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Das Gettorf-Auto

Aktionstag Das Gettorf-Auto

Da war Ingrid Witthöft eingestandenermaßen überrascht. „Dass nach dem Zweiten Weltkrieg in Gettorf Autos gebaut wurden, habe ich nicht gewusst“, sagte die 61-Jährige. Doch am Aktionstag des Gettorfer Windmühlen- und Verschönerungsvereins wurde sie von Jürgen Messer am Sonntag eines Besseren belehrt.

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1949 wurden in Gettorf zwei Prototypen des WUG-Kleinwagens hergestellt. Jürgen Messer (rechts) präsentierte seinen Nachbau an der Mühle. Oldtimerfreund Uwe Karstens sah sich das Gefährt näher an.

Quelle: Rainer Krüger

Gettorf. Der Oldtimerfan Jürgen Messer zeigte seinen Nachbau eines WUG 1949. „WUG steht für Werner Utermöhlen Gettorf“, erklärte Messer. Unter der Bezeichnung hatte der Gettorfer Spielzeughersteller 1949 zwei Prototypen eines Kleinstwagens produziert. Mit einem Ein-Zylinder-Ilo-Motor und 175 Kilogramm Gewicht kam der Zweisitzer auf 4,5 Liter Benzinverbrauch pro 100 Kilometer. Mit einem Preis von 2600 bis 2750 Mark sollte er die Deutschen nach dem Krieg wieder mobil machen.

 Doch wie Jürgen Messer verriet, scheiterte die Vision einer Autoproduktion in Gettorf am Geld. „Der für die Serienproduktion nötige Kredit von 20000 Mark wurde von der Kreissparkasse Gettorf damals nicht gewährt.“ Schon 1949 hatte der WUG Messer begeistert. „Ich habe erlebt, wie er durch Gettorf fuhr.“ Später machte er sich an den Nachbau. Dazu baute er Kontakte zur Familie Utermöhlen auf, bediente sich aber auch alter Fotos. 2002 präsentierte er den Nachbau – wie das Original mit viel Sperrholz und wenig Metall. Zum letzten Mal hatte Messer den WUG 2008 gezeigt. Vorsorglich hatte er ihn vom Vorsitzenden des Agrar-Oldimer-Club Dänischer Wohld, Uwe Karstens, zur Mühle transportieren lassen. Wie sich zeigte, war es die richtige Entscheidung. Denn „leider“ brachte er den WUG nicht zum Laufen. Das will der technikbegeisterte Messer in absehbarer Zeit ändern.

 Vereinsvorsitzender Dieter Kolbe freute sich über das gute Wetter. So kamen geschätzt mehrere Hundert Besucher zum Aktionstag. Dabei lockten nicht nur Aktionen wie Fahrten mit Oldtimertreckern, Spiele und Demonstrationen alten Handwerks nach draußen. Auch unter den Schaustücken in der Mühle und den angrenzenden Gebäuden fand sich Anziehendes. Für Ingrid Witthöft war es die seit Juni laufende Ausstellung Gettorf – Entwicklung eines Dorfes. Vor dem Modellnachbau des Ortes aus den 70er Jahren blieb stehen. „Hier ist noch das alte Hotel Stadt Hamburg zu sehen. In ihm haben mein Mann Olaf und ich 1977 unsere Hochzeit gefeiert“, schwelgte sie in schönen Erinnerungen. Ihr Fazit: „Obwohl ich schon mehrfach beim Aktionstag war, bin ich fasziniert, was es wieder zu entdecken gibt.“

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