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Ein Gigant frisst sich durch

Schwedeneck Ein Gigant frisst sich durch

Sie sind Hightech-Ungetüme und schaffen was weg: Mähdrescher. In einer Stunde sind mal eben vier Hektar Bio-Dinkel gedroschen. Mit Blick auf die blaue Ostsee oder auf knallgelbe Sonnenblumen ist die Tour auf Gut Hohenhain fast ein Sightseeing-Erlebnis für den Fahrer.

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Auf dem Biolandhof Gut Hohenhain in Schwedeneck ist Erntezeit: Der riesige Mähdrescher arbeitet sich zwischen Sonnenblumen und Steilküste Bahn für Bahn durch das Feld. Der Fahrer hat in seiner Kanzel einen traumhaften Ausblick.

Quelle: Cornelia Müller

Schwedeneck. Fabian Wieses Blick geht konzentriert nach vorn. Durch die großen Scheiben der Kanzel hoch über dem Feld hat er den Panoramablick, sieht alles, was sich vor, rechts und links von dem fast elf Meter breiten Schneidwerk abspielt. Da hat Wild die Chance, rechtzeitig Reißaus zu nehmen, zumal sich die Maschine sofort anhalten lässt. Das Lenkrad kann Wiese getrost loslassen. Über ein Tastenpaneel steuert er momentan alles, was es gerade zu steuern gibt. Die Werte auf den beiden Displays hat er dabei immer im Auge. Die riesige Erntemaschine, die der studierte Landwirt gerade über das Dinkelfeld von Gutsbesitzer Burkhard von Langendorff fährt, wird mit GPS gelenkt. Das rotierende Schneidwerk mit Schrägförderer, der die Halme von beiden Seiten zusammenholt und in den Drescher führt, wird je nach Bodenunebenheiten automatisch justiert. Das ist Elektronik mit Satellitenkontakt vom Feinsten.

 Das Display zeigt die Ziffernfolge 16,2. „16,2 Prozent Feuchtigkeit sind im Getreide“, klärt er auf. Zuviel, um das aus den Ähren geschlagene Korn gleich einzulagern. „Es kommt deshalb auf dem Hof erst in die Trocknung. Maximal 15 Prozent darf die Feuchtigkeit betragen. Wenn es viel nasser ist, fahren wir nicht. Dreschen ist wetterabhängig.“ Obwohl die Sonne vom Himmel brennt, ist das Korn heute weniger trocken, als vermutet. Wiese: „Gestern hatte wir zuerst Regen, doch das Korn war am Abend richtig trocken. Während man ein Feld bearbeitet, kann sich der Wert verändern. Eine Stunde Sonnenschein und Wind bewirken sehr viel. Heute aber hält sich die Nässe.“

 Bahn um Bahn frisst sich der lärmende Gigant, in dessen Fahrerkabine Zimmerlautstärke herrscht, vom Sonnenblumenfeld zur Steilküste. Wo die Bahn links von der Maschine gemäht ist, zieht Wieses Kollege den Getreidehänger mit dem Schlepper nebenher. Aus dem großen Rüssel auf dieser Seite fließt das Korn auf die Plattform. Bei der entgegengesetzten Tour sammelt Wiese den Dinkel zunächst in dem trichterartigen Behälter auf der Dreschmaschine. Hier würde das Gespann sonst die Halme plattfahren. Beim Stopp am Feldrand wird der Hänger im Stand mit Korn „betankt“. In dem Gerät hat das Getreide vorher zwei Dreschvorgänge und eine Reinigung durchlaufen, die die unerwünschten Beikräutersamen ausfiltert.

 Von Langendorff, der seit 15 Jahren auf 100 Hektar Dinkel, Weizen, Hafer, Gerste und Ackerbohnen nach Biolandrichtlinien anbaut, leiht den Mähdrescher inklusive Fahrer von den ebenfalls ökologisch wirtschaftenden Betrieben Gut Rosenkrantz in Schinkel und Buchenhof in Altwittenbek. Diese Betriebe teilen sich den Riesen. „Die Maschine fährt ausschließlich für Biohöfe“, erläutert Fabian Wiese. „Würde sie anderweitig eingesetzt, müsste sie jedes Mal aufwendig und komplett gereinigt werden, damit kein einziges anderes Korn in die Bioware gerät oder auf den ökologisch kontrollierten Ackerboden fällt. Das wäre viel zu teuer und langwierig.“

 Dass der Mähdrescher auf einer Biofläche im Verhältnis zum konventionellen Anbau weniger Ertrag einfährt, „ist normal“, schlüsselt von Langendorff auf. „Es kommt hinzu, dass Dinkel nur halb so ertragreich ist wie Weizen. Daher sind dieses Getreide und die Produkte daraus teurer. Ernährungsphysiologisch sind sie dafür top.“ Ist er zufrieden mit der Ernte 2015? „Bisher ja“, sagt er. „Die 25 Hektar Braugerste dreschen wir aber erst gegen Ende der Erntezeit. Wenn das Wetter durchsteht, freut sich auch mein Bierbrauer.“ Und die Fans des einzigen Ökobiers aus Schleswig-Holstein sind glücklich.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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