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Nachrichten auf Platt Emil Nolde is en Sprakenkünstler
Nachrichten auf Platt Emil Nolde is en Sprakenkünstler
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12:00 14.07.2017
Von Heike Thode-Scheel
Emil Nolde weer fast in sien Heimat verankert: "Überschwemmung".

„Er hat alle fünf Sprachen seines heimatlichen Winkels gekonnt“, wunnerwarkt Dietmar Grieser in sien Book „Das zweite Ich“.  För Emil Nolde weer dat keen Kunststück, dat weer för sien Tiet, för sien Landstrich un för sien Öllernhuus eenfach Normalität: „Die Sprache der Gegend ist, wie in manchen Grenzgebieten, ein Gemisch. Meine Umgangssprache der Knabenzeit war Plattdänisch, die Schulsprache Hochdeutsch, der Religionsunterricht Hochdänisch, die Verkehrs- und Marktssprache Plattdeutsch“, noteert he in sien Biografie „Das eigene Leben“,  „diese vier halbganzen Sprachen reden alle dieser Grenzgegend, und bei den Friesen kommt noch die friesische Sprache dazu.“ De Kieler Germanistik-Perfesser Hubertus Menke hett den Sleswiger Spraakenruum mol as bunten „Flickenteppich teils konkurrierender, teils koexistierender Einzelsprachen“  beteekent. Un so föhl sik ok Emil Node.

 De Moler weer also nich blots een echten Künstler, wat dat Molen angeiht, he weer ok een echten Sprakenkünstler. Op’n Buernhoff groot wurrn, harr he Kuntakt to all de verscheden Spraken üm em rüm. In een Chronik ut dat Johr 1842 kann een lesen, wat in de Sleswiger Eck all’ns schnackt warrd: „In dieser Sprach- und Stammgränze spricht der gemeine Mann Plattdeutsch und Plattdänisch . . . der Gebildete durchgehends rein Deutsch und ein Mittelding zwischen Hoch- und Plattdänisch, für die Dienstboten auch Plattdeutsch. Die Beamten müssen, um mit allen Klassen verhandeln zu können, beider Sprachen und beider Volksdialekte mächtig sein . . .“

Dat is wull de beste Aart, Spraken to liern. Hüüt nöömt sik sowat niemoodsch „Immersionsmethode“. Dorbi düükert een deep in’e Spraak in. Een Aart Sprakenbad sotoseggen. Jüst so is dat ok Emil Nolde gahn: Sien Vadder hett Düütsch un Freesch mit em schnackt, sien Modder Däänsch, de Knechte schnacken Plattdäänsch un Plattdüütsch un de Jungs un Deerns üm em rüm so as se de Schnuut wussen weer. Dat geev blots een Problem. De School: „Aber ein richtiges Schreibedeutsch konnte ich nicht lernen . . .  und Aufsatzschreiben konnte ich auch nicht“, lamenteert he in sien Levenserinnern.  Un dat leeg an de däänsche Spraak un den däänschen Satzbuu. Liekers hett he later veel Loff kregen för sien veer Böker: „Die Intensität der Noldeschen Sprache kann sich sowohl mit dem sicheren Strich des Zeichners als auch der Leuchtkraft seiner Farbe messen, wenngleich der Streit zwischen deutscher und dänischer Wortstellung an zahlreichen Fällen deutlich wird“, verklaart Hans Peter Johannsen vun‘ Flensborger Studienkreis in een Opsatz.

Walter Jens, de grote Schriftsteller un Literaturkritiker, nöömt Nolde een „seltsamen Menschen“, „zwiespältig auch als Erzähler“: „Sein Schreibstil ist holprig, die Wortstellung unorthodox, Umgangssprachliches verbindet sich mit hochpathetischer Rede . . .“ Aver denn kümmt dat, wat Nolde nich blots as Moler, sünner ok as Schriever, as Sprakenminschen uttekent: „Aber plötzlich beginnt der Maler zu schreiben . . . drei Adjektive legen drei Figuren fest . . .“ Dat kann de wortkarge, stille Sleswiger, de in veele Spraken tohuus is:  He kann so beschrieven, datt du di een Bild maken kannst. Ob düsse Kunst nu ut dat Plattdüütsche kümmt, ut Freesche oder ut‘ Plattdäänsche – Fakt is: Dat Weten üm verscheden Spraken hölpt em bi siene Schriev-Kunst. Un wat he nich in Wöör kleden kann, dat moolt he sik vun’e Seel: Deepdüüster Wulken, wille blau-witte See, sattgröne Wieschen, grellrode Hüser, lüchtengeele Sünn: „Die Kunst selbst ist meine Sprache, in der nur ich vollends sagen kann, was mich treibt und bewegt“, so hett Emil Nolde dat jümmers anner Lüüd verklookfidelt.

www.nolde-im-norden.de

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Nachrichten auf Platt Bartleby op Platt - wunnerbor Översetten vun een Klassiker - Vertellen över't Neeseggen

„Dä’t lever nich doon“, seggt de Schriever Bartleby reinrut to sien Chef, den Advokat. Liekers „arbeide he bi Dag. Un he arbeide bi Nacht. Bi Sünn. Bi Kerzenschien. He schreev musenstill, mit wittschern, dusterbleek Gesicht bi. Un man so, as wör he ene Maschin . . .“ Man wenn dat üm anner Opgaven güng, dennso anter he „sünnerlich sachten, doch standfaste“: „Dä‘t lever nich doon.“ Üm’t „Nich-doon-wullen“, üm een verdreihten „Neinsager“ hannelt de snaaksche Vertellen „Bartleby, the scrivener“ vun den groten amerikaanschen Schrieversmann Hermann Melville. „I would prefer  not to do“ – so seggt Bartleby jümmerto in’t engelsche Originol. „Wat is dat? So een Slag Minsch?“ hett sik Dr. Rainer Kramer dacht. „Düt is een jümmerto Klassiker, wat ok noch in hunnert Johr leest warrd – un den pick ik mi rut“. Un denn maakt he den Platt. Op Platt, versteiht sik, denn: „Platt is dat, wat ik an‘ Besten kann. De Spraak is miene Heimat“, vertellt de Bremer Jung. Un so heet de Vertellen nu „Bartleby up Platt – von Bartleby, den Afschriever von Wall Street“.

Heike Thode-Scheel 01.07.2017
Nachrichten auf Platt Siet 25 Johr Stütt un Stöhn: De EU-Sprakencharta - Dat hebbt wi de Charta to verdanken

Wat weer dat för’n Sitzungswuch in‘ Bunnesdag. Eerst de Marathon-Sitten an‘ Dunnersdag. Söbentein Stünnen hebbt de Afgeordneten dor seten un bit in‘ fröhen Morrn rin över wichtige Andräge debatteert un afstimmt. Un denn keem dat noch wat duller: So twüschen de Vereidigung vun uns niege Familienministerin  un de Beraden  över een Bunneswehr-Insatz in’t Mittelmeer hebbt se miteens  ganz snaaksch schnackt. „Heimat und Dialekt, das ist ois für ons, und es wär gut, wenn m’r des älle miteinander so sehet und au unterstützet“, wohrschaut Cem Özdemir vun’e Grönen op Schwääbsch.  Verdammi noch Mol . . . is de nich eegens Türke vun Huus ut? Stimmt. De hett twee Modderspraken un is sik wiss: „Es fällt au uns Politiker koin Zacke aus der Krone –  na wer’n mer vielleicht au wieder besser verstande von die Leut – wenn m’r so schwätzet, wie ons d’r Schnabel  gewachse isch.“ Un dat hett nich blots Cem Özdemir in de Beraden to den Tagesordnungspunkt 43 maakt. Dat güng üm „25 Jahre Europäische Charta  der  Regional-   oder Minderheitensprachen –  Gemeinsamer Auftrag.“

Heike Thode-Scheel 19.06.2017
Nachrichten auf Platt 1987 füng dat mit'n plietsche Idee an - de Platt-Theaterdaag - Wat för'n Theoter in Molfsee!

Een Wuch lang heet dat in Molfsee wedder: Vörhang op för’t Plattdüütsche Theoter. Vun Sünnavend, 10. Juni bit Sünndag 18. Juni wiest acht Bühnen ut Sleswig-Holsteen, wat se künnt. Un twaars op de 26. Nedderdüütschen Theoterdaag in Molfsee. „För de plietsche Idee, dat Platt-Theater en Landspräsentation to geven, stünn Heinz Busch, domols Bühnenleiter in Kiel un de eerste Museumsdirektor Prof. Carl Ingwer Johannsen. In‘ Tweespänner wullen se wat doon för de Kultur in uns Land“, swöögte Wolfgang Börnsen verleden Johr bi’t 25. Jubiläum. In 25 Johr güng de Vörhang 225 Mol op för plattdüütsche Theoterstücke in‘e Winkelschüün vun’t Freilichtmuseum Molfsee – ob dat nu een Komödie weer, een Krimi oder een Drama. 195 Stücke hebbt de verscheden Bühnen twüschen Lübeck un Flensborg op’e Bühn bröcht.

02.06.2017