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Bäumen mit Respekt begegnen

Altenholz Bäumen mit Respekt begegnen

Florian Holzer und Lars Henningsen sind sympathische und gutmütige Zeitgenossen, aber eines nervt sie gewaltig: Wenn Altenholzer oder Dänischenhagener Bürger sich über sie beschweren, wenn sie im Auto sitzen.

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Florian Holzer (links) und Lars Henningsen überprüfen den Zustand einer 200 Jahre alten Linde in Stift.

Quelle: Kai Pörksen

Altenholz. Denn dort gehen sie ihrer Arbeit nach, auch wenn es für Außenstehende nicht so aussieht. Holzer und Henningsen sind Baumkontrolleure beim gemeinsamen Bauhof der Gemeinden Altenholz und Dänischenhagen. Und da besteht die Hälfte ihrer Arbeit in der Dokumentation des öffentlichen Baumbestandes – und das geschieht im Sitzen auf dem Bock ihres Einsatzfahrzeugs.

 „Die sitzen nur im Auto und tun nichts“, ist also unangebracht. Im Gegenteil. Die Arbeit der beiden frisch absolvierten Baumkontrolleure ist umfangreich: Allein in Altenholz sind etwa 2000 Einzelbäume datentechnisch zu erfassen, in Dänischenhagen kommen noch einmal 1000 hinzu. 1040 Bäume sind bereits erfasst, bei vielen greift inzwischen die Nachkontrolle. So gilt die Regel: Je frequentierter der Standort, desto kürzer die Überwachungsintervalle. An Hauptstraßen, Schulen, Kindergärten und Spielplätzen besteht besondere Sorgfaltspflicht.

 Bauhofleiter Andreas Klaedtke ist froh, die beiden dafür ausgebildeten Mitarbeiter zu haben. „Das verkürzt viele Entscheidungswege, die mit der Unteren Naturschutzbehörde zu treffen sind“, freut er sich, denn die Behörde könne sich jetzt auf die Kompetenz der beiden verlassen. Holzer, ausgebildeter Gärtner und 21 Jahre alt, und Henningsen (40), gelernter KFZ-Mechaniker, haben einige Monate büffeln müssen, um die Prüfung zum Baumkontrolleur zu bestehen. „Der praktische Teil war nicht so schlimm“, sagt Henningsen, doch die Theorie hatte es in sich. Selbst Holzer als gelernter Gärtner wurde hart auf die Probe gestellt. So hieß es, nicht nur alle Baumarten voneinander unterscheiden zu können, sondern auch um deren Wachstum und Besonderheiten zu wissen, Krankheiten zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, Gefahren abzuwehren, ohne die Bäume gleich zu entfernen.

 „Jeder Baum ist anders“, so Holzer. Deshalb müsse man sich jedem Exemplar mit Respekt nähern. „Baumansprache“ nenne man das, in Ruhe den Baum einzuschätzen, vor allem, wenn man tief in den Bestand eingreifen müsse.

 In den meisten Fällen reicht jedoch eine Sichtung vom Boden aus, „Fachliche Inaugenscheinnahme“, wie es amtlich heißt. Handwerkszeug: ein Gummihammer, ein Metallstab und ein iPad, um die Daten aufzunehmen. Alter, Wuchs und Zustand notieren, mit dem Hammer den Stamm abklopfen, um Hohlräume aufzuspüren, mit dem Stab in Löcher im Stamm stechen, um zu sehen, wie weit Wasser eindringen und für Fäulnis und Pilze sorgen und so den Baum schwächen kann. Für die eingehende Überprüfung wird schon mal ein Bohrer angesetzt und Proben entnommen.

 Für den oberen Bereich wird ein Hubsteiger eingesetzt, manchmal reicht für die Bestandsaufnahme aber auch ein Fernglas. Bei einer Linde im Stifter Park ist es komplizierter. Der 200 Jahre alte Baum teilt sich ab einer Höhe von drei Metern, dort ist ein sogenannter Zwiesel entstanden. An der Gabelung dringt dadurch leicht Feuchtigkeit in den Stamm ein und sorgt für Fäulnis. Weit oben sind die Verzweigungen bereits durch Stahlseile miteinander verbunden und so gesichert. „Wir wissen nicht, wie alt das ist“, so Holzer. Da müsse man wohl nochmal ran. Für die Stifter ist das ein Stück Sicherheit mehr.

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