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Weißer Ring half in 274 Fällen

Opferhilfe Weißer Ring half in 274 Fällen

Während der Täter bei Verbrechen oft im Fokus steht, muss das Opfer nicht selten um sein Recht kämpfen. Zur Seite steht dabei der Weiße Ring. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde wurde die Opferhilfe im vergangenen Jahr in 274 Fällen tätig. Überwiegend wandten sich Frauen an den Weißen Ring (195).

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Weißer Ring und Polizei arbeiten Hand in Hand bei der Opferhilfe. Von links: Klaus Krüger, Jens Oltmann, Joachim Wulff, Ursel Brandt, Volker Gerdes, Frank Röckendorf, Bürgermeister Jörg Sibbel, Karl Rath, Uwe Rath, Rainer Maass und Rainer Lindberg.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde.  Aber auch 79 Männer, 18 Jugendliche und zwölf Kinder wurden betreut. Mit Blick auf den Flüchtlingszustrom gibt es laut Uwe Rath von der Außenstelle Rendsburg-Eckernförde „keine Auffälligkeiten“. Er betont: „Wir werden für alle tätig.“

Bei der Vorstellung der Jahresbilanz am Montagnachmittag im Eckernförder Rathaus wunderte sich Rath hingegen, dass sich die gestiegene Zahl an Wohnungseinbrüchen nicht in den Betreuungsfällen widerspiegelt. „Bei uns haben sich die Zahlen nicht besonders erhöht.“ Sein Appell: „Wir können nur helfen, wenn wir von der Tat auch wissen.“ Bei Wohnungseinbrüchen sei gerade die psychische Seite der Opfer besonders betroffen, so Rath. Denn hier drängten Täter in die Privatsphäre der Betroffenen ein.

Neben Sexualdelikten spielten vor allem Körperverletzungen, Diebstähle, Raub, Betrug und Stalking eine Rolle bei den Beratungen des Weißen Rings. Hinzu kamen neun Tötungsdelikte. Ein Rückschluss auf die Kriminalstatistik des Kreises lassen die Zahlen der Opferhilfe aber nicht zu. „Für unsere Betreuung ist entscheidend, wo das Opfer wohnt“, sagt Rath. Der Weiße Ring kümmert sich darüber hinaus um sogenannte „mittelbare Opfer“, zu denen nahe Verwandte, Tatentdecker und Ersthelfer gehören.

Manchmal kann ein Telefonat weiterhelfen oder ein Besuch, oft ist der Aufwand für die 16 ehrenamtlichen Mitarbeiter (darunter fünf Frauen) des Weißen Rings im Kreis aber größer. Der freiwillige Helfer Karl Rath erinnert sich an einen Eckernförder, der 2014 in Hamburg auf einem S-Bahnhof von Hooligans verletzt wurde. Mehrfache Krankenhausaufenthalte waren die Folge. „Er brauchte immer wieder Beistand, auch eineinhalb Jahre danach“, resümiert der engagierte Unterstützer.

Oft ist es die Polizei, die den Kontakt zum Weißen Ring vermittelt. „Wir prüfen die Fälle vorher und nutzen dann den direkten Draht zur Opferhilfe“, sagt Eckernfördes Kripo-Leiter Frank Röckendorf. Besonders bei schweren Gewaltdelikten und bei Taten, die die Opfer in finanzielle Schwierigkeiten bringen, verweist die Polizei auf die Möglichkeiten des Weißen Rings. Vergangenes Jahr konnte die Opferhilfe insgesamt 39000 Euro für die Betroffenen erwirken. In 41 Fällen erfolgte Hilfestellung, um Anträge nach dem Opferentschädigungsgesetz zu stellen.

Froh ist Rath, dass es im Land inzwischen sogenannte Trauma-Ambulanzen für Verbrechensopfer gibt – eine langjährige Forderung des Weißen Rings. Auch Opfer von Wohnungseinbrüchen und Stalking könnten hier jetzt mit aufgenommen werden. Bei der Versorgung gebe es aber noch „weiße Flecken“.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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