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Vom Quackeltheiß zum Kakabellenbier

Eckernförde Vom Quackeltheiß zum Kakabellenbier

Sogar der dänische König ließ sich ein Bier schmecken, das in Eckernförde zur Legende wurde. Kakabellenbier soll 1503 den römischen Kardinal Raimund Peraudi auf der Durchreise von seinen Verdauungsbeschwerden geheilt haben. Fünf Jahrhunderte später erweckte der Eckernförder Hendrik-Jens Lückenga den sagenhaften Gerstensaft wieder zum Leben.

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Handgebraut: Hendrik-Jens Lückenga vertreibt seit zehn Jahren das Kakabellenbier, dessen Name auf eine Eckernförder Legende aus dem Mittelalter zurückgeht.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Das neue Bier ist allerdings dem heutigen Geschmack angepasst und nicht mehr abführend. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des neuen historischen Kakabellen-Gebräus wird am kommenden Wochenende, 24. bis 26. Juli, ein „Fest der handgebrauten Biere“ in der Siegfried-Werft gefeiert.

In einer alten Kämmerei-Rechnung von 1449 taucht erstmals der Hinweis auf das Eckernförder Bier auf. Demnach wurde es für acht Schilling an den dänischen Königshof verkauft. Bereits im 15./16. Jahrhundert war das ursprünglich Quackeltheiß genannte Bier ein früher Exportschlager. Seinen folgenden Namen erhielt es der Legende nach durch den Besuch des päpstlichen Legaten Peraudi. Da ihn das Bier von seiner Hartleibigkeit befreite, soll er die Wirkung als „caca bellam“ gelobt haben. Der Volksmund wiederum wandelte es in Kakabelle ab. Die abführende Kraft war laut Lückenga dem damals schwefelhaltigen Brauwasser zuzuschreiben.

Nach der Einführung des deutschen Reinheitsgebots für das Bierbrauen (in Bayern 1516), war es aber bald vorbei mit dem verdauungsfördernden Gerstensaft. Nur noch sauberes Quellwasser durfte zum Einsatz kommen, dazu die bewährten Zutaten Gerste, Hopfen und Malz. Die Hefe wurde erst später als Gärmittel bekannt. Bis dahin taten Hefesporen aus der Luft ihre Arbeit, die damals zum Brauen ausreichend erschienen.

Die Einführung des Reinheitsgebots war für das Kakabellenbier der Todesstoß. Die Umsätze brachen ein, das Gebräu verschwand vom Markt. Heute erinnert in Eckernförde nur noch der Kakabellenweg an das einst berühmte Bier. Ein halbes Jahrtausend später entdeckte Lückenga in den 1990er Jahren eine halbe Kiste Bier mit dem Kakabellen-Schriftzug. Die Flaschen waren für das 100-jährige Bestehen der SPD mit dem historischen Namen etikettiert worden. Für den Eckernförder war es eine Initialzündung. Er beantragte den Schutz für das Namensrecht und ließ erstmals zu den Sprottentagen 2005 das Kakabellenbier wieder aufleben. „Mit acht Fass fingen wir an, die waren aber schnell zu Ende“, erinnert Lückenga.

Das neue Kakabellenbier ist handgebraut in der Ricklinger Landbrauerei bei Neumünster (natürlich nach dem Reinheitsgebot). Es ist naturtrüb, besitzt noch alle Inhaltsstoffe und ist deshalb nur vier bis sechs Wochen kühl gelagert haltbar. Aber, so zitiert Lückenga den Braumeister, Bier solle man nicht lagern, sondern trinken.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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