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Die ersten Feuerquallen sind da

Ostsee Die ersten Feuerquallen sind da

An Baden in der Ostsee denken bei 15 Grad Wassertemperatur zurzeit nur wenige. Doch im Eckernförder Hafens sind schon Plagegeister aufgetaucht, die sonst erst im August erscheinen: Feuerquallen, wegen ihrer langen Nesselfäden auch Haarquallen genannt.

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Baby-Feuerquallen wie dieses Exemplar sind zurzeit im Eckernförder Ostsee-Info-Center zu sehen. Schönheit und ökologischer Nutzen mischen sich bei diesen Nesseltieren mit unangenehmen Begegnungen für Badende.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Meeresbiologin Sandra Piepiorka vom Ostsee-Info-Center (OIC) verrät, warum bereits in diesem Frühjahr die Medusen an unserer Küste vorkommen. Zwei Dinge kommen dafür zusammen: ein milder Winter und ein seit wenigen Jahren erhöhter Salzgehalt in der Ostsee. „Normalerweise liegt der Salzgehalt bei zehn Promille, jetzt haben wir 15, 20 oder 24 Promille“, erläutert die OIC-Mitarbeiterin. Die Folge: Die Salz liebenden Feuerquallen, die sonst bei Westwind aus der Nordsee über das Skagerrak in die Ostsee gespült werden, können sich jetzt auch weiter östlich vermehren. „Eventuell schon bei uns“, mutmaßt Piepiorka. Denn es wurden auch sogenannte Ephyren, Quallen im Larvenstadium, entdeckt.

 Durch den milden Winter haben zudem vereinzelt „alte“ Feuerquallen überlebt, die sonst die kalte Jahreszeit nicht überstanden hätten. Im Eckernförder Hafenbecken waren sie kürzlich zu sehen, der Wind hatte sie dort hineingetrieben. Eigentlich reicht die Saison der Feuerquallen nur von Frühjahr bis Herbst – dann sterben sie ab. Neben den großen Überwinterern sind kleine, noch ganz junge Feuerquallen gesichtet worden. „Ein paar haben wir bei uns im OIC jetzt in ein Extra-Becken gesetzt“, so die Meeresbiologin. Sie können hier in Ruhe beobachtet werden.

 Ob uns ein Feuerquallen-Jahr bevorsteht, ist allerdings noch unklar. „Vor drei Jahren waren die Quallen schon einmal früh an der Küste aufgetaucht, dennoch kam es zu keinem besonders auffälligen Vorkommen.“ Das hängt laut Piepiorka von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise dem Nahrungsangebot und vielen Windwechseln, die die sich gern in tieferen, kälteren Regionen aufhaltenden Nesseltiere nach oben locken. „Stimmen die Bedingungen, könnte es sein, dass wir dieses Jahr vermehrt mit Feuerquallen rechnen müssen“, sagt Piepiorka.

 Was viele angesichts der glibberigen Medusen, die zu 98 Prozent aus Wasser bestehen, nicht bedenken: „Quallen sind als Umweltpolizei wichtig und sinnvoll für die Natur“, betont die Meeresbiologin. Sie fressen Plankton und wirken damit Algenteppichen entgegen, die sich sonst auf den Meeren bilden können. Da das Plankton-Wachstum wiederum durch die Einleitung von Nährstoffen durch den Menschen in die Ostsee begünstigt wird, sind letztlich wir es, die eine Quallen-Vermehrung fördern. In der Tendenz, blickt Piepiorka voraus, werde es künftig mehr Quallen in der Ostsee geben.

 Quallen zählen zu den faszinierendsten und ältesten Lebewesen im Meer. Sie pflanzen sich über einen Generationswechsel fort und kommen in zwei unterschiedlichen Erscheinungsformen vor. Aus den am Boden lebenden, fest sitzenden Polypen schnürt sich die zweite Form, kleine, frei schwimmende Medusen, ab. Die entwickeln sich dann zu den bekannten, großen Quallen. Die Quallen wiederum bringen durch geschlechtliche Fortpflanzung neue Larven hervor, die sich in Polypen verwandeln.

Ostsee-Info-Center

 Mehr Informationen zum Ostsee-Info-Center in Eckernförde auf www.ostseeinfocenter.de

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Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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