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„Das Netzwerk war viel größer“

NSU-Ausstellung in Eckernförde „Das Netzwerk war viel größer“

Die Ausstellung Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen gibt den zehn Getöteten ein Gesicht und klärt über Hintergründe und Zusammenhänge im Dunstkreis der Taten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ auf. Noch bis zum 17. Mai ist die Präsentation in der Eckernförder Stadtbücherei zu sehen.

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Albert Leuschner (Runder Tisch gegen Rechts), der SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix und Ute Diercks (Verdi) eröffnen die Ausstellung "Die Opfer des NSU" in der Stadtbücherei.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. „Der NSU lässt sich nicht auf das Zschäpe-Trio reduzieren“, sagte Albert Leuschner, Sprecher des Eckernförder Runden Tischs gegen Rechts, am Montagabend bei der Ausstellungseröffnung. „Das Netzwerk war viel größer.“ Leuschner machte Verquickungen mit staatlichen Organen aus und sprach von „geistigen Brandstiftern“, die weit über den NSU hinaus in die deutsche Gesellschaft hineinwirkten. Ein Thilo Sarrazin mit seiner wortgewaltigen Hysterie gegenüber Muslimen sei da nur einer von mehreren. Auch die AfD trage dazu bei, Hass gegenüber dem Islam zu schüren. „Die Befeuerung des Ressentiments feiert wieder Erfolge“, warnte Leuschner.

 Der Eckernförder SPD-Bundestagsabgeordnete Sönke Rix berichtete von Erkenntnissen aus dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages, dem er angehört. Seine erschütternde Bilanz: „Rassistisches Gedankengut zog sich auch innerhalb der Sicherheitsbehörden wie ein roter Faden durch die NSU-Affäre.“ Verwendete Begriffe wie „Döner-Morde“ und „Soko Bosporus“ sprächen für sich. Es habe Fehler in der Justiz gegeben, so Rix. Aber der Fall NSU werfe auch ein Schlaglicht auf ein Phänomen, das bis tief in die Gesellschaft reiche. In diesem Zusammenhang lobte der Abgeordnete die „klare Haltung“ der Gewerkschaften gegen Rechts und den in Eckernförde gegründeten Runden Tisch. „Präventive Arbeit ist so wichtig.“

 Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Ute Dirks stellte klar, dass die Gewerkschaften alle Ausprägungen einer rassistischen, neonazistischen Ideologie bekämpften – egal, wo sie stattfänden. „Wir stehen für eine freie Gesellschaft, die allen gleiche Teilhabe bietet.“ Der DGB-Ortsvorsitzende Horst Kunze mahnte, „nicht auf dem rechten Auge sehbehindert zu werden“. Neofaschismus bedeute auch Gewalt und Tod. Nach seinen Angaben sind in Deutschland seit der Wende mehr als 200 Menschen aufgrund rechtsradikaler Übergriffe zu Tode gekommen.

 Die Wanderausstellung Die Opfer des NSU wurde vom Münchner Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung erarbeitet. Die Stadtbücherei bietet passend zum Thema eine spezielle Buchauswahl an. Ferner ist für fünf Euro eine Broschüre zur Ausstellung erhältlich.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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