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30 Jahre Qualität statt Quantität

Tüttendorf 30 Jahre Qualität statt Quantität

Ein promovierender Biologe und eine angehende Biologielehrerin beschließen, Landwirte zu werden. Sie wissen viel von ökologischen Zusammenhängen, und nach kurzer Zeit bewirtschaften sie ihren Betrieb biologisch-dynamisch – nunmehr seit 1985.

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Pioniere der Bioland-Idee: Yannick, Anne, Harald und Tonia Rzehak (von links) auf einer ihrer Kuhweiden.

Quelle: Birgit Johann

Tüttendorf. Mit Hunderten von Besuchern und ihren eigenen Kindern feierten Anne und Harald Rzehak auf ihrem Tüttendorfer Bioland-Hof in der Holander Allee am Sonntag dessen 30-jähriges Bestehen.

„Wir waren damals Pioniere“, stellt Anne Rzehak (59) fest. Die Bioland-Idee zu vertreten und davon leben zu können, sei nicht immer leicht gewesen. Ihr Mann habe den Hof von seinem Vater, einem Flüchtling aus der Region des heutigen Tschechiens, überschrieben bekommen. Schon als Biologiestudent betrieb Harald Rzehak die Hofanlage nebenbei. Als Doktortitel und Berufswahl anstanden, entschieden er und seine Frau, damals Referendarin, doch lieber hinsichtlich der Landwirtschaft Nägel mit Köpfen zu machen. Seine Doktorarbeit beendete Harald Rzehak trotzdem nebenbei.

1986 half dem jungen Paar dann die Atomkatastrophe von Tschernobyl – eine Ironie des Schicksals. Als der Reaktor am 26. April 1986 explodierte, besaßen die Rzehaks noch viel unverstrahltes Silagefutter. Kuh Bellas Milch wurde auf Geheiß des Vereins Eltern für unbelastete Nahrung getestet, und das Ergebnis überzeugte. „Dadurch wurden wir bekannt“, erklärt Anne Rzehak. Immer mehr Kieler wollten lieber Milch von diesem Hof als aus dem Supermarkt.

Auf Milchkuhhaltung hatten die Rzehaks von Anfang an gesetzt. 1990, vor 25 Jahren, eröffneten sie außerdem einen Hofladen und bieten seitdem neben ihrer Vorzugsmilch und Quark auch weitere Zukaufprodukte in Bio-Qualität an.

Und nun steht auf dem Hof Rzehak wieder ein Wandel an: Sohn Yannick (28) schickt sich an, den Betrieb zu übernehmen, und seine drei Jahre jüngere Schwester Tonia will mit einsteigen. Yannick hat in Witzenhausen ökologische Landwirtschaft studiert. Wie seine Eltern setzt er auf Qualität statt Quantität: „Milch darf kein Massenprodukt sein“, betont er. 45 Milchkühe und die Bewirtschaftung von 60 Hektar Land seien genug. Schon jetzt produziere man 270.000 Liter pro Jahr. 120.000 hiervon werden direkt vermarktet. Streng kontrollierte Vorzugsmilch, die an Kindergärten, Naturkostläden und Privatleute aus der Region geht. In Zukunft soll die Palette an Milchprodukten erweitert werden und man will noch mehr auf die Bedürfnisse der Tiere eingehen. Geplant ist zum Beispiel eine Ammenhaltung, bei der zumindest einige Mutterkühe länger die neugeborenen Kälber betreuen können.

Außerdem zählen sich die Rzehaks zu den vier „Schinkeler Höfen“, einen Namen, den es seit dem Frühling gibt: Gemeinsam mit dem Wurzelhof, der Bäckerei Kornkraft, Hof Mevs und den Verbrauchern will man solidarische Landwirtschaft betreiben. Kurz beschrieben geht das so: Die Betriebe ernähren einen Kreis von Menschen, und alle zusammen tragen die Verantwortung.

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