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Die Margerite von Altenholz

Botanische Entdeckung Die Margerite von Altenholz

Bis 1780 schmückte sie süddeutsche Schlossgärten: Tanacetum macrophyllum, die exotische Großblättrige Straußmargerite. Dann kam sie aus der Mode. Jetzt erzählt sie dem Norden ihre unerforschte Geschichte am Wanderweg bei Kiel-Pries. Dem Altenholzer Hobbybotaniker Frank Altmann sei Dank.

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Frank Altmann hat die im Norden unbekannte Großblättrige Straußmargerite am Weg zwischen Kiel-Pries und Altenholz entdeckt. Seine Diagnose mit Bestimmungsbuch war exakt. Altmanns Absperrung haben Landschaftspfleger beim Mähen respektiert.

Quelle: Cornelia Müller

Altenholz. Altenholz. Bis 1780 schmückte sie süddeutsche Schlossgärten: Tanacetum macrophyllum, die exotische Großblättrige Straußmargerite. Dann kam sie aus der Mode. Jetzt erzählt sie dem Norden ihre unerforschte Geschichte am Wanderweg bei Kiel-Pries. Dem Altenholzer Hobbybotaniker Frank Altmann sei Dank.

Europawanderweg Nr.1, Route vom Nordkap nach Süditalien. In der Nähe der Feuerwerksfabrik in Altenholz ist ein Absperrband um einen Wanderer gezogen, der seine Wurzel im Kaukasus und in der Türkei hat. Hier hat er sich friedlich niedergelassen. Keiner weiß genau, wie lange schon. Sein weißes Haupt hatte niemanden aufmerken lassen, denn es ist dem der Einheimischen zu ähnlich. Bis im Sommer 2015 Frank Altmann zum wiederholten Mal an ihm vorüber schritt. Der stutzte.

„Die vermeintliche Schafgarbe mit großen Blättern stand hier in schönster Blüte. Seit zehn Jahren sah ich sie schon. Nun wollte ich wissen, wie sie genau heißt und forschte nach“, erinnert er sich. Das Ergebnis verblüffte: Laut Standardwerk der Botaniker, dem sogenannten Rothmaler, musste es sich um die im Norden unbekannte Großblättrige Straußmargerite handeln. Ein uralter Neophyt also, ein legaler Einwanderer aus dem 18. Jahrhundert, der seine Gastgeber verließ und unbemerkt in die Ferne schweifte. Das war dem pensionierten Marineoffizier, Kapitän und Schiffsingenieur schnell klar.

Seit der Schulzeit ist Pflanzenbestimmung seine Leidenschaft. „Heute knie ich mich immer mehr hinein“, sagt er. Das blaue Pflanzentagebuch, das er führt, beweist es. Den deutschen und den lateinischen Namen, Beschreibung, Fundort und Datum, die hinzugezogene Literatur hat er bei der Pflanze, die ihm zunächst unbekannt erschien und die er anhand von wissenschaftlichen Büchern bestimmt hat, akribisch aufgezeichnet. In diesem Fall kam ein Vermerk hinzu: „in Schleswig-Holstein unbekannt“.

„Vorbildliche Arbeit, saubere Recherche, ein großer Gewinn für Botaniker“, kommentiert Erik Christensen, Chef der renommierten AG Geobotanik an der Uni Kiel. Dem versierten Biologen hatte Altmann im Winter 2015 von der Entdeckung berichtet. Und er versprach, ihm während der nächsten Blüte ein Exemplar für die Bestimmung unter dem Mikroskop zu bringen. Gesagt, getan. Vor kurzem konnte Christensen Altmanns Diagnose tatsächlich bestätigen. Sofort kennzeichnete Altmann die Stelle am Wanderweg, die seitdem von der Motorsense verschont bleibt.

Welche Bedeutung hat der Einwanderer für die heimische Flora? Christensen: „Ich gehe davon aus, dass dieser Neophyt keinen Schaden anrichtet. Das ist bei weit über 90 Prozent der Pflanzen so, die aus entfernten Regionen stammen und sich ausgewildert haben.“ In Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Dänemark wurde die Großblättrige Straußmargerite auch schon gesichtet. „Sie ist wohl eines der schönen Beispiele, die daran erinnern, was man früher in herrschaftlichen Gärten stolz zeigte.“

Die AG Geobotanik in Schleswig-Holstein und Hamburg ist ein naturwissenschaftlicher Verein mit Sitz bei der Landesstelle für Vegetationskunde (Uni Kiel). Ziele sind die Erforschung und Dokumentation von Flora und Vegetation sowie die Publikation von Forschungsergebnissen. Sie sammelt floristische und vegetationskundliche Daten, betreut Naturschutzgebiete. Sie lädt zu botanischen Exkursionen für Einsteiger und Fortgeschrittene ein. Die Datenbanken helfen, Rote Listen gefährdeter Pflanzen zu erarbeiten. Wer unbekannte Pflanzen entdeckt, ist hier an der richtigen Adresse (www.ag-geobotanik.de).

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Cornelia Müller
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