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Wie schnackt de Norden?

Spraak-Projekt vun'e Kieler Uni kriggt Wetenschapspries Wie schnackt de Norden?

„Woans schnackt de Norden?“ dat hebbt sik Spraakexperten ut söss verscheden Unis in Norddüütschland fraagt. In  ehr Projekt SiN geiht dat siet 2008 üm de „Sprachvariation in Norddeutschland“. Ünner de Leit vun de Kieler Christian-Albrechts-Universität  sünd de Unis Hamborg, Bielefeld, Potsdam un Frankfurt/Oder bigahn un hebbt de Lüüd bi’t Schnacken tohöört. Un twaars twüschen Nord- un Ostsee un twüschen Oder un Rhein. Dat geiht üm de sonöömte „Sprachwirklichkeit“. Gifft dat bi uns in‘ Norden sowat as een Ümgangsspraak? Woveel Platt steekt in uns Hochdüütsch binn? Un ümgekehrt: Woveel Hochdüütsch rutscht in‘t Plattdüütsche rin? Nu hebbt de Wetenschapler för ehr Studie den Wissenschaftspries 2016 kregen.

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Dat schnackt de Norden: Hochdüütsch, Plattdüütsch, Alldagsspraak.

Siet veer Johr warrd de Pries vun de Länner Bremen, Hamborg, Neddersassen, Sleswig-Holsteen un Meckelnborg-Vörpommern utlöövt. Jedeen Johr to een anner Thema. Dütmol güng dat üm Identität un Integration.

„Wir haben uns gar nicht so große Chancen ausgerechnet bei diesem doch sehr soziologischen Thema“, wunnerwarkt Perfesser Dr. Michael Elmentaler vun’e Uni Kiel, „aber auf den zweiten Blick passt es sehr gut. Denn Sprache hat ganz viel mit Identität zu tun. Regionale Merkmale in der Sprache zeigen ja ein Bemühen, sich mit seiner Region zu identifizieren.“ Veel Loff geev dat tominnst vun uns Wetenschaps-Ministerin Kristin Alheit: „`Sprachvariationen in Norddeutschland’ ist ein hochinteressantes Projekt mit starker regionaler Relevanz und ein weiterer Beleg für die Leistungskraft von Spitzenforschung aus dem Norden.“ Füer un Flamm för dat Forschungsprojekt is ok Birgit Hesse. Se is Ministerin för de Wetenschap in Meckelnborg-Vörpommern tostännig un hett den Pries övergeven: „Das ausgezeichnete Forschungsprojekt beschäftigt sich mit einem Thema, das für Norddeutschland und für die Identität der Norddeutschen sehr wichtig ist. Dabei spielt auch die niederdeutsche Sprache eine große Rolle.“

Siet acht Johr sitt Michael Elmentaler nu all an’t SiN-Projekt. Tosamen mit över achtig wetenschapli Mitarbeiter, Professoren un studentische Hölpslüüd an söss norddüütsche Unis. Dat geiht üm de Fraag: Wat schnackt de Lüüd in Norddüütschland? Gifft dat sowat as een Alldagsspraak twüschen Hoch- un Plattdüütsch? Un woans süht de in de verscheden Regionen ut? Wo vermengeleert sik Hoch- un Plattdüütsch? Wann  schnackt de Lüüd Platt, wann Hochdüütsch un wann ehr Ümgangssspraak? Un denn intresseert Michael Elmentaler noch: „Findet da ein Wechsel zwischen hochdeutscher und plattdeutscher Sprache statt und wie wirkt sich das auf die Umgangssprache aus?“

Dorto hebbt se sik 144 „Gewährspersonen“ ut achtein norddüütschen Regionen söcht. In jedeen Region geev dat twee Orte mit veer Gewährspersonen: „Wir haben 144 Tischgespräche über anderthalb Stunden aufgenommen. In den nördlichen Gegenden haben wir gute Daten bekommen. In Schleswig-Holstein sowieso. Da ist es schwer, eine Sprecherin zu finden, die kein Niederdeutsch kann. Aber das sind hier schon die Topregionen, was Niederdeutsch angeht“, swöögt de Germanistik-Perfesser ut Kiel.

Wi leevt also in een „dialektstabile Region“, as dat so schön heet.  „In der Familie wird vielleicht Platt geschnackt und wenn es formell wird, dann spricht man ein gepflegtes Norddeutsch“, verklaart de Germanist. Kloor is ok: In dat Norddüütsch vun’e Plattschnacker steekt weniger Regionalismen (as Kram, Kopp, wat, dat, schnacken) binn as hochdüütsch Wöör in’e plattdüütsche Spraak. De Lüüd wesselt ok merrn in‘ Schnack vun’t  Hoch- in’t Plattdüütsche un se hebbt ehr egen Dialekte oder „Sprachlagen“. Also: Wenn een Plattschnacker mit Fru Merkel schnacken würr, denn würr he anners Hochdüütsch schnacken as mit den Buern üm’e Eck.

De Forscher geiht dat also ok noch üm mehr as blots üm de dröge Spraakwetenschap. Un dor kümmt de Soziologie in’t Speel. Se wüllt ok wat över dat Ansehn un den Wert vun’e plattdüütsche Spraak weten, verklaart Michael Elmentaler: „Die Leute haben jetzt eine überwiegend positive Einstellung zum Niederdeutschen. Das war in den 50er und 60er Jahren noch ganz anders. Da war das Niederdeutsche regelrecht verpönt. Die Eltern erkennen jetzt die Vorteile der Zweisprachigkeit.“

All dat, wat dor in de verleden acht Johr bi de Studie rutsuert is, schall nu in een „Norddeutschen Sprachatlas“ sammelt warrn. Dat is een Barg Arbeit – tominnst mööt se nu aver keen Klinken mehr to putzen. Denn mit de 100 000 Euro weet se nipp un nau wat antofangen: „Wir wollen mit dem Geld zum Einen sechs Bände herausgeben. Das wird dann unsere Abschlusspublikation sein. Und wir möchten einen sprechenden Dialektatlas im Internet umsetzen. Das war schon lange gepant und ist nun mit diesem Geld möglich“, freut sik de Spraken-Experte.

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