25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Auf dem Dorfplatz geht’s rund

Borbyer Gilde Auf dem Dorfplatz geht’s rund

In Borby wird der König juchzend ausgerufen. Diesmal heißt er Thomas Harnack und ist ein Mann aus dem Volk. Die Borbyer Gilde in Eckernförde brachte das einstige Dorf am Wochenende in Wallung.

Voriger Artikel
Rückenwind sorgt für neue Rekorde
Nächster Artikel
4000 Besucher bei Rapsblütenfest

Thomas Harnack ist ein echter Volkskönig, wie der Strohhut zeigt. Die Juchfrun Anja Mambrey und Petra Johannsen (rechts) schmücken ihn mit frischen Blumen.

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Bodenständig, ausgelassen, laut und „allens op Plattdtüsch“: Die tollen Gildetage sind pures Volksfest seit 1700. „Lorne“ alias Lorenz Marckwardt, Gildevorsitzender seit gefühlten Ewigkeiten, saust strahlend mit Schaffer Bernhard Klein im historischen Kettenkarussell durch die Lüfte, bevor sich der Umzug zum Schießplatz formiert. Jedes Jahr geht’s auch für Vorstand und Majestät rund auf dem Dorfplatz von Borby. Hier vergnügt sich zwischen Fahrgeschäften, Zuckerbuden und Festzelt das Volk Arm in Arm mit seiner geliebten Knochenbruchgilde. Sie bewahrte Versehrte und Verwitwete jahrhundertelang vor der Verarmung. Mit 1300 Mitgliedern ist sie die größte ihrer Art im Land. Und entgegen allen Trends wächst sie: Inzwischen dürfen Butenborbyer Mitglied werden. Da konnte es jüngst einer vom anderen Ufer zum Beisitzer bringen: Wirt Sefko Feratoski, der auf der einst von Borbyern gemiedenen Eckernförder Seite des Hafens wohnt und nach Gilde-Lesart lange sehnsüchtig nach Borby schielte.

 Trommelwirbel, Paukenschlag, Abmarsch: Der Zug, der sich schon morgens um 6 Uhr durch alle Borbyer Straßen wand, setzt sich am Sonnabendabend noch zweimal in Bewegung. Lautstark wird er begleitet von den Drums and Pipes und dem Eckernförder Blasorchester der TUS. Am Schießplatz Zur letzten Pappel steigt die Spannung. Wer ist neuer König? Die Juchfrun Petra Johannsen und Anja Mambrey verkaufen rasch die letzten der 600 Blumensträußchen, die sie mit ihren Zofen gebunden haben. Sie müssen gleich die Majestät mit ohrenbetäubendem Juchzen ausrufen. Fahnenträger Stefan Koch und Mitstreiter Holger Schadt, Heinz Schade und Björn Klein treten nervös von einem Bein aufs andere. Nur Polizist Johannes Petersen, gerührt vom Abschiedsgeschenk für den letzten Gildedienst vor dem Ruhestand – einer mit Blumen geschmückten Kelle –, ruht in sich.

 Jubel brandet auf. „Lorne“ nimmt Altkönig Thomas Lass die Kette ab. Der Thronfolger mit dem Strohhut, der ihn laut Ritual als Volkesmann markiert, kann es kaum fassen. Uwe Dudert gab für ihn den Königsschuss ab. Selig lässt er sich von den Juchfrun Petra und Anja durchschunkeln, stimmt ein ins Getöse. Vor dem Zelt wird es würdevoll. Fahnenschwenker Joachim Fey mit Anzug und Zylinder lässt die heilige Borby-Fahne für ihn kreisen: viermal um den Kopf für klaren Geist, um die Brust fürs reine Herz, um die Beine für Standhaftigkeit und um jedes Bein einzeln, damit der Wankelmut nie siegen möge.

 Da kann ein Jahr lang nichts mehr schief gehen, dient das Juchzen doch seit 1700 auch dem Schutz vor Seuchen. So kann sich Monarch Thomas Harnack auch am Montag per Bus zum Empfang ins Rathaus von Eckernförde wagen. Auf die Holzbrücke über den Hafen darf er nach dem Brauch während der Gilde ja keinen Fuß setzen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3