8 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Der Reiz des Bogenschießens

Felm Der Reiz des Bogenschießens

Im Wald in Felmerholz gibt es einen Bären. Aus Kunststoff. Wie Fuchs und Hirsch, Marderhund, Reiher und andere Tiere dient er den Bogenschützen des SV Felm als Ziel. Sie üben sich in der traditionellen Variante, die boomt. Ein Besuch.

Voriger Artikel
Neue Fahrzeughalle steht
Nächster Artikel
Ein Erfolgsmodell

Voll konzentriert: Die Bogenschützen des SV Felm - (v.l.) Horst und Elke Dorloff, Hans-Jürgen Grube, Nils Metauge und Achim Hantke.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Felm. Der Eingang liegt versteckt hinter dem Sportplatz. Ein schmaler Durchschlupf – und man gelangt auf einen Waldpfad, der über verschlungene Wege zu 17 Zielen führt. Der 3D-Parcours des SV Felm. Innerhalb von zwei Jahren wuchs die Sparte von 24 auf 49 Mitglieder. „Er ist schuld“, sagt Horst Dorloff und zeigt auf Leiter Hans-Jürgen Grube. Der übt sich schon länger im Schießen auf realistisch anmutende Attrappen. Und initiierte die Bogensparte, in der zum Teil ganze Familien Mitglied sind. Wie die Dorloffs, die über ihre Kinder zum Sport kamen. Die Mitglieder kommen aber nicht nur aus Felm, sondern zum Beispiel auch aus Altenholz, Eckernförde oder Kiel.

 Schuld daran ist wohl auch der interessante Sport an der frischen Luft, der einen faszinierenden Wechsel von An- und Entspannung bietet. Der im einen Moment komplette Fokussierung aufs Ziel erfordert. Und im nächsten einfach heiter stimmt beim Wandern durch den Wald, in dem die Vögel zwitschern, der Holunder duftet, die Sonne durchs Laub blinzelt.

 Die Mitglieder der Felmer Bogensparte dürfen jederzeit zum Schießen in den Parcours. Mancher, wie Achim Hantke, ist fast jeden Tag im Wald unterwegs. Er kommt aus dem Leistungssport, auch beim Bogenschießen tüftelt er akribisch an Feinheiten. „Beim olympischen Schießen kennt man die Entfernung, schießt über eine ebene Fläche – im Wald ist alles anders“, sagt er. In der Tat ist es gar nicht so einfach zu schätzen, wie weit entfernt der schmale Graureiher steht. Oder das Wildschwein. Und dann die Lichtverhältnisse! Manchmal sehen die Schützen die Tiere, die auch Zielzonen haben, kaum.

 Klar ist aber, wo es langgeht: Pfeile weisen den Weg zur nächsten Station. Dort markieren farbige Pflöcke die Schießposition, die Neigung verrät, wo das Ziel zu suchen ist. Damit der Ablauf nicht zur Gewohnheit wird, baut Hans-Jürgen Grube den Felmer Parcours gerne mal ideenreich um.

 „Mit Erfahrung lernt man, das Gelände einzuordnen“, sagt Grube: „Ich ziele gar nicht – ich schieße intuitiv und behalte den Punkt immer im Auge.“ Eine kleine Gruppe ist heute im Wald unterwegs: Grube, Hantke, Horst und Elke Dorloff, der Altenholzer Nils Metauge und Jorge Margarido. Sie schießen nach dem Jagdrunde-Modus: ein Pfeil pro Ziel. Hopp oder Top. Bei einer Waldrunde stehen drei Pfeile pro Attrappe zur Verfügung. Ein Fuchs ist das erste Ziel. Ein Schütze nach dem anderen tritt an den Pfosten. Das Geplauder der Gruppe verstummt. Pfeil in die Sehne einhaken. Konzentration. Bogen heben. Und Schuss.

 Nils Metauge ist seit Jahresbeginn dabei, will bald zu Turnieren. Es gibt bei den traditionellen Bogenschützen eine eigene Szene. Oft werden Spaßturniere veranstaltet, doch es gibt auch Meisterschaften: Gerade wurde Grube Landesmeister in der Ü55-Klasse mit dem Langbogen – er peilt sogar die WM an, sagt er. Sein Sohn Morten setzte sich als Landesmeister in der Ü12-Klasse Jagdbogen durch.

 Metauge sucht den Ausgleich zur Büroarbeit beim Bogenschießen. Er schätzt „die Konzentration und die Ruhe“. „Und die frische Luft“, ergänzt Informatiker Margarido. Auf geht’s zum Hirschen – der steht über 40 Meter entfernt. „Da muss ich ballistisch schon eine Idee haben“, erklärt Hantke. Denn der Pfeil verliert im Flug an Höhe. An der Ausrüstung gibt es viele Stellschrauben. Doch auch mit einfachem Gerät kommt man weit, sagt Hantke: Er schaffte es so schon zur deutschen Meisterschaft. Einsteiger können Bögen zunächst auch leihen – die Miete wird beim Kauf angerechnet.

 „Es entspannt ungemein im Wald“, sagt Elke Dorloff. Ihr gefällt das Schießen auf die Tierattrappen besser als das auf Scheiben. Der Felmer Parcours ist vergleichsweise klein. Doch wenn man nach einer guten Stunde wieder durch die Sträucher schlüpft, fühlt es sich an wie das entspannte Auftauchen aus einer anderen Welt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3