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Das stille Sterben der Kastanien

Bäume leiden unter Bakterium Das stille Sterben der Kastanien

In Schleswig ist ein Teil der Schlossallee betroffen, jetzt hat das Kastaniensterben Eckernförde erreicht. Ein aggressives Bakterium greift die Stämme der in Parks beliebten Bäume an. An der Strandpromenade zeigen 18 Kastanien am Parkplatz Exer zwischen Stadthalle und griechischem Restaurant den Befall.

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Stadtgärtnerei-Leiterin Sylvia Bent zeigt einen Stamm, an dem schon die Rinde abplatzt. 18 Kastanien sind am Exer von der Krankheit befallen.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Die Kastanien werden die Krankheit vermutlich nicht überleben. Pseudomonas heißt das Bakterium, das den Kastanien so sehr zusetzt. „Es greift auch andere Baumarten an, jetzt aber speziell die Kastanien“, erläutert Stadtgärtnerei-Leiterin Sylvia Bent. Alles fängt mit sogenannten schwarzen Leckagen am Baumstamm an, als ob die Kastanie bluten würde. Dann zeigen sich auffällige Risse im Rindenbild, und die Blätter der Kastanie fallen kleiner aus. Im letzten Stadium löst sich dann die Rinde ab, die Nährstoff- und Wasserleitbahnen werden unterbrochen. Der Baum beginnt abzusterben.

 An den Kastanien auf der Strandpromenade sind bereits die Rindenrisse und -ablösungen deutlich zu erkennen. Die Stadt hat ein baumpflegerisches Gutachten in Auftrag gegeben. Daraufhin wurden Äste zum Weg hin geschnitten, um die Kronen zu entlasten, sowie Totholz entfernt. „Wir müssen jetzt abwarten, wie die Bäume im Frühjahr reagieren“, sagt Bent. „Wenn sie keine Blätter mehr austreiben, müssen wir handeln.“ Sprich: Sie müssen gefällt werden, da sonst Pilze das Holz zersetzen und die Bäume instabil werden. Dann soll es Nachpflanzungen geben, allerdings mit einer anderen Baumart. Die Struktur der Baumreihe, so Bent, soll erhalten bleiben.

 Auf jeden Fall wollen die Stadtgärtner versuchen, die Kastanien länger stehen zu lassen. „Vielleicht überwindet der ein oder andere Baum die Krankheit“, hofft Bent. Denn die Bäume an der Strandpromenade haben schon eine stattliche Größe erreicht. Sie sind etwa 20 Jahre alt und zehn Meter hoch. Nicht befallen sind die beiden großen Ulmen, die in derselben Reihe stehen. Ulmen waren in früheren Jahren von einer Ulmenkrankheit betroffen, vor einem Jahr folgte das Eschentriebsterben. „Und jetzt die Kastanien“, bedauert Bent. Das Problem: „Was wir in der Stadt an Altbaumbestand verlieren, lässt sich durch Nachpflanzungen nicht kompensieren.“

 Die Ursache für das Ausbreiten des Kastanien-Schädlings ist unklar. Klar dagegen ist: „Das Krankheitsbild nimmt zu“, konstatiert die Stadtgärtnerei-Leiterin. Dabei sind nicht nur die Kastanien am Exer betroffen. Auch Bäume in den Borbyer Anlagen und auf dem „Alten Soldatenfriedhof“ am Wellenbad zeigen oder zeigten Symptome. Einige Großbäume mussten bereits gefällt werden. Die Stadtgärtnerei hat kürzlich alle Bäume im Stadtgebiet kartiert. „Gerade die Kastanien werden wir im Auge behalten“, betont Bent.

 Pseudomonas ist seit 1902 als Krankheitserreger am Gemeinen Flieder bekannt. Doch inzwischen befällt das Bakterium auch Kastanien. Die Hauptverbreitung in Europa setzte ab 2002 in den Niederlanden ein, seit 2006 sind dort 40 bis 70 Prozent der Kastanien befallen. Die Krankheit tritt ebenfalls in Großbritannien, Irland, Belgien, Frankreich und Deutschland auf. In der Folge des Befalls können Pilze den Baum besiedeln und dessen Holz zerstören. Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es derzeit keine. Schnittwerkzeuge, die an befallenem Holz eingesetzt wurden, sollten desinfiziert, das Holz fachgerecht entsorgt werden. Auf Menschen oder Tiere ist die Baumkrankheit nicht übertragbar.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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