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Stück Freiheit mit Entbehrungen

Eckernförde Stück Freiheit mit Entbehrungen

„Testfahrt – 14700 Kilometer“ steht auf der Plane des rustikalen Fahrrad-Anhängers von Robert Andreas Dallwitz. Was denn hier erprobt wird?, drängt sich die Frage auf. „Ich teste das Leben“, sagt der Berliner. Das ganze Jahr über ist er unterwegs, mit nicht viel mehr als Rad, Anhänger und einer Portion Zuversicht.

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Mit Rad und Anhänger immer auf Achse: Robert Andreas Dallwitz machte Donnerstag Station in Eckernförde.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Dabei hat es ihm der Norden besonders angetan.

An diesem Tag steht Dallwitz am Eckernförder Innenhafen und lädt an einer Servicestation seine Batterien auf. Unter der breiten Hutkrempe blinzeln die Augen in die Sonne. „Es ist schön hier“, sagt er. „Der Blick auf Hafen und Schiffe, das hat was.“ Die wärmenden Strahlen wecken bei ihm Vorfreude auf den Frühling. Denn: „Der Winter ist eine gefährliche Zeit“, weiß er. Dallwitz hat draußen schon Temperaturen von minus 20 Grad erlebt. Seine Schlafstatt ist der Anhänger. Zu kurz, um sich darin richtig auszustrecken. „Man muss schon etwas Kondition mitbringen“, sagt der 59-Jährige zu dem entbehrungsreichen Lebensweg, den er beschritten hat.

Ursprünglich war Dallwitz Straßenbauer und Steinsetzer. Auch jetzt versucht er, unterwegs immer mal wieder eine Gelegenheitsarbeit zu finden. Doch das ist nicht einfach, gerade in seinem Alter. Beim Jobcenter beantragt er ein geringes Tagesgeld. Ansonsten braucht er nicht viel. „Ich lebe enthaltsam und versuche, mich gesund zu ernähren“, erzählt Dallwitz. Seit 18 Jahren ist er zwischen Berlin und Flensburg unterwegs, seit zehn Jahren mit dem Rad-Hänger. Dieses Ungebunden-sein-wollen – „das steckte schon früh in mir“, bekennt er.

So entschädigt ihn ein Stück Freiheit für die Entbehrungen, die er in Kauf nimmt. Er freut sich an der Natur und an interessanten Menschen, die er auf seinen Touren kennen lernt. Gleichgesinnte trifft er hingegen fast nie. „Die sitzen heutzutage alle vor dem Computer“, sagt er. Früher begleitete ihn ein Hund, bis dieser vor sechs Jahren starb. Inzwischen ist er allein unterwegs. Das Fahrrad mit dem schweren Anhänger wird oft geschoben. Aber Dallwitz schätzt gerade in Schleswig-Holstein die vielen Radwege an den Straßen. Ebene Strecken seien dann gut zu fahren.

Die Frage nach einem besonderen Erlebnis „on the Road“ lässt ihn nur kurz nachdenken. „Als ich in Kiel in einem Fahrradtunnel erschöpft in meinem Hänger saß und nach draußen blickte, kam plötzlich eine kleine Feldmaus an. Sie machte Männchen und blickte mich an.“

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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