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Seifenkisten rollen los

Tüttendorf Seifenkisten rollen los

Da wird geschraubt, geflext und gebastelt: In Tüttendorf laufen die Vorbereitungen für das fünfte Seifenkistenrennen der Feuerwehr. An den Start gehen die originellen Gefährte am Sonnabend, 19. September, in der Alten Dorfstraße.

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Ein kurzer Test, ob die Seifenkiste schon fit für die Rennstrecke ist: Malte Lau (links) und Kai Schürholz schieben Dirk Weßel an.

Quelle: Jan Torben Budde

Tüttendorf. In einer Garage in Tüttendorf sprühen die Funken. Mit Schutzbrille auf der Nase flext Malte Lau (32) an einer Seifenkiste. „Wir werden in diesem Jahr irre schnell sein“, kündigt der Kfz-Mechaniker augenzwinkernd an. In seiner kleinen Hobbywerkstatt laufen die Vorbereitungen auf das Rennen seit etwa drei Wochen. Er hämmert, schraubt und schweißt an gleich zwei „Boliden“.

 Als „schon legendär“ bezeichnet Kai Schürholz von der Feuerwehr Tüttendorf deren jährliches Seifenkisten-Rennen. Am Sonnabend, 19. September, um 17 Uhr steigt die fünfte Auflage des Spektakels. „Vor der Premiere waren einige Leute skeptisch, ob das Gefälle überhaupt reicht“, erinnert sich der Versicherungsfachmann. Eine Handvoll Fahrer düste damals die Alte Dorfstraße hinunter. Seitdem herrscht Begeisterung im Ort. Im vergangenen Jahr gingen zehn Seifenkisten an den Start – und rund 300 Besucher schauten sich das Rennen an. Es treten immer zwei Fahrer gegeneinander an. „Das erzeugt Spannung“, erklärt der 36-Jährige. Tatsächlich spielten sich schon spektakuläre Szenen ab.

 Schürholz: „Es gab gebrochene Bremsen, sodass Leute auf die Seifenkiste springen mussten, damit sie anhält.“ Denn ein Tempomessgerät, das eigens an der etwa 300 Meter langen Rennpiste aufgestellt wurde, zeigte nach seinen Worten immerhin 24 km/h an. „Die Legende besagt allerdings, dass der Rekord sogar bei 26 Stundenkilometern liegt“, erzählt der Tüttendorfer nicht ohne Stolz. Deshalb kontrolliert die Feuerwehr vor dem Start die Bremsen. Zur Sicherheit befinden sich Strohballen im Ziel. Trotzdem besteht Helmpflicht, weil es schon Unfälle gab. Dennoch erlitten Rennpiloten leichte Verletzungen wie einen gebrochenen Zeh oder umgeklappte Zehennägel.

 Vor dem großen Tag wartet noch Arbeit auf die Schrauber. Denn die Seifenkisten parken zumeist in Schuppen oder Garagen. „Ich tausche diesmal die alte Verkleidung aus Sperrholz gegen Gardinen aus, damit die Seifenkiste leichter und schneller wird“, verrät Lau. Er ölt Radlager, flext die Fahrzeugachse auf, „begradigt alles“ und prüft den Reifenluftdruck. Er bastelt an zwei Seifenkisten der Teams „Rumtreiber“ und „Stinker“, die in diesem Jahr erstmals gemeinsame Sache machen. Ihre Bestandteile stammen vom Schrottplatz, aus dem eigenen Haushalt oder wurden im Internetauktionshaus eBay ersteigert. Alte Ölfässer bilden die Motorhaube, die Reifen gehörten einst zu einem Rollstuhl, das Lenkgetriebe befand sich in einem Renault, und die Bremse ist aus Alurohr, Besenstiel, Holzklotz und Reifen zusammengebastelt. Laut Lau steckt in einer Seifenkiste immerhin jeweils ein Materialwert von rund 300 Euro.

 Einige Gefährte haben sogar einen Heckspoiler – fast wie in der Formel 1. Kürzlich erwarb Lau einen gestrickten Klopapierhut in Puppenform. „Eignet sich doch hervorragend als Kühlerfigur“, sagt der Schrauber grinsend. So einige Arbeitsstunden investiert er nach Feierabend in das Hobby. Und mitunter schauen andere Seifenkisten-Fans aus dem Dorf vorbei, um bei einem Bier zu fachsimpeln. Laut Schürholz gibt es beim Rennen gleich zwei Preise: für die schnellste Zeit und das originellste Gefährt. „Es waren schon eine fahrende Badewanne und ein römischer Streitwagen dabei“, blickt er kopfschüttelnd zurück. Nach dem Rennen gegen 20 Uhr veranstaltet die Feuerwehr dort wieder einen Fackellauf, im Anschluss wird ein Lagerfeuer entzündet.

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