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Fotos gegen das Verschwinden

Eckernförde Fotos gegen das Verschwinden

Die Heimatgemeinschaft Eckernförde, der mit über 3000 Mitgliedern größte Heimat- und Geschichtsverein im Land, erweitert ihr Arbeitsspektrum. Mit der Sparte „Foto-Dokumentation“ wurde jetzt eine neue Arbeitsgemeinschaft gegründet.

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Der „Isern Düker“ hing einst am Rathaus. Wer Geld für den Ersten Weltkrieg spendete, durfte einen Nagel einschlagen.

Quelle: Werner Tippel

Eckernförde. Ihre Aufgabe ist es, Kultur- und Naturdenkmäler sowie Objekte aus Kunst und Handwerk im Kreisteil Eckernförde im Bild festzuhalten. Mit dieser fotografischen Bestandsaufnahme soll künftigen Verlusten von kulturell wichtigen Objekten begegnet werden.

Denn solche Aderlässe hat es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegeben. Die Heimatgemeinschaft erinnert beispielsweise an einen historischen Kran, der „über Nacht“ aus dem Eckernförder Hafen verschwand, ein Steinrelief, das einst den Giebel des Gebäudes „Ritterburg“ in der Kieler Straße zierte, oder an eine alte Allee, die aufgrund von Bauarbeiten abgeholzt wurde. Erst in jüngster Zeit verschwand der Grabstein von Anna Elisabeth Helms, der Mutter des 1815 in Borby geborenen Staatsrechtlers Lorenz von Stein. „Leider gibt es von dem Grabstein nur ein einziges unscharfes Foto“, bedauert Heinrich Mehl, Vorstandsmitglied der Heimatgemeinschaft. Vor wenigen Wochen ging außerdem die Eingangsbemalung der vor dem Abriss stehenden Gaststätte Frau Clara, gemalt von dem Eckernförder Künstler Falko Windhaus, verloren.

In der neuen AG Foto-Dokumentation haben sich erfahrene Hobby-Fotografen zusammengetan, die zudem ein kulturgeschichtliches Interesse vereint: Larissa Dyck, Ulrich und Kirsten Kleinfeld, Heinrich Mehl, Wolfgang Obuch, Barbara Schäfersküpper, Gudrun Schleyer und Werner Tippel. In den vergangenen Wochen haben sie bereits erste Themen durchfotografiert wie die historischen Ecksteine (Radabweiser) in der Eckernförder Altstadt sowie gut gestaltete Fenster und Türen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die meiste Zeit nahmen aber zwei große Projekte in Anspruch, die erstmals in dieser Konsequenz aufgenommen wurden: die gemalte Bildtapete (1849) im Saal des Gutes Ludwigsburg, die eine Szene aus dem französisch-algerischen Krieg darstellt, und das genagelte U-Boot-Relief, das im Stabsgebäude des Marinestützpunkts hängt.

Beiden Objekten gilt es noch Geheimnisse zu entlocken. So lassen sich anhand der Detailaufnahmen von der Ludwigsburger Bildtapete die bisherigen Deutungen der Motive neu diskutieren. Und am Nagel-U-Boot „Isern Düker“ (Eiserner Taucher) sind über 90 Plaketten angebracht, die die Vielzahl bürgerlicher Vereinigungen in Eckernförde um 1915 widerspiegeln – vom Eckernförder Schummerclub bis zum Schafkopfclub Germania. Eine kleine Sensation ist die Plakette der „Offiziere der Kaiserlich-Ottomanischen U-Boot-Schule“, die belegt, dass schon 1915 in Eckernförde (oder Kiel?) türkische U-Boot-Fahrer ausgebildet wurden. Der „Isern Düker“ hing seinerzeit über den Rundbogentoren am Rathausmarkt. Wer Geld für den Ersten Weltkrieg spendete, durfte dort einen Nagel einschlagen.

Die AG Foto-Dokumentation ist dankbar für Hinweise, zu welchem Thema und an welcher Stelle eine systematische Bestandsaufnahme notwendig sein könnte. Auch weitere Interessenten sind willkommen.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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