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Ermittler spricht von Täterwissen

Altenholz Ermittler spricht von Täterwissen

Gut drei Stunden lang sagte im Prozess um den Brand der Ladenzeile in Altenholz-Stift vor dem Schöffengericht Kiel am Montag ein Brandermittler aus: Man habe „das klassische Bild eines Mülltonnenbrandes“ vorgefunden: zerflossener Kunststoff und die Achse einer Mülltonne. Beim Angeklagten sah er Täterwissen.

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Die Feuerwehr hatte den Brand, der die Ladenzeile in Altenholz-Stift komplett zerstörte, erst am Nachmittag unter Kontrolle. Es entstand ein Millionenschaden.

Quelle: Rainer Pregla

Altenholz/Kiel. Der Kripobeamte hatte mit einem Kollegen noch am Brandvormittag die Ermittlungen aufgenommen. Am Fall habe ein ganzes Team gearbeitet. „Ja, man tauscht sich aus“, sagte er auf Nachfrage der Richterin: Jeder habe bestimmte Aufgaben.

 Das Plastik und die Achse habe man im Brandschutt gefunden, erklärte der Ermittler. Ein Zeitungsausträger hatte den Brand am 26. November 2014 gegen 4 Uhr morgens bemerkt. Ob das Feuer zu diesem Zeitpunkt relativ frisch war, könne man nicht sagen: „Das kann auch ein Schwelbrand sein.“ Eine Mülltonne könne innerhalb von Minuten stark brennen, erklärte er zudem. Er würde ausschließen, dass der Brand von einem großen Müllcontainer ausging: „Auch wegen des zur Verfügung stehenden Raums“ dort, wo das Feuer entstand.

 Der Zeuge wurde auch zu einem Geständnis befragt, das der Angeklagte nach seiner Verhaftung spätabends gegenüber einem Gewahrsamsbeamten abgelegt haben soll. Demnach habe er einen Container angezündet, verschoben und sei weggelaufen. Gegenüber dem Ermittler wollte er es kurz darauf nicht mehr wiederholen.

 Etwa fünf Stunden hatte der Brandermittler ihn zuvor vernommen. Wie er es denn empfinde, dass der Beschuldigte dann nach relativ kurzer Zeit im Gewahrsam ein Geständnis abgelegt haben soll, fragte die Richterin. „Vielleicht war es der Eindruck der Zelle“, sagte der Beamte. Zudem habe der Angeklagte Täterwissen preisgegeben. Es sei klar gewesen, dass zwischen den Verschlägen keine Mülltonne gestanden habe: „Für uns war es wichtig, dass er nicht nur vom Anzünden sprach, sondern auch, dass er sie verschoben hat.“ Ob die Beamten nicht erwogen hätten, dass es sich um das Gegenteil von Täterwissen handele, weil der Angeklagte von einem Container gesprochen habe, fragte der Verteidiger. „Ich würde mich fragen, wenn ich nicht der Täter bin, warum mache ich ein Geständnis“, so der Ermittler. Nach seinen Aussagen gibt es Indizien und Aussagen, die gegen den Angeklagten sprechen, aber keine Tatsachen.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 31. August, ab 9.30 Uhr vor dem Schöffengericht Kiel fortgesetzt.

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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