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U-Boot-Modernisierung wird abgeschlossen

Deutsche Marine U-Boot-Modernisierung wird abgeschlossen

Deutschlands einziges U-Bootgeschwader erhält das letzte von sechs neuen Booten. Die Gesamtkosten dürften bei über 2,4 Milliarden Euro liegen. Damit bietet die Marine modernste Arbeitsplätze, doch es bleibt ein Problem.

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"U 36", das sechste hochmoderne U-Boot der Klasse 212A, ist der letzte geplante Neubau dieser mit einem Brennstoffzellenmodul ausgerüsteten Boote.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Eckernförde/Berlin. Die deutsche Marine stellt an diesem Montag in Eckernförde mit U 36 ihr vorerst letztes neues U-Boot in den Dienst. Damit sei das 1. U-Bootgeschwader mit jetzt sechs Booten der Klasse 212 A komplett, sagte der Kommandeur, Fregattenkapitän Lars Johst, der Deutschen Presse-Agentur. „Ich bin in der glücklichen Lage, mit über die modernsten nicht-nuklearen U-Boote der Welt zu verfügen.“ Das Geschwader in Eckernförde an der Ostsee ist die einzige verbliebene U-Boot-Einheit der Marine.

Über die Gesamtkosten des bereits in den 1990er Jahren geplanten Rüstungsprojektes konnte das Bundesverteidigungsministerium in Berlin kurzfristig keine Angaben machen. Früheren Berechnungen zufolge sollte ein U-Boot etwa 400 Millionen Euro kosten - bei sechs Booten wären dies rechnerisch eine Größenordnung von 2,4 Milliarden Euro. Das erste Boot war 2005 in Dienst gestellt worden.

Auf die Frage, ob die sechs U-Boote angesichts der gewachsenen internationalen Aufgaben der Bundeswehr ausreichten, sagte Johst: „Für das, was an Einsätzen von der Politik bisher abgefordert wird, reicht es.“ Konzeptionell begründet habe die Marine ursprünglich den Bedarf an acht U-Booten.

Die etwa 57 Meter langen Unterseeboote der Klasse 212 A besitzen nach Angaben der Marine einen einmaligen Hybridantrieb. Das System ermöglicht Einsätze über mehrere Wochen hindurch im dauergetauchten Zustand und weitgehend unabhängig von Außenluftzufuhr. Die Boote seien sehr leise und kaum zu orten, ergänzte Johst. Sie könnten in flachen Gewässern gut operieren - eine Fähigkeit, die weltweit zur Spitze zähle. „Im Flachwasser machen uns nicht viele was vor.“

Andere Elektronik

Im Vergleich zu den ersten vier Booten sei das zweite Los mit den beiden letzten Booten weiterentwickelt worden. U 35 und U 36 hätten eine andere Elektronik, sie seien noch mehr für Einsätze in den Tropen geeignet und hätten andere Fähigkeiten etwa bei der Unterstützung von Spezialkräften. „Wenn U-Boote in engen, flachen Gewässern operieren und gedeckt Kräfte entlassen können, ist das ein unglaublich wertvoller Beitrag“, sagte Johst. „Das neue Modell kann aufgrund baulicher Änderungen mehr Kampfschwimmer gleichzeitig transportieren und schneller abgeben. Und wir haben eine größere Reichweite durch mehr Bunkermöglichkeiten und mehr Kraftstoff.“

Ob die U-Boote bereits bei Einsätzen Spezialkräfte abgesetzt haben, darüber machte Johst keine Angaben. Als Haupteinsatzgebiete nannte er die Ostsee, das Mittelmeer und die norwegische See. Grundsätzlich könnten die Boote weltweit agieren.

Einsatzbereit sind teils nur zwei U-Boote. Das entspreche dem alten Erfahrungswert der Marine, dass ein Drittel der Schiffe im Einsatz sei, ein Drittel in der Werft und ein Drittel für Ausbildungszwecke genutzt werde. Je komplexer ein Waffensystem sei, nehme in der Tendenz die Instandsetzung zu, sagte Johst.

Zum 1. U-Bootgeschwader gehören neben den sechs Unterseebooten noch drei Flottendienstboote - sie sind Aufklärer - und der speziell zur U-Boot-Unterstützung umgerüstete Tender „Main“. Hinzu kommt das Ausbildungszentrum U-Boote. Außerdem bietet das Geschwader Auswertekapazitäten im Bereich der akustischen Aufklärung und es leistet die Sonarausbildung der Flotte.

Auf dem Papier hat das Geschwader rund 650 Stellen, aber nicht alle sind besetzt. „Wir haben schon Nachwuchssorgen“, sagte Johst. „Das Personal ist knapp, wir haben nicht alle U-Boot-Besatzungen voll besetzt.“ Es fehle vor allem an Fachtechnikern, aber dies gehe ja der Industrie genauso. Konzeptionell sind sieben U-Bootbesatzungen - jeweils 29 Kräfte - und eine Werftgruppe vorgesehen. „Wir müssen jungen Menschen diesen Beruf irgendwie nahebringen“, sagte Johst. „U-Boot-Fahren ist ein superspannender Job, aber wenn Sie einem 18-Jährigen sagen, dass er die nächsten drei Wochen kein Facebook und WhatsApp hat, weil er nämlich getaucht ist, ist das eine Hürde.“

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