger Spraakenruum mol as bunten „Flickenteppich teils konkurrierender, teils koexistierender Einzelsprachen“  beteekent. Un so föhl sik ok Emil Node.

 De Moler weer also nich blots een echten Künstler, wat dat Molen angeiht, he weer ok een echten Sprakenkünstler. Op’n Buernhoff groot wurrn, harr he Kuntakt to all de verscheden Spraken üm em rüm. In een Chronik ut dat Johr 1842 kann een lesen, wat in de Sleswiger Eck all’ns schnackt warrd: „In dieser Sprach- und Stammgränze spricht der gemeine Mann Plattdeutsch und Plattdänisch . . . der Gebildete durchgehends rein Deutsch und ein Mittelding zwischen Hoch- und Plattdänisch, für die Dienstboten auch Plattdeutsch. Die Beamten müssen, um mit allen Klassen verhandeln zu können, beider Sprachen und beider Volksdialekte mächtig sein . . .“

Dat is wull de beste Aart, Spraken to liern. Hüüt nöömt sik sowat niemoodsch „Immersionsmethode“. Dorbi düükert een deep in’e Spraak in. Een Aart Sprakenbad sotoseggen. Jüst so is dat ok Emil Nolde gahn: Sien Vadder hett Düütsch un Freesch mit em schnackt, sien Modder Däänsch, de Knechte schnacken Plattdäänsch un Plattdüütsch un de Jungs un Deerns üm em rüm so as se de Schnuut wussen weer. Dat geev blots een Problem. De School: „Aber ein richtiges Schreibedeutsch konnte ich nicht lernen . . .  und Aufsatzschreiben konnte ich auch nicht“, lamenteert he in sien Levenserinnern.  Un dat leeg an de däänsche Spraak un den däänschen Satzbuu. Liekers hett he later veel Loff kregen för sien veer Böker: „Die Intensität der Noldeschen Sprache kann sich sowohl mit dem sicheren Strich des Zeichners als auch der Leuchtkraft seiner Farbe messen, wenngleich der Streit zwischen deutscher und dänischer Wortstellung an zahlreichen Fällen deutlich wird“, verklaart Hans Peter Johannsen vun‘ Flensborger Studienkreis in een Opsatz.

Walter Jens, de grote Schriftsteller un Literaturkritiker, nöömt Nolde een „seltsamen Menschen“, „zwiespältig auch als Erzähler“: „Sein Schreibstil ist holprig, die Wortstellung unorthodox, Umgangssprachliches verbindet sich mit hochpathetischer Rede . . .“ Aver denn kümmt dat, wat Nolde nich blots as Moler, sünner ok as Schriever, as Sprakenminschen uttekent: „Aber plötzlich beginnt der Maler zu schreiben . . . drei Adjektive legen drei Figuren fest . . .“ Dat kann de wortkarge, stille Sleswiger, de in veele Spraken tohuus is:  He kann so beschrieven, datt du di een Bild maken kannst. Ob düsse Kunst nu ut dat Plattdüütsche kümmt, ut Freesche oder ut‘ Plattdäänsche – Fakt is: Dat Weten üm verscheden Spraken hölpt em bi siene Schriev-Kunst. Un wat he nich in Wöör kleden kann, dat moolt he sik vun’e Seel: Deepdüüster Wulken, wille blau-witte See, sattgröne Wieschen, grellrode Hüser, lüchtengeele Sünn: „Die Kunst selbst ist meine Sprache, in der nur ich vollends sagen kann, was mich treibt und bewegt“, so hett Emil Nolde dat jümmers anner Lüüd verklookfidelt.

www.nolde-im-norden.de

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