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Nachrichten auf Platt "Ich bin ein rechter Weihnachtsmann"
Nachrichten auf Platt "Ich bin ein rechter Weihnachtsmann"
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12:00 20.12.2017
Von Heike Thode-Scheel
Storms wunnerschönen Wiehnachtsboom kann een sik in't Storm-Huus in Husum ankieken. Quelle: Storm-Gesellschaft

He wüss noch nix vun Wiehnachtsstress, Draff lopen un Schlang stahn an’e Kassen, vun Plastik-Dannen un Glitter-Kraam. Vör knapp tweehunnert Johr, dor weer Wiehnachten för den Dichter de schönste Tiet in’t Johr: „Ich bin in diesen Tagen ein rechter Weihnachtsmann gewesen . . .“ schrifft Storm 1851 in een Breef  an Hartmuth Brinkmann, un vertellt mit Begeistern vun sien Wiehnachtsboom, un wat för een: „Die schönste Tanne meines Gartens, mit der Spitze fast an die Decke reichend, mit den unteren Zweigen fast die Holzbütte überhängend. Zuckerzeug von Meier aus Altona . . . kleine nackte Wachskinder . . . schweben auf den Tannenspitzen, unzählige Glaskugeln, goldene Eier, goldene Nüsse, denen ich die Arbeit der Festtage widmete . . .“

Dat weer em dat Schönste, dat Utstaffeern vun' Boom. De Dannenzappen un Appeln hett he mit Schuumgold güllen maakt. Theodor Storm seet denn mit sien Kinner tosamen in’e Studeerstuuv an‘ groten Disch, un denn hebbt se warkelt. Wat weer dat för’n Aggewars mit dat Guld: Eerst würr de Watte in Eiwitt düükert, denn hebbt se de Tappen, Nööt un Appeln vörsichtig dormit aftuppt un toletzt würr dat Schuumgold mit veel Geföhl opleggt. Wat ganz besünners vigelliensches weern de witten Netze – dor hett Storm besünners Wert op leggt. Storms tweetjüngste Dochter Gertrud hett dat opschreven: „Nun werden zwölf Netze vom feinsten weissen Konzeptpapier geschnitten.“ In de Netze kemen „Zuckerl“ rin, de in bunt Papeer inwickelt würrn. „Nie gesehenes, märchenhaftes Zuckerzeug“ keem denn noch an de Twiegen ran. Natürli ok Lübecker Marzipan. De allerschönsten Figuren. Un wat ganz Niemoodsches:  „Der neue Tannenbaumschmuck hat die größte Sensation gemacht; wir hatten damit . . . den ganzen Baum durch und  übersponnen, so daß er mit tausend Funken blitzte“, jubileert Storm 1878 in een Breef an Wilhelm Petersen. De doren „Goldfäden“ harr em sien Fründ Petersen kort vör Wiehnachten in een Paket tostüert. De sösstig jährige Mann hett sik freut as so’n lütt Kind: „Das goldene La Metta überspann den oberen Wipfel des Baumes, silbernes den unteren Teil.“ 

Toletzt keem dor noch de Stormsche „Märchenzweig“ rin, „d.h. einen ganz vergoldeten Zweig der Lärchentanne, der sich in dem dunklen Grün geheimnisvoll genug ausnimmt.“ Wat weer dat för een Freud för den olen Storm, düsse geheemnisvulle Twieg: „Man gehe an einem schönen Dezembertage in’s Freie und suche sich einen Lerchentannenzweig . . . kaufe sich ein Buch Schaumgold, setze sich mit guten Weihnachtsgedanken und entsprechender Zeit und Geduld dazu und vergülde ihn überall . . . und stecke ihn dann . . . in das dichte Tannengrün des Baumes, und man wird die geheimnißvolle Märchenstimmung fühlen.“ Un denn de güllen Dannappeln: „Den Vormittag war ich stundenlang im Walde umhergekrochen . . . ja ihr hättet mich sogar in meinem dicken Winterpelz hoch oben in einer Tanne sitzen sehn können um einen besonders schönen Zapfen abzubrechen“, swöögt he 1856 in een Breef an Friedrich Eggers. Dor weer de Dichtersmann veertig Johr old – aver liekers narrsch as'n lütt Buttjer.

Wat för’n Pläseer, wat för’n Swögen, wat för’n Lengen weer dat bi em na den „Zauber der Weihnacht“, na dat „Weihnachtswunder“, wenn sik „die heilige Weihnachtsstimmung in alle Herzen“ utbreeden dä. „Wir saßen in der angenehmsten Wolke von Tannenbaum- und Weihnachtskuchenduft“, schrifft Storm. Ok sien Dochter Gertrud swöögt vun düssen Momang, wenn Jung un Old in’e Wiehnachtsstuuv rinstörten: „Ein starker Duft von Tannen, brennenden Lichtern und braunen Weihnachtskuchen schlägt uns entgegen - und da steht er, der brennende Baum, im vollen Lichterglanz!“ Sösstig Talglichter müssen an den Boom ran. Dat weer Tradischoon: „Der Baum mit seinen Lichtern macht die Luft in dem großen Saal fast glühend . . .“ Bruun Koken un Pepernööt stünnen denn op’n Disch, de Teekessel suuste un bruuste un denn geef dat endli „ein Glas nordischen Punsches“.

Theodor Storm seet denn still in sien Sessel un hett sik de ganze Pracht vun‘ Dannenboom ankeken. All dat Lüchten, dat Flimmern, de güllen Märkentwieg, dat wunnersome Zuckerwark, de Talglichten: „Es war immer mein schönstes Fest, und brachte mir immer wieder den Frieden meiner Kinderheimat . . .“, schrifft he 1854 an sien Fründ Ernst Esmarch in Potsdam. „Vater hat ein Weihnachtslicht in den Augen“, hett sien Dochter Ebbe (Elsabe) jümmers seggt. „Der Baum brannte, das Zimmer war von Duft und Glanz erfüllt; es war nun wirklich Weihnachten geworden" (ut de Novelle "Unter dem Tannenbaum").  „Ich wollte, sie könnten diesen mit aller Kunst und Feinheit einer 40jährigen Familienerfindung hergestellten Baum einmal sehen . . .“

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Nachrichten auf Platt Yared Dibaba un sien Band "De Schlickrutscher" fiert Wiehnachten - Oh Dannenboom, oh Dannenboom

„Oh Dannenboom, oh Dannenboom, wo gröön sünd diene Bläder . . .“ tirileert Yared Dibaba jümmers vör sik hin: „Ik heff een Tradischoon to Wiehnachten“, smuustert de bekannte Moderator un Plattschnacker an’t Telefon un höögt sik een, „ik gah jümmers mit mien Söhn los to unsen Höker. Den Wiehnachtsboom kopen. Mien Fru söcht den Boom eerst ut un wi Keerls hoolt em af un dreegt em na Huus. Un dor sing ik denn de ganze Tiet „Oh Dannenboom“. Bit wi tohuus sünd“. Nuch Övung hett he also, wat dat Singen angeiht – un dorüm is de Entertainer, Musikant un Moderator nu ok mit sien Band, de „Schlickrutscher“ op Wiehnachtstour. Bi  Shanties, Vertellen, Speele, Dööntjes, Seemannsgoorn un veel Musik to’n Mitsingen is de Wiehnachtsstress miteens wiet wech. Yared Dibaba kümmt mit „Wiehnachten op Platt“ natürli ok na Kiel.

Heike Thode-Scheel 04.12.2017
Nachrichten auf Platt Plattdüütscher Film över Wind, veel Geld un plietsche Fruuns - En windigen Fall för Landfruuns

Fief Fruunslüüd sitt an‘ Sofadisch un wunnerwarkt vör’n Klapprekner: „Dor mutt doch wat in’t Internet dorto stahn . . . dat is jo komisch. Dor mutt doch wat to finnen sien!“ Un denn finndt se optletzt doch noch wat un klickt dor enfach mol op. Un nu nimmt dat Schicksol sien verdammigten Loop. Dat geiht üm sluusohrig Investoren, de achter dat Geld vun ehr Keerls her sünd, üm den Börger Windt Park Jüksdörp, üm windige Geschäfte un en groot Geheemnis. Dor düükert sogor noch een Liek op in den plattdüütschen Krimi „Landfrauen – Do wat du wullt, de Lüüd schnackt doch“. Dat is all de tweete Film vun den Dithmarscher Filmemaker Mathias Schulz. Un natürli all’ns wedder op Platt.

Heike Thode-Scheel 16.11.2017
Nachrichten auf Platt Keno Veith dreiht Video op Platt in'e Klei - Vun' Maiskutscher to'n Internetstar

Dat weern man blots 59 Sekunnen. Un een Mallöör bavento. Aver de hebbt sien Leven nipp un nau op’n Kopp stellt. Ut Keno Veith, den Maiskutscher, is Keno Veith, de Internetstar wurrn. Un dat blots, wieldatt he mit sien Gespann op’e Maiskoppel in‘  Klackermatsch steken bleven is. Vör luder Langewiel hett de ostfreesche Jung denn mit sien Handy en lütt Video dreiht un hett dat bi facebook rinstellt. „Wieder geiht nich, du. Oder anners seggt: Wi sünd mit’n Kopp in, näch? Mitten in‘e Klei. Nu sitt ik hier mit dat dicke Beest.“ Dat dicke Beest is sien Trecker un wat schall he doon? „Tja, nu mööt wi hier luern. Luern, luern. Bit en kümmt un uns ruttrecken deit.“ Nu schnackt de Star ut Ostfreesland aver nich blots Platt, de süht ok noch wat besünners ut: Swatt as de Nacht (ik dörf dat schrieven hett he seggt), groot un stevig, üm‘ Hals veer grote sülverne Keden as de Rapper in Ameriko, `n Irokesen-Hoorsnitt as Bosco ut dat „A-Team“ un jümmers en breed Lachen in’t Gesicht. Dat is Keno, de niege plattdüütsche Internetstar.

Heike Thode-Scheel 02.11.2017