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Gegessen wird, was Gäste mitbringen

„Bistro“ mit neuem Konzept Gegessen wird, was Gäste mitbringen

Die gute Nachricht: Das „Bistro“ macht nicht zu! Nun das weniger Gute: Ab dem neuen Jahr gibt es in der Kneipe am Eckernförder Gänsemarkt weder Frühstück noch „Flöten“ oder andere Speisen. Tina Ihnen bietet künftig nur noch Getränke und Kuchen an. Aber: Gäste dürfen Essen mitbringen.

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Zu dritt hinterm Tresen: Bistro-Chefin Tina Ihnen mit Liza und Johanna (von rechts), zwei von insgesamt 14 Mitarbeiterinnen, die für die Vorbereitung von Speisen auf engstem Raum agieren müssen.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Tina Ihnen, seit 20 Jahren die Chefin im „Bistro“, hat sich aus mehreren Gründen dazu entschlossen, künftig nur noch Getränke und Kuchen anzubieten. Allerdings: Gäste, die Hunger verspüren, dürfen sich gern etwas zu essen mitbringen. Vorausgesetzt, sie bestellen sich etwas zu trinken.

 Tage, an denen Tina Ihnen von morgens um neun bis nachts um eins hinterm Tresen anzutreffen ist, sind keine Seltenheit. Wiederholt hat sich die 51-Jährige deshalb in jüngster Vergangenheit die Frage gestellt, ob sie das dauerhaft wolle. Die Antwort, die sie sich selbst gab, war nein. „Es soll ja noch Spaß machen“, sagt sie. Deshalb entschied sie sich für das neue Konzept.

 Ausschlaggebend dafür war nicht allein die personalintensive Komponente, sondern auch die räumliche Enge hinter dem Tresen, zu der es keine Alternativen gab und geben wird. „Ein Umbau kommt nicht infrage“, erklärt sie und verweist auf die ungewisse Zukunft des Gebäudes. Der schon vor Jahren verstorbene Besitzer des Hauses hat nämlich zu Lebzeiten testamentarisch festgelegt, dass aus seinem Besitz eine Stiftung entstehen soll. Das allerdings gefällt dem einzig Hinterbliebenen, einem Neffen, gar nicht. Und so bemüht der intensiv die Gerichte. Auch aufgrund wechselnder Testamentsvollstrecker scheint eine Lösung weder kurz- noch mittelfristig in Sicht. Umbau- sowie Lärm- und Brandschutzmaßnahmen, die bei einem Pächterwechsel erforderlich würden, werden dadurch blockiert. „An Interessenten, die das ,Bistro’ übernehmen wollten, mangelt es nicht“, sagt Tina Ihnen. Doch unter den gegebenen Voraussetzungen sei das nicht möglich. Diese Auskunft habe sie auch im Rathaus erhalten. Die Konzession für den Gastronomiebetrieb gelte unter den gegebenen Gesichtspunkten nur für sie. Höre sie auf, sei damit auch das Ende des „Bistros“ besiegelt.

 Um die vielen Stammgäste nicht zu enttäuschen, hat sich Tina Ihnen, die vor der Übernahme als Pächterin bereits zwölf Jahre lang als Mitarbeiterin der Vorpächterin tätig war, dazu entschlossen, künftig keine Speisen mehr anzubieten. Zumal die Küche auf engstem Raum untergebracht sei und nur sehr wenige Möglichkeiten biete. „Ich hoffe, meine Stammgäste werden mir auch weiterhin die Treue halten“, betont sie. Viele von ihnen hätten Verständnis für ihre Entscheidung gezeigt. Und einige hätten bereits signalisiert, sich die Zutaten für ein gemütliches Frühstück in der Gruppe künftig selbst mitbringen zu wollen.

 Kritisch bewertet die erfahrene Gastronomin die zunehmend restriktiver werdenden Auflagen der Behörden und des Gesetzgebers. So sei die Beschäftigung von Minijobbern, die den Betrieb des „Bistro“ durch ihre Flexibilität sichern, nicht gewollt. Hinzu komme der Mindestlohn, der nicht nur bei ihr, sondern allgemein die Situation in der Gastronomie erschwere.

 Aufgeben will Tina Ihnen aber vorerst nicht. Sollte sich ihr neues Konzept als richtig herausstellen und sollte sich die örtliche Politik dazu entschließen, den Gänsemarkt endlich attraktiver zu gestalten, so möchte sie gern noch einige Jahre weitermachen.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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