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Annäherung an Auschwitz

Lesung in Strande Annäherung an Auschwitz

Die Zahlen sind unfassbar: Mindestens 1,1 Millionen Menschen starben bis 1945 im Konzentrationslager Auschwitz. Die Deutschen errichteten es ab 1940 im besetzten Polen. Der Strander Uwe Schmidt hat eine Novelle geschrieben, um vor allem jungen Menschen das Thema näher zu bringen.

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Uwe Schmidt blättert in dem anonymen Tagebuch einer Auschwitz-Reise, das ihn zu der Novelle inspirierte.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Strande. Der Massenmord an den Juden durch die Nazis gehört heute in Schulen zum Standardlehrstoff für Jugendliche. Uwe Schmidt (74) war hingegen bereits 18, 19 Jahre alt, als er erstmals von diesen entsetzlichen Verbrechen unter Adolf Hitler hörte. Doch obwohl er viel darüber las und nachdachte, „kann ich letztlich nicht begreifen, wie das passieren konnte“, sagt er. Es sei „so unglaublich, so unverständlich“, beschreibt er seine Suche nach Erklärungen für das so Unmenschliche, Unfassbare, das Menschen damals dennoch anderen antaten: „Auch wenn es immer Völkermorde gegeben hat.“

 Schmidt, von 1975 bis zum Jahr 2000 Pastor in Altenholz, unterrichtete dort auch an der Oberstufe: „Die Arbeit mit Schülern hat mir immer sehr gefallen.“ 1996 unternahm er mit zwei Kolleginnen eine Oberstufenfahrt nach Krakau und Auschwitz, an der etwa 45 Schüler teilnahmen. Damit diese ihre unmittelbaren Reiseeindrücke festhalten konnten, ließ Schmidt während der Fahrt ein anonymes Tagebuch herumgehen. Nach der Fahrt erhielten alle Teilnehmer eine Kopie davon. Der 74-jährige Strander besitzt immer noch das Original.

 Die Idee, das anonyme Tagebuch als Anknüpfungspunkt zu nehmen, kam Uwe Schmidt viele Jahre später. Schon als Pastor waren Reflektion und Sprache seine Werkzeuge, doch erst im Ruhestand fing er an, Bücher zu schreiben. Und nun die Novelle Ich wollte nie nach Auschwitz. Bis auf einen weitgehend wörtlich übernommenen, sehr eindrucksvollen Auszug aus dem Tagebuch von 1996 sind Geschehen und Personen allerdings fiktiv. Ich-Erzählerin Antonia erlebt während einer Polenreise mit der Schule eine persönliche Begegnung, die sie erschüttert. Und die ganz dem wesentlichen Merkmal einer Novelle entspricht, das Goethe einmal formuliert hat: „eine sich ereignete unerhörte Begebenheit“.

 Um jungen Menschen den Massenmord von Auschwitz nahezubringen, „muss man sie in ihrem eigenen Erleben abholen“, sagt Uwe Schmidt. Dennoch sei seine Novelle durchaus für alle Altersgruppen gedacht. Zu Jahresanfang war der Autor im Bülker Leuchtturm-Pavillon bereits mit der Lesung aus seinem Buch Widerstand gegen die Zumutungen des Glaubens auf großes Interesse gestoßen. Nun trägt er dort zweimal seine Novelle Ich wollte nie nach Auschwitz vor.

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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