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Bilder sind für ihn Entspannung

Altenholzer Fotograf Bilder sind für ihn Entspannung

„Die Hingabe ist der Weg des Erfolges“, sagt Uwe Niederberger. Mit dieser geduldigen Arbeit am bestmöglichen Bild gelang ihm ein Foto, das den zweiten Platz beim Blende-Wettbewerb der Kieler Nachrichten belegte. „Ich fühle mich sehr ausgezeichnet“, sagt der Altenholzer.

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Uwe Niederberger liebt das Spiel mit dem Licht und schätzt dabei auch strahlende Tage wie diesen in Kiel-Holtenau, an der Förde. Der
Altenholzer gewann mit einem Foto zur „Ästhetik des Verfalls“ den zweiten Preis beim Blende-Wettbewerb der Kieler Nachrichten.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Altenholz. Er spielt gekonnt mit Licht und Schatten, Formen, Farben und Strukturen. Stellt beim Fotografieren hohe Ansprüche an sich, sortiert viel aus.

 Fotografieren, das ist für den verheirateten Familienvater Uwe Niederberger (58) aber nur ein Hobby zur Entspannung. Der Psychologe ist am Uniklinikum Kiel stellvertretender Direktor des Instituts für Psychologie und Medizinische Soziologie. Unter anderem bildet er Medizinstudenten aus. Weil er beruflich viel reden muss, „brauche ich zur Entspannung Bilder“. Das ist sein Ausgleich, seine Motivation.

 Uwe Niederberger lebt seit Jahrzehnten im Norden. Er stammt aber, das hört man noch ein bisschen, aus Schwaben – genauer: aus Geißlingen. Dort machte er auch das Foto, mit dem er den zweiten Preis gewann. Es zeigt einen Hauseingang mit Briefkästen, aus denen Zeitungen quellen – einige liegen schon auf dem Boden. Es entstand spontan in einer emotional schwierigen Situation, nach einem Angehörigen-Besuch im Pflegeheim. Ästhetik des Verfalls nannte der 58-Jährige das Bild – wissend, dass nicht jede Form des Verfalls ästhetisch ist. „Und das Foto hat auch etwas Sozialkritisches“, sagt Niederberger. Es steht für all jene Menschen, denen der Alltag über den Kopf wächst, die ihre Briefkästen nicht mehr öffnen. Menschen, mit denen er auch beruflich zu tun hat.

 Wie alle seine Bilder ist auch das ausgezeichnete Foto „dezent nachbearbeitet“. Gute Bilder, sagt er, entstehen aber zuallererst im Kopf: „Man muss wissen, was man tut.“ Wie zum Beispiel an jenem Tag, als er mit seinem Hund draußen in Strande, bei Bülk, unterwegs war. Schlechtes Wetter zog heran, und Uwe Niederberger erinnerte sich an das Sonnenblumenfeld bei Gut Hohenhain in Schwedeneck. Und hatte schon das Bild vor Augen, das mittlerweile im Titel seiner Seite beim Fotoportal Flickr im Internet zu sehen ist: leuchtende Sonnenblumen vor bedrohlich blau-grauem Himmel, die gelben Zungenblüten vom Wind nach vorne gedrückt. „Die sind eigentlich auf der Flucht“, beschreibt der gute Beobachter Niederberger.

 Viele seiner Bilder entstanden auch auf Kreta, im Urlaub. „Meine zweite Heimat – da habe ich Zeit.“ Wegen der „Passion für Griechenland“ tragen seine Fotos das Künstlerpseudonym Xenos – griechisch für „Fremder“ oder „Gast“. Beim Bergwandern auf Kreta – noch ein Hobby Niederbergers – schleppt er schon mal fünf Kilo an Kameraausrüstung mit.

 Begeistert erzählt der 58-Jährige („ich bin nur ein Amateur“) von zwei professionellen Vorbildern. Friedrich „Fiete“ Magnussen, in den 1950er- und 60er-Jahren Bildreporter bei den Kieler Nachrichten. Und Jan Köhler-Kaeß (JKK), der seit 1977 über 30 Jahre lang für die KN fotografierte. Im Gegensatz zu den Berufsprofis hatte Uwe Niederberger bisher nie Geld für seine Fotos bekommen. Nun erhielt er 250 Euro für den zweiten Platz beim Blende-Wettbewerb. Der Altenholzer freut sich aber auch, wenn Menschen seine Bilder im Internet zu schätzen wissen – zum Beispiel, wenn er in einer Auswahl innerhalb der Flickr-Community landet.

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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