3 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Wenn grüne Riesen reden

Bäume in Eckernförde Wenn grüne Riesen reden

Brennholz, Baumaterial, nachwachsender Rohstoff: Bäume werden benutzt. Und bewundert. Bei der Baumführung durch Eckernförde geht der Mensch mit lebenden Riesen auf Tuchfühlung. Die Annäherung mit Respekt machen Natur- und Landschaftsführerinnen wie Jutta Fenske möglich.

Voriger Artikel
„Freiheit ist das höchste Gut“
Nächster Artikel
„Sportpark Gettorf“ macht das Rennen

Amberbaum-Blatt zwischen Blutbuchen, Linden, Eichen: Im Park am Vogelsang feiern Exotik und heimische Riesen friedliche Koexistenz.

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Bergstraße Borby. Auch der Stadtteil, der mal ein Dorf war, hat seine Gedenkeiche. 1871 pflanzte man hier für Kaiser Wilhelm I. eine Eiche. So steht es auf dem Gedenkstein. Mit mächtigem Schirm überspannt der Baumriese, der heute höher als 20 Meter ist und mit über 4,20 Meter Stammumfang jedes Klischee der „deutschen Eiche“ erfüllt, Fahrbahn und Gehwege, ragt in den Schulhof, macht Menschen winzig, wenn sie in seinen Schatten treten. Allein die Dunkelheit ist es nicht, die das kühle, subtil besänftigende Gefühl erzeugt, als Jutta Fenske und ihre fünf Mitwanderer für einen Moment hier verweilen.

„Ein 100 Jahre alter Baum produziert im Jahr 4,6 Tonnen Sauerstoff“, klärt sie auf. Das hat man schon mal gehört. Aber es ist etwas anderes, sich – berechnet auf die Kaisereiche – 6,9 Tonnen Sauerstoff bildlich vorzustellen: fast 49000 Kubikmeter, ein Würfel von 49 Meter Seitenlänge voller Sauerstoff bei Null Grad Celsius. Nicht auszudenken die Masse, wenn er sein Höchstalter 1000 erreichen sollte. „Da fühlt man sich doch gleich erfrischt“, raunt das Grüppchen und schreitet von Grün zu Dunkelrot.

Die Borbyer Kaisereiche in der Bergstraße wurde 1871 gepflanzt. In ihrem Schatten ist es fast wie im Tunnel.

Zur Bildergalerie

Gewaltige Blutbuchen stehen auf dem Rundweg von zweieinhalb Kilometer Länge. Im Bürgerpark flößt das Prachtexemplar von 23 Metern Höhe mit 4,60 Meter Stammumfang Respekt ein. Beim genauen Betrachten kriecht Gänsehaut über den Rücken. Was wäre, wenn die gewaltige Wunde im Stamm weiter aufklafft, weil die stabilen Spanngurte in der Krone nachgeben? Die Baumführerin lächelt. „Eckernfördes Bäume sind gut überwacht und geschützt. Sie sind auch nummeriert. Bei Gefährdung wird gehandelt.“ Marlies Seck und Paula Poppe wundern sich, warum sie unterm Blätterdach nicht mehr rot sehen. „Auf der Unterseite sind Blutbuchenblätter grün“, erfahren sie. Dass dagegen Rotbuchen nie rot sind, während die wuchtige Hainbuche mit dem gewunden-verzweigten Stamm in der Karlstraße mit Birken verwandt ist, ist bei direkter Anschauung faszinierender als beim Studium von Büchern. Blätter und Rinde zu analysieren, fördert Entdeckergeist.

Exotik und heimische Vielfalt formen im Park am Ufer, auf dem Friedhof Mühlenberg, am Finanzamt geheimnisvoll rauschende Welten, die künstlichen Außenlärm abschirmen. Gingkos offenbaren, dass ihre Blätter liebevolle vereinigte Nadeln sind. Eine gewaltige Schwarzkiefer kitzelt Mittelmeer-Erinnerungen wach. Der haushohe Amberbaum am Denkmal verströmt würzig-süßen Duft. „Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt“, schließt die Baumführerin nach zweieinhalb Stunden mit Worten des Philosophen Khalil Gibran.

Baumkrankheiten nehmen zu

Die Stadt Eckernförde nummeriert große Bäume im öffentlichen Raum. Zweimal jährlich werden sie auf Sicherheit und Krankheiten überprüft. Die Baumschutzsatzung sorgt dafür, dass auch privat nicht einfach abgeholzt werden kann. Auch Wohnungsunternehmen geben Bäumen auf ihren Flächen Nummern zwecks Überwachung. „Baumkrankheiten machen uns vermehrt zu schaffen“, sagt der städtische Naturschutzbeauftragte Michael Packschies. „Aktuell sind drei alte Kastanien am Petersberg so krank, dass wir sie ersetzen müssen.“

Obwohl Eckernförde beim Naturschutz als Vorbild gelte, sei die Wertschätzung für Bäume längst nicht bei allen Bürgern ausgeprägt. „In Hamburg etwa gibt es kaum Beschwerden, dass Bäume zu groß sind. Das ist hier anders.“ Die Gratis-Broschüre Eckernförder Baumstrecke klärt über besondere Stadtbäume auf. Es gibt sie im Rathaus.

Bäume werden nummeriert und überprüft

Die Stadt Eckernförde nummeriert große Bäume im öffentlichen Raum. Zweimal jährlich werden sie auf Sicherheit und Krankheiten überprüft. Die Baumschutzsatzung sorgt dafür, dass auch privat nicht einfach abgeholzt werden kann. Auch Wohnungsunternehmen geben Bäumen auf ihren Flächen Nummern zwecks Überwachung. „Baumkrankheiten machen uns vermehrt zu schaffen“, sagt der städtische Naturschutzbeauftragte Michael Packschies. „Aktuell sind drei alte Kastanien am Petersberg so krank, dass wir sie ersetzen müssen.“

Obwohl Eckernförde beim Naturschutz als Vorbild gelte, sei die Wertschätzung für Bäume längst nicht bei allen Bürgern ausgeprägt. „In Hamburg etwa gibt es kaum Beschwerden, dass Bäume zu groß sind. Das ist hier anders.“ Die Gratis-Broschüre Eckernförder Baumstrecke klärt über besondere Stadtbäume auf. Es gibt sie im Rathaus.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3