18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Künstler der Nachkriegszeit

Museum Eckernförde Künstler der Nachkriegszeit

Wie haben Künstler die Nachkriegszeit in Eckernförde reflektiert? Viele standen im Zwiespalt, Verkaufskunst zum Überleben produzieren zu müssen und gleichzeitig die traumatischen Erlebnisse des Krieges und seiner Folgen künstlerisch verarbeiten zu wollen. Eine Ausstellung im Eckernförder Museum zeigt jetzt Werke von Malern und Zeichnern unter dem Titel „Neuanfang 1945“.

Voriger Artikel
Fit bleiben für den Einsatz
Nächster Artikel
Ab sofort wird abgerissen

Rund 60 Arbeiten von Künstlern, die in der Nachkriegszeit im Ostseebad gewirkt haben, stellt das Eckernförder Museum aus.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Mit den Flüchtlingen, Ausgebombten und entlassenen Kriegsgefangenen kamen vor 70 Jahren auch Künstler nach Eckernförde. Einige waren auf der Durchreise, andere blieben für einige Jahre oder länger. Tausende Flüchtlinge strömten in die von Kriegsschäden weitgehend unversehrt gebliebene Stadt, die im Mai 1945 am Rande eines Versorgungskollapses stand. Um so erstaunlicher ist es für Museumsleiter Dr. Uwe Beitz, dass hier schon ein Jahr später, 1946, eine jurierte Kunstausstellung stattfand. 84 Bilder von 18 Künstlern wurden gezeigt. Doch nur ein Werk davon, ein Aquarell von Werner Löschke, das den Hafen mit Holzbrücke zeigt, schaffte es ein knappes Dreiviertel Jahrhundert später in die aktuelle Museumspräsentation. „Der Verbleib vieler damals gezeigter Bilder ist nicht mehr festzustellen“, bedauert Beitz.

 Allerdings sind sieben Künstler von damals auch jetzt mit Arbeiten im Museum vertreten. Theodor Piering (1894-1970) ist einer von ihnen. Der gebürtige Hamburger zog gegen Kriegsende nach Eckernförde, wo er bis zu seinem Tod blieb. Die Ausstellung zeigt unter anderem die Zeichnung eines Schlachtfeldes sowie ein Aquarell, das den Schrecken des Krieges thematisiert: Menschen vor brennenden Ruinen, in deren Augen das Entsetzen flackert. Doch nur wenige Künstler beschäftigten sich mit dem Erlebten. Sie malten Landschaftsbilder, Stadtansichten und Stillleben, die sich besser verkaufen ließen. Andere wie Piering, Carl Lambertz und Gerhart Bettermann spiegelten ihre Zeit.

 Lambertz bezeichnete seine Ansichten vom Wittensee als Zwischenstadium auf der Suche nach dem neuen Ausdruck. „Ich bin kein Heimat- und Landschaftmaler“, zitierte ihn Beitz. Die Ausstellung zeigt neben Landschaftsbildern, deren Verkauf seinerzeit die Existenz des Künstlers sicherte, auch zwei eindrucksvolle Kreidezeichnungen aus seiner Hand: ein Kriegsheimkehrer mit leerem Blick und schwerem Schritt sowie „die Wartende“, eine dunkel verhüllte Frau am Fenster, die auf die Rückkehr eines Vermissten hofft.

 Zwei Drittel der ausgestellten Bilder befinden sich im Museumsbesitz, weitere sind Leihgaben. „Vieles davon wurde noch nie oder selten gezeigt“, sagt Beitz. Für Besucher von Interesse sind nicht zuletzt die vielen Stadtansichten, die Eckernförde vor 60 bis 70 Jahren zeigen. Teils konnten auch die Biographien der Maler rekonstruiert werden. Beispielsweise des in Wien geborenen M.A.X. Scherzer, der später an der Eckernförder Volkshochschule Zeichenunterricht gab. Oder des gelernten Elektroingenieurs Josef „Sepp“ Bernard, der 1945 mittel- und heimatlos nach Eckernförde kam und später in den 70er Jahren als „Schwanenvater“ bekannt wurde.

 Ausstellung „Neuanfang“, zu sehen bis 9. August im Eckernförder Museum, Öffnungszeiten: Di-Sa 10-12.30 u. 14.30-17 Uhr, So 11-17 Uhr. Führungen: 7. Juli, 17 Uhr, und 9. August, 15 Uhr.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3