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Aufwühlendes, buntes Bühnengewitter

Eckernförde Aufwühlendes, buntes Bühnengewitter

Regen, 14 Grad und Open-Air-Oper: Da ist Magie gefragt, um daraus Erfolg zu machen. Oder "Die Zauberflöte". Die fast 700 Gäste der schillernden Aufführung am Sonntagabend am Hafen von Eckernförde ließen sich ganz in den Bann von Wolfgang Amadeus Mozarts letzter Oper ziehen.

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Hier kumulieren Komik, Zauberkraft und Stimmengewalt: Für die Damen der Königin der Nacht ist der bunte Vogel Papageno wahrlich kein einfaches gefundenes Fressen.

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Selbst bei nassen Böen war den Zuschauern so warm ums Herz, dass sie das Ensemble der Festspieloper Prag mit Bravo-Rufen verabschiedeten.

Glühweinwetter mitten im Sommer. Immerhin hält sich der Westwind noch zurück, als der Herr des Hafens, Stadtwerkechef Dietmar Steffens, Orchester und Publikum kurz begrüßt. Kapellmeister Daminano Binetti hebt sogleich den Taktstock, als wollte er der nahenden düsteren Wolkenwand Einhalt gebieten. Schon lehnt man sich zurück, genießt die bekannte Melodie. Der Zauber wirkt. Ohne Umschweife wird man hineingesogen in die opulente und schrille Welt des Papageno (Dejan Brkic) und der Königin der Nacht (Olga Jelínkovà), die stimmlich groß auffahren. Spannungsreich bahnt sich die Suche des schönen Prinzen Tamino (Richard Neugebauer) nach der schönen Pamina (Jennifer Bonner) an.

Hier sehen Sie die Bilder von der Zauberflöte in Eckernförde.

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Mozart und der Wiener Theaterdirektor Emanuel Schikaneder, der den Text der 1791 uraufgeführten Oper seines Freimaurerfreundes Mozart schrieb, hatten das Werk als vielfarbiges Spektakel in deutscher Sprache mit gewollten Anklängen an Volkstheater und Mysterienspiel angelegt. So kommt die Inszenierung der Berliner Sopranistin Carola Reichenbach auch daher. Dass Vogelfänger Papageno keine geistigen Höhenflüge, sondern Matjesbrötchen mag und auch gerne einen Küstennebel-Schnaps zwitschert, stand zwar nicht im Originaltext. Verbale Spielereien mit Lokalkolorit fügen sich aber zur hörbaren Freude des Publikums, in dem auch Kinder sitzen, ein. Im Zusammenklang mit den harmonischen Gesangspassagen wird das Bühnenmärchen zum für alle Generationen stimmigen Vergnügen.

Gerade taucht das Publikum richtig weg, da kommt es dicke: dichter Regenschleier, auffrischender Wind. Doch das Rascheln der am Eingang verkauften Plastikcapes, die schnell entfaltet werden müssen, bleibt dezent. Die Bühnenpräsenz, das ausdrucksstarke Mienenspiel und die eingängigen Stimmen der drei Damen der Königin, des in Weiß gewandeten Sarastro (Tomáš Bartúnêk) und all der anderen Akteure inklusive Chor fesseln im aufwühlenden Bühnengewitter mehr als ein simpler Wolkenbruch. Dass die Regie die Pause abgesagt hat, weil sonst die Sitze nass werden und die Rückkehr schwerfallen könnte, haben die Zuschauer sogar mit Sonderapplaus bedacht.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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