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Mit viel Temperament und Chuzpe

Duo Schmarowotsnik Mit viel Temperament und Chuzpe

Christine von Bülow und Martin Quetsche Worlitzsch, bekannt als Duo Schmarowotsnik, rissen am Sonntag über 80 Besucher in der Eivind-Berggrav-Halle Altenholz mit. Dort war zum 21. Mal ein Jüdischer Kulturabend angesagt.

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Christine von Bülow und Martin Quetsche – lästerten, klezmerten und erfreuten mit quirligen Klängen.

Quelle: Birgit Johann

Altenholz. Was bleibt einem als kleiner Mann, wo doch die Geldgier der Mächtigen die Welt regiert? Musik auf jeden Fall und zwar in allen ihren Facetten. In kaum einer Tradition lebt das Volk dieses Stückchen Freiheit schon seit Jahrhunderten so aus, wie im Klezmer: auf Jiddisch, mit Klagen, Lästereien, Temperament, Humor und Dreistigkeit, mit Chuzpe eben.

As du west bazoln, bruder – wenn du bezahlen musst – dieses wehmütige „Lid”, das mit Inbrunst dazu auffordert, sich in solchen Situationen vom Schlaf trösten zu lassen, leitet Christine von Bülow auf ihrer Oboe mit einer bezaubernden Dojna ein, einer Improvisation um einen Akkord. Martin Quetsche nimmt das Vorspiel über die Tasten seiner wohltönenden Borsini auf, und gemeinsam singt das Duo dann zu dem Akkordeon die Lebensweisheit des Augen-Verschließens in betörender Zweistimmigkeit vor. Nicht kalte Wut, sondern warmer Spott kommt zum Ausdruck, wie er für die Klezmer-Kultur typisch ist. Und trotz aller Resignation und Ironie bleibt es doch ein Wiegenlied.

Sogar schon Preisträger in Mexiko

Die beiden sind seit 20 Jahren ein Team. Bis nach Mexico City hat sie ihr gemeinsames Spiel bereits verschlagen. Dort gewannen sie am 14. Juni 2015 beim Finale des Wettbewerbs Der idische idol mit ihrem Stück An alter schicker (ein alter Säufer) den ersten Preis. Da dem Duo das Jiddische inzwischen vertraut ist, hat Schmarowotsnik das Lied selber getextet. Die beiden Musiker haben außerdem zahlreiche Gedichte vertont und arbeiten daran, dass Klezmer eine sich weiter entwickelnde Musik bleibt. Mit Dem ganefs jiches (Die Ahnenreihe des Ganoven) zeigt Martin Quetsche, dass diese Tradition sich auch ohne Schwierigkeiten mit dem Blues verbrüdern kann, so wie Klezmer, was so viel wie „Gefäß des Liedes” bedeutet, schon immer alles integriert hat, was ihm begegnete – ein musikalischer Schmelztiegel.

1996 haben Ingrid Heller von der Friedensgruppe der Kirchengemeinde Altenholz und Viktoria Ladyshenski von der Jüdischen Gemeinde Kiel den ersten Jüdischen Kulturabend initiiert und damit einen Brauch ins Leben gerufen, der jährlich an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 erinnert. Norbert Aust, Leiter des Werftparktheaters Kiel, regte darum mit Thomas Mann und Kurt Tucholsky zum Nachdenken an, zwei deutsche Schriftsteller, die mahnend und bissig die Situation ihres Landes während des Dritten Reichs von außen kommentiert hatten.

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