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Mit Wattestäbchen gegen Krebs

Altenholz Mit Wattestäbchen gegen Krebs

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisiert potenzielle Stammzellenspender, sammelt die Daten, vergleicht sie und kann im besten Fall den Idealpartner finden. Auch im Altenholzer Gymnasium begab man sich auf die Suche nach möglichen Spendern.

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Initiatorin Liv Christin Hoffmann lässt Tom Schulte (18) einen Abstrich der Mundschleimhaut machen (Bild oben). Spender Julian Novoselac und DKMS-Mitarbeiter Christopher Krügelstein informierten die Schüler über die Registrierung.

Quelle: Kai Pörksen

Altenholz.. Die kleine Greta hat es nicht geschafft. Mit zwei Jahren wurde bei ihr Blutkrebs diagnostiziert, die Therapien schlugen nicht an, und ein Stammzellenspender konnte nicht aufgetrieben werden. Ein Jahr später starb sie. Hätte man ihren genetischen Zwilling irgendwo auf der Welt finden können – sie wäre mit aller Wahrscheinlichkeit gerettet gewesen.

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisiert potenzielle Stammzellenspender, sammelt die Daten, vergleicht sie und kann im besten Fall den Idealpartner finden. Liv Christin Hoffmann aus dem aktuellen Abiturjahrgang des Altenholzer Gymnasiums hatte davon gehört und der Leiterin ihrer Sozial-AG, Bettina Bülow, den Vorschlag gemacht, doch auch einmal an ihrer Schule eine Spendenaktion zu machen. Am Mittwochvormittag war es soweit, DKMS-Mitarbeiter Christopher Krügelstein kam aus Berlin angereist, um die Daten der sich freiwillig meldenden Schüler, Eltern und Lehrer aufzunehmen. Mit großem Erfolg: Über 200 Spender ließen sich registrieren und haben somit den ersten Schritt zur Rettung eines fremden Menschenlebens getan.

Manchmal reicht ein Impuls aus dem Umfeld. „Wie ich zur DKMS gekommen bin? Der Vater eines Freundes erkrankte an Blutkrebs. Ich wollte helfen“, sagt Julian. Zwar habe er gewusst, dass seine Stammzellen nicht unbedingt helfen könnten, aber er wollte ein Signal setzen. Alle 16 Minuten erkranke jemand an Leukämie in Deutschland, und jedem Fünften kann nicht geholfen werden. „Warum soll man jemandem helfen, den man nicht kennt“, möge sich Mancher fragen. Die Antwort sei simpel: „Weil man es kann.“ Auch Julian konnte es: Zwei Monate nach der Typisierung bekam er einen Anruf. Ein schwedischer Patient, 60 Jahre alt, brauchte seine Hilfe. Wie Julian heute, zwei Jahre später nach Ablauf der Anonymitätsphase weiß, war die Spende erfolgreich.

Trotz aller freiwilligen Spender bleibt die Suche aufwendig, denn es müssen die Gewebemerkmale übereinstimmen. Die Chance ist im besten Fall 1 : 20000, leicht auch schlechter. Ein weiterer Faktor macht den Erfolg schwierig: Der Spender muss gefunden werden und kann auch in Neuseeland sitzen. Und er muss erreichbar und verfügbar sein. Passen diese Faktoren, ist die Heilungschance für den Betroffenen riesig. Ein Informationsfilm der DKMS zeigt das Beispiel der 14-jährigen Michelle, die vollkommen geheilt werden konnte.

55000 Menschen in Deutschland haben sich seit Gründung der DKMS 1991 typisieren lassen, die Altenholzer reihen sich ein: In der Schule lassen sie sich registrieren, mit zwei Wattestäbchen Proben der Mundschleimhaut abnehmen, fertig. „Hat nicht weh getan“, sagt Tom Schulte (18), der sich bei Initiatorin Liv Christin Hoffmann typisieren lässt. Sein Tipp: „Macht es, es ist nicht gefährlich, und es kann anderen Menschen in Not helfen.“

DKMS

Deutsche Knochenmarkspendedatei: Jeder im Alter zwischen 17 und 55 und bei guter Gesundheit kann sich als potenzieller Spender registrieren lassen. Er sollte mindestens 50 Kilogramm wiegen und kein starkes Übergewicht aufweisen. Mit einem Bluttest oder Wangenabstrich werden die Gewebemerkmale bestimmt. Das Risiko im Falle des Einsatzes ist lediglich das einer Narkose. Informationen unter www.dkms.de

Die DKMS finanziert die 40 Euro teure Typisierung über Spenden: Konto Kreissparkasse Tübingen, IBAN: DE54 6415 0020 0001 6893 96. 

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