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Reduzieren für die große Freiheit

Dänischenhagen Reduzieren für die große Freiheit

Was braucht der Mensch? Nicht viel, finden Christine und Reiner Ehlert. Seit Monaten trennen sie sich von Dingen, lösen ihren Haushalt in Dänischenhagen auf. Ihr neues Zuhause misst nur noch 7,50 mal 2,20 Meter: Sie reisen mit einem Wohnmobil. „Mindestens zehn Jahre“, hofft Christine Ehlert.

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Ihr neues Zuhause: Mit dem siebeneinhalb Meter langen Wohnmobil möchten Reiner und Christine Ehlert vor allem Deutschland erkunden.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Dänischenhagen. „Alles muss raus!“ Unter diesem Motto lädt das Paar an diesem Tag zur Haushaltsauflösung ein. Viele Schränke in der Küche sind schon leer, das Mobiliar in der Wohnung in der Schulstraße wirkt ausgedünnt: Christine (60) und Reiner Ehlert (61) haben bereits vieles verschenkt, zum Beispiel an Flüchtlinge. In wenigen Wochen gibt das offen und unkompliziert wirkende Ehepaar den Wohnsitz in Dänischenhagen auf. Nein, aufgeregt sind sie nicht, erzählen die zierliche ehemalige Arzthelferin (60) und der Diensthundeführer bei der Bundeswehr in Altersteilzeit (61). Man spürt ihre Freude darüber, sich mit jedem Schritt ihrer Freiheit zu reisen nähern. „Ich bin froh, wenn das hier alles vorbei ist“, sagt Reiner Ehlert.

„Hallo, hereinspaziert“, begrüßt Christine Ehlert Kunden. Nach und nach kommen Besucher, schauen sich um, verhandeln über Geschirr, Stereoanlage oder Gästebett. „Ein bisschen Spritgeld“ soll durch die Haushaltsauflösung zusammenkommen, hofft die 60-Jährige.

Reiner Ehlert stammt aus Westerland/Sylt, seine Frau wuchs in Hamburg auf. Seit fünf Jahren reisten die beiden im Urlaub mit dem Wohnmobil umher. Christine Ehlert kannte das Campen vorher nicht, lernte es erst durch ihren Mann kennen: „Anfangs war ich skeptisch wegen der Enge im Wagen.“ Doch sie war sofort begeistert von dieser Art des Reisens. „Man muss aber mit dem Partner auf einer Linie sein, was die Ordnung angeht“, erklärt die jung wirkende 60-Jährige.

Die Ehlerts sind neugierig und kontaktfreudig. Und so bedauerten sie es, immer nur kurze Zeit an einem Ort bleiben zu können, zu wenig Zeit für die Menschen dort zu haben. „Ich möchte mal in Wochen denken“, sagt die Dänischenhagenerin. So reifte im vergangenen Frühjahr die Idee, im Ruhestand dauerhaft mobil zu werden. „Wir gehen ja kein Risiko ein“, sagt sie: Wenn das Reisen, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr klappt, werden sie wieder sesshaft. Da, wo es ihnen gefällt. Christine Ehlert könnte sich eine Alters-WG vorstellen, „das etabliert sich ja“.

Ohnehin bleibt ein Anlaufpunkt: Ihr Schwager hat eine kleine Datscha im Brandenburgischen, „da können wir immer andocken“. Er bewahrt auch die wenigen Erinnerungsstücke auf, von denen sich das Paar nicht trennen möchte. Das Reduzieren, das sich von Materiellem entlasten: Es hat für Christine Ehlert auch etwas Philosophisches. Der Abschied von den Dingen fällt ihr leicht, der von den Menschen nicht: Christine Ehlert war Übungsleiterin im Seniorensport, trainierte zeitweise bis zu sieben Gruppen in Altenholz und Dänischenhagen. „Da gehe ich mit einem tränenden Auge, denn wir hatten ein tolles Verhältnis.“ Auch in der Kommunalpolitik war sie aktiv, als bürgerliches Mitglied im Sozialausschuss. Das aufzugeben, tut ihr leid. Aber: „Veränderungen gehören zum Leben.“

Vieles, was das Paar mitnehmen möchte, ist schon jetzt im Wohnmobil untergebracht: „Wir wissen genau, was wir brauchen“, sagt Christine Ehlert. Ihr Mann freut sich auf die „Flexibilität: Wir fahren dahin, wo das Wetter schön ist.“ Sie wollen vor allem Deutschland mit seinen vielen sehenswerten Ecken gründlich erkunden und in Spanien oder Portugal überwintern. Etwas Spritgeld kommt durch die Haushaltsauflösung rein, wieder wird die Wohnung leerer. „Ich hänge an nichts – nur an Reiner“, sagt Christine Ehlert zum Abschluss noch.

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