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Aufforderung zu mehr Toleranz

Carlshöhe in Eckernförde Aufforderung zu mehr Toleranz

Drei Fantasievögel schweben unter der Decke des Figurentheater-Museums „Phantasie an Fäden“auf der Eckernförder Carlshöhe. Geschaffen hat sie Ralf Rahier, Puppenspieler und Sammler, der mit seiner Frau Sabine Freund das Museum betreibt.

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Ralf Rahier vom Figurentheate-Museum (rechts) erläutert das Mobile mit den Fantasievögeln und seiner Ying-Yang-Symbolik. Der japanische Künstler und Kalligraph Kazuaki Tanahashi (oben) schaut interessiert zu.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Angeregt zu dieser Arbeit wurde er von seinem Freund Kazuaki Tanahashi (82). Der in Berkeley (USA) lebende Japaner inspirierte ihn dazu, denn Tanahashi vereint mehrere Berufe in sich: Zen-Meister, Kalligraph, Künstler und Friedensaktivist. Jetzt war Tanahashi im Museum zu Gast und weihte das Mobile mit dem Titel Balance of Peace ein.

 Das Thema Krieg und Frieden war elementares Thema in Tanahashis Familie. Der Vater gehörte der militärischen Elite Japans an, riet der japanischen Regierung von dem Überfall auf Pearl Harbor ab, fiel in Ungnade und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Shinto-Priester. Sohn Kazuaki wurde bereits als Jugendlicher Aikido-Schüler und begann im Jahr 1956 mit dem Studium der traditionellen chinesischen und japanischen Kalligrafie. In dieser Zeit begegnete er auf seiner spirituellen Suche einem japanischen buddhistischen Gelehrten und Spezialisten der Forschung zu Zen-Meister Dogen (1200–1253), begann mit ersten Übersetzungen aus dem mittelalterlichen in das moderne Japanisch. Im Jahr 1964 besuchte er auf einer USA-Reise erstmals den japanischen Zen-Meister Shunryu Suzuki in San Francisco. 1977 ging Tanahashi dauerhaft in die USA, 1992 gründete er zusammen mit der japanischen Malerin Mayumi Oda den Verein Plutonium-Free Future (Plutoniumfreie Zukunft) und startete das Projekt A World Without Armies (Eine Welt ohne Armeen). Für seine Verdienste als Künstler, Friedens- und Umweltaktivist wurde Kazuaki Tanahashi als Mitglied in die World Academy of Art and Science gewählt.

 „Ich nenne das eine kinetische Skulptur“, so Ralf Rahier bei der Einweihung des Mobiles. Beim ersten Besuch des Japaners vor einem Jahr hatte der ihm vorgeschlagen, gemeinsam etwas mit Masken oder Marionetten zu gestalten – etwas, das im Zusammenhang mit seinen Bildern stehen sollte. Die Idee entstand, drei Marionetten zu gestalten, deren farbige Seidentuchkörper auf Tanahashis Designmustern basieren.

 Er verband sie zu einem Mobile. Die drei Wesen, Vater, Mutter und Kind, haben Vogelköpfe. „Vögel kennen keine Grenzen“, erklärt Rahier. Die Tuchkörper stellen Gegensatzpaare dar, hell-dunkel, kalt-warm oder schwarz-weiß. „Das findet man in der Ying-Yang-Symbolik wieder“, erklärt der Figurengestalter, jedes menschliche Wesen trage Züge wie männlich und weiblich, gut und böse, Liebe und Hass in sich.

 Die beiden Künstler Tanahashi und Rahier sind der Meinung, dass jeder Mensch die Balance in sich selbst finden sollte. „Kulturen sind verschieden, Menschen sind verschieden“, so Rahier. Das müsse man akzeptieren ohne Angst, Gewalt und Hass. Nur so könne man in Frieden miteinander leben. Die Skulptur sei also eine Aufforderung zur Toleranz. Zu sehen ist sie im Museum.

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Ein Artikel von
Kai Pörksen

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