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Der Brandherd war wohl eine Mülltonne

Altenholz Der Brandherd war wohl eine Mülltonne

 Zwischenzeitlich schien es unsicher, doch es war wohl tatsächlich ein Müllbehälter, von dem der Brand der Ladenzeile in Altenholz-Stift ausging. Am vierten Prozesstag sagte unter anderem der Feuerwehrmann aus, der am 26. November 2014 als erster Einsatzleiter vor Ort war.

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 Nach dem Abriss der abgebrannten Ladenzeile hat sich äußerlich auf dem Gelände nicht mehr viel getan.

Quelle: Ulf Dahl

Altenholz/Kiel. Er hatte sich aufgrund der Berichterstattung der Medien bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Der Altenholzer war verwundert über Diskussionen, von welcher Quelle das Feuer ausging, das die Ladenzeile komplett zerstörte. Er habe sich damals aufgrund der Spuren gegenüber einem Kripobeamten „sehr eindeutig festgelegt, dass es ein Müllcontainer war“, erklärte der 34-Jährige.

Er hatte Fotos mitgebracht, die er nach dem Eintreffen am Brandort gemacht hatte. „Hier sieht man Papier, das ich mit der Kripo rausgezogen habe“, erklärte er am Richtertisch zu einem Bild. Gefunden wurde auch eine Mülltonnenachse. Gebrannt habe aus seiner Sicht eine haushaltsübliche Tonne – zwischen zwei Verschlägen. In den Akten der Ermittler findet sich anscheinend nur ein Vermerk zum Ort, wo der Brand entstand – weitere vom Feuerwehrmann genannte Details fehlen. „Es ist so vieles, was wir nebenbei erfahren“, kritisierte die Vorsitzende Richterin am Ende des Verhandlungstages.

Während des Prozesses hatte es mehrfach Irritationen über die Verwendung der Begriffe Müllcontainer und Mülltonne gegeben. Der erste Einsatzleiter stellte nun klar: „Der Begriff Containerbrände ist Feuerwehrsprache. Das kann auch ein kleiner Mülleimer im Gebäude sein.“

Zunächst hatte der KN-Zeitungsausträger ausgesagt, der gegen 4 Uhr als erster das Feuer gemeldet hatte. Er war sich „sehr sicher“, dass zwischen den Verschlägen Holz lag, das brannte – angehäuft und über Kreuz gelegt. Er nahm keine Tonne wahr und konnte sich auch nicht an den Geruch verschmurgelten Plastiks erinnern.

Ein erneut geladener Sachverständiger erklärte, in der Brandschuttprobe waren „in ganz geringer Konzentration“ Spuren verbrannten Kunststoffs nachweisbar: „Das kann auch ein Eimer oder eine Plastiktüte sein.“ Dass der Zeitungsausträger Holz, aber keine Mülltonne mehr sah, „ist mit den Aussagen in Einklang zu bringen“. So könnte es sein, dass die Tonne zu jenem Zeitpunkt schon geschmolzen war.

Dem 23-jährigen Angeklagten wird schwere Brandstiftung vorgeworfen. Sein Verteidiger kritisierte in einer Erklärung erneut, dass sich die Ermittler früh festgelegt und keine anderen Spuren verfolgt hätten. Sämtliche Indizien und alles andere seien gegen seinen Mandanten gewertet worden. „Man hat von ihm erwartet, sich minutiös zu erinnern“ – niemand könne das bei allgemeinen Abläufen. Es sei wichtig, einen Blick auf die Ermittler zu werfen, denn diese würden bestimmen, was in die Akte kommt. Auch wenn letztlich das Gericht über die Bewertung entscheide: „Nach eineinhalb Jahren kann vieles nicht mehr nachgeholt werden.“

Am Dienstag, 6. September, 10 Uhr, ist vor dem Schöffengericht Kiel unter anderem der Gewahrsamsbeamte geladen, bei dem der Angeklagte ein Geständnis abgelegt haben soll.

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Ein Artikel von
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Redaktion Lokales Kiel/SH

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