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Ein Grüner als „Gaspreis-Rebell“

Eckernförde Ein Grüner als „Gaspreis-Rebell“

Als „Gaspreis-Rebell“ ist der Eckernförder Ratsherr Edgar Meyn kürzlich in einem Beitrag des TV-Senders SAT1 zur Gaspreis-Entwicklung präsentiert worden. Doch so martialisch sieht sich der Grünen- Politiker nicht.

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Die Stadtwerke sind in Eckernförde Grundversorger, der verpflichtet ist, jeden mit Gas zu versorgen. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Eckernförde. Ihn treibt nach eigenen Worten die Sorge um die Zukunft der Stadtwerke Eckernförde und um mehr Transparenz für den Verbraucher um. Zu groß seien mittlerweile bei sinkenden Preisen auf dem Weltmarkt die Differenzen unter den Tarifen der Energieversorger. Vor zehn Jahre hatte Meyn einseitig seinen Gaspreis eingefroren. Jetzt hat er sogar den Anbieter gewechselt.

Pikant dabei: Meyn sitzt als stellvertretendes Mitglied im Aufsichtsrat des kommunalen Versorgers. Er selbst bekennt, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen. „Die Stadtwerke sind wichtig für Eckernförde“, betont der Ratsherr. Vor über zehn Jahren, als ein Teilverkauf diskutiert wurde, hatte er dafür gekämpft, dass die Stadtwerke eine hundertprozentige Tochter der Stadt bleiben. „Doch dann muss auch den Bürger klar dargestellt werden, wie die Preise kalkuliert werden und wie die Unterschiede auf dem Anbieter-Markt zustande kommen“, ist Meyn überzeugt. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaushalt machen die inzwischen mehrere hundert Euro im Jahr (ohne Boni) aus. „Das ist gefährlich“, meint er.

Seit 2004 Verbraucherverbände und der Bund der Energieverbraucher bemängelten, dass die EU-Richtlinien für die Preisgestaltung von vielen Energieversorgern nicht umgesetzt würden, zog Meyn eigene Konsequenzen. Er fror seinen Gaspreis bei 4 Cent pro Kilowattstunde ein und forderte mehr Transparenz. Wie mehr Offenheit aussehen könnte, hatte 2014 der Europäische Gerichtshof festgelegt. Doch der Bundesgerichtshof (BGH) habe das nicht so umgesetzt, bedauert der Grünen-Politiker. Der Bund der Energieverbraucher reicht jetzt Verfassungsbeschwerde ein.

Meyn bekam nach dem jüngsten BGH-Urteil zur Zulässigkeit von Preiserhöhungen eine Mahnung von den Stadtwerken und zahlte die Hälfte seiner „gesparten“ 2729 Euro zurück. Der Rest unterlag der Verjährung. „Ich wollte keine rechtliche Auseinandersetzung“, sagt der Ratsherr. Er erwartet allerdings nach wie vor, dass die Stadtwerke ihm und den Kunden darlegen, „wie sie die EU-Richtlinien umsetzen und wie die Preise kalkuliert sind“.

In einer Wettbewerbsgesellschaft Kalkulationen offen zu legen – „das passt nicht in den Wechsel-Markt“, sagt hingegen Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens und beruft sich auf das BGH-Urteil. Anders wäre das zu Monopolzeiten gewesen. Der örtliche Energieversorger hat nach seinen Worten marktgerecht reagiert und Preise gesenkt. Zwar nicht für die Grundversorgung, die sich derzeit auf 6,08 Cent pro Kilowattstunde beläuft, aber bei Sonderverträgen mit festen Vertragslaufzeiten. Das heißt: Wer sich beispielsweise für zwei Jahre an die Stadtwerke bindet, der zahlt nur noch 4,52 Cent pro Kilowattstunde. Das, so Steffens, hätte auch Meyn offengestanden. Im Portfolio fänden sich außerdem Sondertarife wie McWatt.

Die Stadtwerke sind in Eckernförde Grundversorger, der verpflichtet ist, jeden mit Gas zu versorgen. Bei der Tarif-Gestaltung machen Börsen-Preise laut Steffens nur einen Teil der Kalkulation aus. So gehe es auch um Personalkosten, die nach den letzten Verdi-Abschlüssen gestiegen seien. Um die notwendige EDV-Umstellung, um Kosten für Gasspeicher sowie um Fixkosten, die trotz der Umsatzeinbrüche in den vergangenen milden Wintern bestehen blieben. Darüber hinaus wirkten sich längerfristige Gas-Lieferverträge aus. „Ein Problem vieler Stadtwerke“, so Steffens. Erst beim Einkauf neuer Mengen kommen die niedrigeren Marktpreise zum Tragen.

Ein Vorteil kommunaler Stadtwerke sei es, dass die Masse der Wertschöpfung in der Region bleibe, betont der Geschäftsführer. Dazu gehört auch, dass der Energieversorger in Eckernförde Defizit-Betriebe wie das Meerwasserwellenbad und den Hafen mitträgt und es durch den steuerlichen Querverbund der Energiesparten ermöglicht, die Unterschüsse spürbar zu entlasten. Kosten, die sonst die Stadt hätte schultern müssen.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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