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Freispruch nach tödlichem Unfall

B 76 Freispruch nach tödlichem Unfall

Drei Jahre lang machte sich Nils D. immer wieder Gedanken. Hätte er den Unfall, bei dem ein 72-Jähriger starb und ein 71-Jähriger schwer verletzt wurde, verhindern können? Nun hat die sorgenvolle Ungewissheit ein Ende. Das Amtsgericht in Eckernförde sprach den 25-Jährigen vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.

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Die Unfallstelle vor drei Jahren: Die Bundesstraße 76 war damals vorübergehend für den Verkehr gesperrt, während das Rettungspersonal versuchte, das Leben der beiden Senioren zu retten. Ein 72-Jähriger starb noch vor Ort.

Quelle: Volker Rehbehn

Eckernförde. Ausschlaggebend für dieses Urteil waren zwei Gutachten der Dekra, in denen die Sachverständigen zum Schluss kamen, dass D. keine Schuld an dem tragischen Geschehen vom 9. Oktober 2013 trägt.

 Am Abend jenes Tages befuhr der junge Mann gegen 19.10 Uhr mit seinem E-Klasse-Mercedes in Eckernförde die B76 Richtung Schleswig. In Höhe des Schulweges bemerkte er im Lichtkegel seines Autos Personen auf der Fahrbahn. „Ich habe sofort gebremst und die Lenkung nach links gezogen“, erklärte er jetzt vor Gericht. Eine Kollision mit den beiden dunkel gekleideten Männern, die die Straße trotz der roten Fußgängerampel überquerten, konnte er dennoch nicht vermeiden. Der 72-Jährige starb noch an der Unfallstelle, sein ein Jahr jüngerer Bekannter kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

 Das Gericht musste nun klären, ob der junge Autofahrer eventuell zu schnell unterwegs oder abgelenkt war und ob der Unfall möglicherweise hätte verhindert werden können. Bereits an den ersten Verhandlungstagen hatte eine Zeugin, die die Bundesstraße aus entgegenkommender Richtung mit ihrem Auto befuhr, den 25-Jährigen entlastet. Auch sie war Sekunden vor dem Unfall von den beiden „über die Straße schlendernden Männern“ überrascht worden, konnte ihnen aber gerade noch ausweichen. Dem Angeklagten gelang dies nicht. Möglicherweise, weil er zu schnell war, wie die Staatsanwaltschaft vermutete?

 Zwei Sachverständige der Dekra widersprachen dieser Annahme nun nach eingehender Untersuchung. Bereits wenige Stunden nach dem Unfall war eine Diplom-Ingenieurin vor Ort, um sich einen ersten Eindruck vom Geschehen zu verschaffen.

 Auf Veranlassung des Gerichts wurde im April dieses Jahres zudem eine lichttechnische Messung durchgeführt. Dafür wurde die Bundesstraße im besagten Bereich komplett gesperrt. Bei vergleichbaren äußeren Bedingungen seien insgesamt acht Messungen durchgeführt worden, sagte die Sachverständige.

 Nach ihren Angaben sei der Angeklagte mit einer Geschwindigkeit zwischen 55 und 63 Stundenkilometern unterwegs gewesen. Erlaubt waren 50 Stundenkilometer. Doch auch wenn er sich daran gehalten hätte, wäre eine Kollision mit den beiden Fußgängern, von denen mindestens einer nachweislich alkoholisiert gewesen war, unvermeidbar gewesen. Nur bei einem Tempo von 30 Stundenkilometern hätte der Unfall mit tödlichen Folgen verhindert werden können. Doch für solch eine Reduzierung der Geschwindigkeit habe es keinerlei Anlass gegeben.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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