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Klavierabend mit Justus Frantz

Eckernförde Klavierabend mit Justus Frantz

Während Justus Frantz in der Eckernförder Stadthalle auf der Bühne steht und von Mozarts Reise nach Paris spricht, kommen einem alte „Achtung, Klassik!“-Zeiten in Erinnerung. Denn genauso wie damals im ZDF ist der 71-Jährige auch heute noch ein beredter Conferencier seiner eigenen Auftritte.

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Justus Frantz lud sein Publikum am Donnerstagabend auf eine Klassik-Reise in der Eckernförder Stadthalle ein.

Quelle: Oliver Stenzel

Eckernförde. Seinen treuen Zuhörern, die gut die Hälfte der Halle füllen, berichtet er ausführlich von den Nöten der Familie Mozart mit dem Salzburger Fürstbischof Colloredo und dem daraus resultierenden Plan, nach Versailles zu gehen. Doch weil Colloredo Vater Leopold die Abreise untersagte, machte sich das Wunderkind mit seiner Mutter allein auf den Weg.

Eine schöne Nebenwirkung der damit verbundenen Aufbruchsstimmung stellt für Justus Frantz Mozarts Sonate Nr. 12 F-Dur KV 332 dar, um deren Kompositionsdatum in der Musikwissenschaft zwar nach wie vor gestritten wird, deren Verve für den Pianisten aber nur eine Deutung zulässt. Dementsprechend vielfarbig stellt er das Werk am Flügel vor. In seiner Interpretation gibt es viele zackige Kontraste, markante Akzente und orchestral anmutende Passagen zu hören. Keine Frage: So klingt die Reiselust. Und weil man weiß, dass es zur damaligen Zeit noch über Stock und Stein ging, nimmt man es Professor Frantz auch nicht übel, dass die Präzision hier und da eine untergeordnete Rolle spielt.

Und dann steht er auch schon wieder neben dem Flügel und berichtet ausführlich, wie der daheimgebliebene Leopold Mozart seinen Sohn verfluchte, als sich dieser auf Zwischenstation in Mannheim in eine Sängerin verliebte und deren Familie einen Großteil seiner Gage schenkte. Mozart duckte sich vor dem Vater – und revanchierte sich nach Frantz mit der Klaviersonate Nr. 8 a-Moll KV 310, einer „Zornessonate“. Auch hier ist die Forschungslage alles andere als eindeutig, aber auch hier unterstreicht der Pianist seine Theorie, indem er am Flügel ganz in die Offensive geht und eindringlich auf tönende Bitterkeit setzt, wo andere Kollegen diese noch stärker mit melancholischen Beinoten mischen. Es folgt spontan Frédéric Chopins As-Dur-Etüde, dann entlässt Frantz seine Hörer in die Pause.

Die Klaviersonate A-Dur KV 331 steht dann im Mittelpunkt der zweiten Programmhälfte, für den Pianisten ein Musterbeispiel von Mozarts Talent, Schmerz und Freude zugleich auf den Punkt zu bringen. Ein drittes Mal tritt der Pianist den Beweis seiner These umgehend an, schüttelt dabei manche Passage sehr locker aus dem Ärmel und kann schließlich nach dem Türkischen Marsch auf volle Zustimmung zählen. Großer Applaus für einen unterhaltsamen Abend! Vom diesem sichtlich erfreut, wirft der Meister die Zugaben so spendabel von der Bühne, als wären es Kamelle.

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