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Auch mit 90 noch auf Tour

Altenholz Auch mit 90 noch auf Tour

Der rote Opel Corsa steht von dem Schildermacher-Häuschen im Gewerbegebiet von Altenholz. Wenn der betagte Wagen hier steht, wissen die Nummernschildpräger und die Beschäftigten der Zulassungsstelle, dass Dora Steinert nicht weit sein kann. Die Stifterin, die am 8. Dezember 90 Jahre alt wird, geht ihrer täglichen Arbeit nach: Autos zulassen.

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Ein paar Kissen helfen, um über das Lenkrad schauen zu können: Die fast 90-jährige Dora Steinert fährt noch immer jeden Tag zur Zulassungsstelle.

Quelle: Kai Pörksen

Altenholz. Das macht sie seit etwa 25 Jahren. Dazu gebracht hat sie ihre Tochter Maren Kammerer, die seit 32 Jahren für die Kieler Firma Fräter den Zulassungsdienst macht. „Als meine Tochter aus dem Gröbsten raus war und meine Mutter nicht mehr einhüten musste, machte ich ihr den Vorschlag, mir doch beruflich zu helfen“, so Kammerer. Und so geschah es. Seit 25 Jahren sind beide gleichzeitig unterwegs – Maren Kammerer landesweit, Dora Steinert im Bereich Kiel, Altenholz und Eckernförde.

 „Das Alter hat seine Vorteile“, sagt die Stifterin schmunzelnd. Sie braucht im Gegensatz zu ihrer Tochter keine Nummer ziehen wie alle anderen, die einen Zulassungsdienst betreiben. Sie wird schnell hereingerufen und kann dann in Ruhe warten, bis sie die Unterlagen abholen und die Schilder machen lassen kann. Den Papierkram erledigt die ehemalige Mitarbeiterin eines Kieler Reisebüros mit links, Wartezeit ist aber immer einzuplanen. „Manchmal dauert es drei Stunden, bis alles erledigt ist“, so Dora Steinert, da helfe ihr Einsatz der Tochter immens, damit die sich rechtzeitig auf den Weg beispielsweise nach Heide oder Itzehoe machen kann und keine Zeit vor Ort verlieren muss.

 Denn mittags möchten Mutter und Tochter wieder zu Hause sein. Während sich Steinert in Altenholz-Stift Dingen wie Kaffeetrinken beim DRK, Schwimmen oder Bingo widmet, hat ihre Tochter in Gettorf noch einen weiteren Job: Sie fährt Taxi. „Wir fahren beide so gerne Auto“, sagt die Gettorferin, deshalb würden sie ihre beiden Tätigkeiten so sehr schätzen – und den Zulassungsservice schon seit 32 Jahren betreiben.

 Steinert, gebürtig in der Nähe von Danzig, machte erst im Alter von 51 Jahren ihren Führerschein. Auslöser war ein Skiunfall ihres Mannes Helmut, der bereits 1990 verstarb. Damals fuhren sie schon Opel, denn Helmut arbeitete bei der Firma Kirberger, die sich der Marke verschrieben hatte. „Wir fuhren einen Opel-Rekord“, erinnert sich Steinert heute.

 Sie will auch nach ihrem 90. Geburtstag weitermachen. Mit einer Einschränkung. Ihr fast elf Jahre alter Corsa, der inzwischen passend zu ihrem Alter das Kennzeichen RD-SH 9090 führt, soll im Februar zum TÜV. „Diese Hürde wird er nicht mehr schaffen“, befürchtet sie, und ein neues Auto wolle sie nicht mehr kaufen. Eine Lösung, nicht vormittags zu Hause herumsitzen zu müssen, wurde bereits gefunden: Tochter Maren, Auto-Kennzeichen ECK-MK 111, will sie dann auf ihre Touren mitnehmen. „Ich kann unterwegs Hilfe gebrauchen“, sagt sie, und außerdem können sie gemeinsam Zeit miteinander verbringen.

 Dora Steinert steigt in ihr Auto. Drei oder sogar vier Sitzkissen helfen, über das Lenkrad schauen zu können. Ihren Geburtstag begeht sie bald nicht allein: Ihre Zwillingsschwester Margot feiert mit. „Da wird es wie in unserer Jugend bestimmt wieder die eine oder andere Verwechselung geben“, freut sich die Seniorin.

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