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Der zweite Mann geht von Bord

Awo Gettorf Der zweite Mann geht von Bord

Er war bis zu seiner Pensionierung 1996 Kommandant des Zerstörers „Mölders“ und anderer Marineschiffe. Jetzt verlässt der im Ruhestand lebende Kapitän zur See Hartmut Trimpler auch die Brücke der Awo Gettorf und Umgebung. Die Mitglieder müssen am Freitag einen Nachfolger wählen.

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„Immer an einem Strang gezogen“: Hartmut Trimpler (re.) und Wulf-Dieter Stark-Wulf sind ein gutes Team.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf. Seine frühe Pensionierung mit nur etwas über 50 Jahren verdankt Trimpler der deutschen Wiedervereinigung. Aber die Hände in den Schoß legen – das war und das ist nichts für den gebürtigen Stettiner, der seit 1976 in Holtsee lebt. Er trat 1972 in die SPD ein („wegen Willy Brandts Entspannungspolitik“), ist seit den 80er Jahren Greenpeace-Mitglied („ich war entsetzt über die Verklappung von Dünnsäure in der Nordsee“), er engagierte sich über 20 Jahre lang als Gemeindevertreter und war von 1998 bis 2009 Vorsitzender des SV Holtsee. 1996 sagte ihm der Gettorfer Awo-Vorsitzende Wulf-Dieter Stark-Wulf: „Wir brauchen dich!“ Da musste Trimpler, so erinnert er sich heute, nicht lange überlegen. „Mit meinem ehrenamtlichen Engagement wollte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagte der frühere Marineoffizier am Donnerstag in einem Pressegespräch.

 Awo-Urgestein Stark-Wulf – Vorsitzender seit 33 Jahren – und Trimpler als zweiter Vorsitzender haben den Ortsverband durch manche schwere See geführt. „Aber wir haben es immer irgendwie gepackt“, so das scheidende Vorstandsmitglied. Das Rezept für die gute Zusammenarbeit? Trimpler: „Wir haben uns die Meinung gesagt, uns aber nie in die Wolle gekriegt, und wir haben immer an einem Strang gezogen“, wobei er den eher ausgleichenden Part übernommen habe.

 „Seine Unterstützung war in vielen Dingen ganz, ganz wichtig“, lobte Stark-Wulf seinen langjährigen Vorstandspartner und hob insbesondere Trimplers Verlässlichkeit hervor – „wie man es von einem Militär erwarten kann“.

 Der 72 Jahre alte Holtseer setzte sich auch auf Landesebene für die Arbeiterwohlfahrt ein. Auch war er ehrenamtlicher Geschäftsführer der mittlerweile aufgelösten Awo-Tochterfirma Arbeit und Umwelt gGmbH und später der Wohnen, Leben, Arbeit. In diese gGmbH wurden die seniorengerechten Sozialwohnungen in Holtsee eingebracht, deren Bau Trimpler als Gemeindevertreter mit viel Hartnäckigkeit durchgesetzt hatte. Geduld gehöre dazu, wenn man etwas erreichen will – „und Kompromissbereitschaft“.

 Ein besonders einschneidendes Erlebnis hatte der Vater zweier erwachsener Töchter in den 90er Jahren, als ein von der Awo in Neudorf erworbenes Gebäude zu einem Kindergarten umgebaut wurde. Während der Bauphase meldete der Generalunternehmer Insolvenz an. Trimpler sorgte dafür, dass die Subunternehmer bei der Stange blieben und die Awo mit einem blauen Auge davonkam.

 Die Erfahrungen, die er damals in Neudorf machte, kamen ihm später beim Bau des Kindergartens in Holtsee zugute. „Das war das erste öffentliche Gebäude, das in der Endabrechnung weniger gekostet hat als veranschlagt“, sagte er.

 „Im Vorstand der Gettorfer Awo sitzen gute Leute“, weiß Trimpler. Deswegen falle ihm der Abschied auch nicht so schwer.

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Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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