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Pioniere auf schnellen Rollen

Gettorf Pioniere auf schnellen Rollen

Die Speedskatersparte des Gettorfer TV wird 50 Jahre alt. Gefeiert wird mit einem Jubiläumsturnier am 4. Juli. Dass die Sportler aus dem Dänischen Wohld schon so lange Inliner fahren, ist Adalbert Machatsch aus Blickstedt (Gemeinde Tüttendorf) zu verdanken. Er entwickelte 1965 einen Rollschuh mit vier Rollen hintereinander.

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Bei der Entwicklung der Inlineskates hat sich in den vergangenen 50 Jahren viel getan. Peter Machatsch zeigt den ersten Schuh der Bauart, mit dem in der 1965 gegründeten Rollschuhsparte des GTV gefahren wurde. Simone Kohls trägt heute einen maßangefertigten Schuh aus Kunststoff.

Quelle: Rainer Krüger

Gettorf. Mit Adalbert Machatschs Lust aufs Schlittschuhlaufen fing alles an. Weil das im Dänischen Wohld nicht so gut möglich war wie in seiner Heimat Tschechien, kam der Tüftler auf die Idee, das Gleiten vom Eis auf die Straße zu verlegen. 1965 baute er einen Rollschuh mit vier Rollen hintereinander – und damit einen Vorläufer der heutigen Inlineskates. Zugleich war es auch die Geburtsstunde der Speedskatersparte des Gettorfer TV. Mit einem Jubiläumsturnier begehen die Aktiven am Sonnabend, 4. Juli, das 50-jährige Bestehen der Sparte.

 Einer der ersten Speedskater im Dänischen Wohld war Adalbert Machatschs Sohn Peter. „Ich habe die Testfahrten gemacht“, berichtet der heute 67-Jährige. Er kann zudem erklären, warum sein Vater am 8. Februar 1965 auf einer Sitzung des Turnrats die Gründung einer Rollschuhabteilung anregte. „Die Fahrer sollten auch Wettkämpfe fahren können. Da bot sich der GTV natürlich an“, so der Gettorfer. Tatsächlich fiel die Idee auf fruchtbaren Boden. Bis 1969 hatten einige Gettorfer bereits einen Bundeslehrgang für Rollschuhfahrer in Inzell (Bayern) absolviert. Schon in den Gründungsjahren gab es um die 30 Aktive in der Sparte. „Diese Zahl hat sich bis heute gehalten.“ Damals waren die meisten aber mit den konventionellen Rollschuhen unterwegs. „Zunächst gab es nur vier Inliner-Paare, später sechs, alle von meinem Vater gebaut“, erinnert sich Machatsch.

 „Im Deutschen Rollschuhverband hatte man gemerkt: Oben im Norden tut sich was. So wurde 1969 in Kiel die Deutsche Rollschnelllaufmeisterschaft ausgetragen“, erzählt er von damals. Dort wollten die Gettorfer eigentlich zeigen, wie flink die neuen Schuhe waren. Doch sie konnten nicht überzeugen. „Es gab eine Spitzkehre, eine scharfe Wende, die wir damals nicht gemeistert haben. Das Nylonmaterial der Rollen war nicht griffig genug“, blickt der Gettorfer zurück. So war der Siegeszug der Machatsch-Schuhe zunächst vorbei. Dass sich die Inlineskates Ende der 80er als aus den USA kommende Innovation durchsetzten, ist nach Peter Machatschs Ansicht auch seinem Vater zu verdanken. „1972 hat er mit einem Unternehmer in Amerika Verhandlungen geführt. So kam die Idee über den Atlantik“, erklärt der Gettorfer. Dass die Firma Rollerblades die weiterentwickelten Inlineskates groß herausbrachte, hat er akzeptiert. „Ein Patent konnte mein Vater damals nicht bezahlen. So gab es nur einen nicht so umfänglichen Gebrauchsmusterschutz“, erläutert er. In einer Sache ist sich Peter Machatsch sicher: Dass heute Sportler weltweit auf Inlineskates unterwegs sind, hätte den 1976 verstorbenen Vater auf jeden Fall gefreut.

 Angeschoben hat Adalbert Machatsch auch den Bau der 1972 eingeweihten und nach ihm benannten Rollschubahn an der Kieler Chaussee. Inzwischen ist ein Neubau im Rahmen des Sportzentrums geplant. Der Jubiläumswettkampf für alle Altersklassen am 4. Juli wird um 9.50 Uhr aber an der alten Rollbahn starten. Trainerin Simone Kohls setzt darauf, dass die Gettorfer Gastgeber dabei vorne mitfahren.

 „Eine Wiege des Speedskating steht in Gettorf“, blickt Peter Machatsch noch einmal auf 1965 zurück. Den Beweis dafür kann er vorlegen. Einen Schuh des ersten Inlinerpaares – die Metallschiene mit den Rollen ist unter einen Schlittschuh geschraubt – besitzt er noch. „Den anderen Schuh habe ich mal für eine Ausstellung verliehen. Wenn er jetzt zurückkäme, wäre das ein schönes Jubiläumsgeschenk.“ Für Simone Kohls ist das Design von 1965 längst Geschichte: Ihre Skater sind eine Maßanfertigung aus Kunststoff für 1200 Euro.

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