15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Scharfe Kritik an Frequenzmessung

Eckernförder Innenstadt Scharfe Kritik an Frequenzmessung

Mitten in der Datenschutz-Diskussion um die Erfassung der Besucher der Innenstadt von Eckernförde über deren Handys hat die Touristik- und Marketinggesellschaft das umstrittene System um ein Jahr verlängert. Die Phase hätte mit Ablauf dieses Monats enden sollen.

Voriger Artikel
Eckernförder feiern ihr Museum
Nächster Artikel
Das schiefe Türmchen steht schon gerade

Jedes Smartphone wird in der Innenstadt von Eckernförde registriert, wenn der Besitzer die WLAN-Funktion eingeschaltet hat.

Quelle: tilmann Post

Eckernförde. Die Piratenpartei kritisiert das System scharf. Die FDP-Landtagsfraktion hält es für einen „unangemessenen Eingriff in die Privatsphäre von Tausenden von Menschen“. Die ETMG widerspricht vehement.

Wer die Eckernförder Innenstadt besucht und ein Smartphone mit eingeschalteter WLAN-Funktion dabei hat, wird seit November vergangenen Jahres automatisch erfasst. An sieben Stellen sind dazu im Auftrag der ETMG Messgeräte installiert worden. Damit wollen die Touristiker erfahren, wie viele Kunden in der Kieler Straße und am Hafen unterwegs sind. So sollen Rückschlüsse auf die Infrastruktur-Entwicklung gezogen werden.

Die digitale Frequenzmessung erfolgt über Funkmodule, die Handys im WLAN-Modus erfassen. Dabei wird die individuelle Geräte-Kennung, die sogenannte Mac-Nummer, für zwei Stunden gespeichert. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Besucher mehrfach gezählt werden. Da nicht jeder ein entsprechendes Smartphone dabei hat, werden die Daten mit dem Faktor 2,3 hochgerechnet.

Sven Lange von den Piraten zeigte sich entsetzt: „Anhand der gesammelten Daten könnte überprüft werden, ob bestimmte Personen, deren Gerätenummern man vorher ausgelesen hat, sich zu einem Zeitpunkt an einem bestimmten Ort ausfgehalten haben. Anwohner sind besonders betroffen. Wir wollen keine gläsernen Fußgänger – auch nicht für ,wenige Stunden’.“ Auch die FDP-Landtagsfraktion hat sich inzwischen in die Debatte eingeschaltet. Wer personenbezogene Daten ohne Zustimmung der Betroffenen sammle, verstoße gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, so der Sprecher für Digitalisierung, Stephan Holowaty. „Der Hinweis der Städte, dass lediglich die Mac-Adresse erhoben werde, ist dabei irreführend. Denn jedes Endgerät hat eine individuelle Adresse und lässt sich damit Personen direkt zuordnen“, so Holowaty.

Die FDP hält es für „skandalös, wenn nicht einmal sichergestellt wird, dass die erhobenen Daten vom beauftragten Dienstleister nicht weitergegeben werden“. Das wirft die Partei dem Eckernförder Touristik-Chef Stefan Borgmann vor. Der wehrt sich: Es sei zwar richtig, dass die Mac-Adresse temporär gespeichert wird, aber sie werde codiert. „Die Firma anonymisiert die Daten direkt. Das ist vertraglich geregelt“, sagte Borgmann gestern. Zudem habe die Touristik- und Marketinggesellschaft kein Interesse an personenbezogenen Informationen. Borgmann versicherte, dass das System nicht auf Daten, die auf den Handys gespeichert sind, zugreift. Die Laufzeit sei nun verlängert worden, um die in diesem Jahr erhobenen Zahlen zu vergleichen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Tilmann Post
Chefreporter Eckernförde

Mehr aus Nachrichten aus Eckernförde 2/3