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Bürger diskutieren hitzig über Flüchtlingsbleibe

Altenholz Bürger diskutieren hitzig über Flüchtlingsbleibe

Über 70 Besucher kamen am Montagabend ins Altenholzer Rathaus – viele von ihnen in großer Sorge. Aufgeschreckt hatte sie ein KN-Bericht aus der vergangenen Woche zu Überlegungen der Gemeinde, in der Königsberger Straße Modulbauten für 20 männliche Flüchtlinge zu errichten.

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Südlich der Danziger Straße könnten dauerhaft nutzbare Gebäude im sozialen Wohnungsbau entstehen. Zudem könnten hier kurzfristig Modulhäuser für Flüchltlinge aufgestellt werden.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Altenholz. „Ich fürchte um die Sicherheit unserer Familien, unserer Kinder, unseres Eigentums“, sagte ein aufgebrachter Anwohner aus der Königsberger Straße. Seine Töchter müssten täglich an der Unterkunft vorbei und würden „von 20 männlichen Flüchtlingen begutachtet werden“. Etwa ein Dutzend Anwohner trat in der Fragestunde ans Mikrofon, formulierte ähnliche oder andere Bedenken wie den Verlust des Spiel- und Bolzplatzes. Auch um den Lärm „südländischer Männer auf einer Terrasse“ ging es, um „viele kriminelle Begebenheiten“, eine andere Kultur im Umgang mit Frauen.

„Ich verstehe Ihre Sorgen um Kinder, um Eigentum, aber es gibt keine einfachen Antworten“, sagte Bürgermeister Carlo Ehrich (SPD). Vor 70 Jahren seien Menschen vor deutscher Gewalt geflohen, heute fliehen sie nach Deutschland: „Wir haben eine Aufgabe, die wir auch gemeinsam lösen können.“ Er kritisierte allerdings auch Aussagen und verwies darauf, dass nicht alle Flüchtlinge Kriminelle seien.

In Altenholz innerhalb von zwei Jahren rund 250 Menschen unterzubringen, „ohne dass man es bemerkt, wird nicht gelingen“, sagte der Bürgermeister. Ob die Gemeinde nicht „nein“ zu mehr Flüchtlingen sagen könne, fragte einer in der Debatte. Nein, sie kann es nicht. Und es wird immer schwieriger, Wohnungen zu finden. Deshalb hatte die Verwaltung ein Modell vorgeschlagen, wie kurz-, mittel- und langfristig Wohnraum geschaffen werden kann. Die Standorte Schoolredder (für Familien) und Königsberger Straße waren dabei für die kurzfristige Unterbringung von jeweils bis zu 20 Menschen vorgesehen. Wenn es nicht gelinge, Flächen für mobile Unterkünfte zu finden, „bleiben Sporthallen“ und andere öffentliche Gebäude, erklärte der Bürgermeister.

„Wir sind auf der Suche, es ist noch nichts entschieden“, betonte der Bauausschussvorsitzende Gerhard Hirschfeld (AWG). In der Diskussion des Gremiums herrschte angesichts der Proteste aber Einigkeit, dass der Standort Königsberger Straße problematisch sei. Einige hätten die Modulgebäude für den kurzfristigen Bedarf gerne auf einer Fläche nördlich der Altenholzer Straße untergebracht. Diese sei aber frühestens in sechs Monaten nutzbar, so die Verwaltung.

Andreas Piltz (CDU) schlug deshalb vor, die Modulbauten ans Ende der Danziger Straße zu stellen, wo außerdem langfristig sozialer Wohnungsbau geplant ist: „Wir können jetzt nicht überall die Freiflächen herausziehen.“ Auch Ingo Baasch (SPD) fand diese Variante „deutlich weniger konfliktbeladen“. Nach längerer Diskussion empfahl der Bauausschuss der Gemeindevertretung mit acht Ja- und einer Nein-Stimme, die Modulbauten am Ende der Danziger Straße unterzubringen; die Fläche am Schoolredder soll als Reserve dienen. Die Königsberger Straße als Standort wäre damit raus. Die Entscheidung fällt in der Gemeindevertretung am 3. Februar.

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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Kommentar

Es war durchaus beklemmend, den Altenholzer Anwohnern bei der Diskussion über eine Flüchtlingsunterkunft für Männer zuzuhören. Nach schlimmen Vorfällen nicht nur in der Silvesternacht, nicht nur in Köln. Von verständlichen Ängsten und Sorgen bis zum Generalverdacht gegen Flüchtlinge war der Schritt allerdings bei einigen nicht weit.

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