15 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Heftige Kritik an Gettorfs Stadtmarketing

Belebung der Fußgängerzone Heftige Kritik an Gettorfs Stadtmarketing

Der Weg zu einer brummenden Fußgängerzone in Gettorf ist steinig. Seit März 2015 schiebt die Lübecker Beratungsgesellschaft Cima das Stadtmarketing in dem 7000-Einwohner-Ort an. Am Erfolg scheiden sich jedoch die Geister.

Voriger Artikel
Dekan der Polizei-Akademie gibt sein Amt auf
Nächster Artikel
Die Margerite von Altenholz

Blühendes Leben erhoffen sich Kommunalpolitik und Wirtschaft durch das Stadtmarketing der Cima für den Gettorfer Ortskern, doch die Belebung der Fußgängerzone lässt noch zu wünschen übrig.

Quelle: Jan-Torben Budde

Gettorf. Nach einem Vortrag am Montagabend im Bauausschuss hagelte es von Seiten der Gemeinde deutliche Kritik. „Ich sehe nach wie vor keine Belebung des Ortskerns“, monierte Vorsitzender Marco Koch (CDU) ohne Umschweife, „das habe ich mir vor zwei Jahren anders vorgestellt.“ Bürgermeister Jürgen Baasch (SPD) schloss sich der Meinung an: „Ihre Vorstellungen sind nicht schlecht, aber es ist zu viel Theorie.“ Unterm Strich kämen dabei nicht einmal einheitliche Ladenöffnungszeiten im Gettorfer Zentrum heraus.

Zuvor hatte Cima-Mitarbeiterin Lisa Scheer über den aktuellen Stand im Stadtmarketingprozess referiert. Die Beraterin verwies auf leerstehende Gewerbeflächen im Ortskern, wo Handlungsbedarf besteht. Priorität habe das ehemalige Café am Alexanderplatz, das den Eingangsbereich der Fußgängerzone präge. Was tun? Eine Bürgerbeteiligung hat nach ihrer Aussage den Wunsch nach einem Restaurant mit Außengastronomie ergeben. Von einem weiteren Café oder Bäcker riet Scheer angesichts gut laufender Betriebe in der Eichstraße ab. Was das frühere Reisebüro gegenüber und das benachbarte Atelier angeht, schlug die Cima-Mitarbeiterin vor, eine Zusammenlegung beider Gewerbeeinheiten zu prüfen. Laut Befragung gebe es Bedarf an „Damenoberbekleidung für 50 plus“, so Scheer. Die optische Aufwertung der Fußgängerzone ist nach ihrer Auffassung nicht zentrale Aufgabe des Stadtmarketings, sondern gehöre zu den Jobs der Gemeinde. Als Beispiele nannte Scheer die Gestaltung von Plätzen oder die Möblierung mit neuen Spielgeräten für Kinder. Sie legte der Gemeinde einen Standortmanager ans Herz, der dann ab 2017 die Belebung des Ortskern weiter vorantreibt. Hintergrund: Der Vertrag mit der Lübecker Beratungsgesellschaft läuft Ende dieses Jahres aus. Die Cima ist im Auftrag des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Gettorf und Umgebung tätig. Für Wirtschaftsförderung stellt die Gemeinde 40000 Euro zur Verfügung, verteilt auf zwei Jahre. Zudem riet die Cima-Mitarbeiterin dazu, eine Lenkungsgruppe mit Vertretern aus Kommunalpolitik, Wirtschaft und Verwaltung ins Leben zu rufen.

„Viel Neues war auf den Folien nicht zu sehen“, kritisierte Marco Koch den Vortrag. Der Shopping-Abend unter dem Motto Halloween im vergangenen Herbst sei zwar durchaus gelungen gewesen, reichte aber nach seinem Geschmack nicht aus. Sorgen bereiten Bürgermeister Baasch schon jetzt die Reaktionen der Bürger, sollte der mit Steuergeldern finanzierte Stadtmarketingprozess bis zum Jahresende kaum vorzeigbare Ergebnisse erbringen.

Die Kritik ließ Cima-Mitarbeiterin Regina Schroeder so nicht stehen. Besagten Shopping-Abend bezeichnete die Betriebswirtin als „schwere Geburt“, der hinter den Kulissen viel Arbeit erfordert habe. Sie sprach von einem Erfolg, zumal es im Herbst voraussichtlich eine Neuauflage der Aktion geben werde. „Wir hätten zwei Jahre lang Party machen können, aber wenn die Energie verpufft, ist nichts gewonnen“, sagte Schroeder. Statt einer kurzfristigen Belebung ziele das Cima-Engagement auf langfristige Effekte ab.

„Die Stelle ist absolut notwendig“, bekräftigte HGV-Vorsitzender Thomas Grötsch die Forderung nach einem Standortmanager als Ansprechpartner für Wirtschaft, Politik und Vereine. Ehrenamtlich sei die Arbeit nicht mehr zu leisten. Auch Thorsten Wilke (FDP) sprach sich für ein professionelles Stadtmarketing und besagte Lenkungsgruppe aus.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3