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Anekdoten auf vier Rädern

Eckernförder Classics 2015 Anekdoten auf vier Rädern

Am Sonnabendmorgen wird es offiziell: Bürgermeister Jörg Sibbel eröffnet die 12. Eckernförder Classics. 123 Fahrzeuge warten auf der Hafenpromenade auf den Startschuss, doch zuvor müssen sie an Moderator Waldemar Behn vorbei, der die Oldtimer und ihre Mitfahrer detailliert und mit viel Fachwissen vorstellt.

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Klassische Oldtimer starteten am Wochenende in Eckernförde.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. 30 Sekunden für jedes Fahrzeug sind geplant, doch gibt es so viele Anekdoten für die Zuschauer am Start, dass diese Zeit nicht zu halten ist. Schnell sind daraus drei Minuten geworden, und so dauert die Abfahrt der Fahrzeuge zur Freude der Zaungäste länger als geplant.

„Sie nehmen uns mit auf eine Zeitreise“, sagt Sibbel an die Adresse der Classics-Teilnehmer, die Beispiele von fast 100 Jahren Ingenieurskunst zeigen. Erster am Start ist Jürgen Menzel aus Kiel mit einem 1920er Studebaker, von dem es nur noch drei Stück in Europa gibt. Sein Sohn Rüdiger folgt mit Startnummer Zwei, einem Dodge mit Holzspeichenrädern und massivem Messingkühler.

Es folgen Rolls Royce mit Fahrern in Chauffeurs-Uniform aus dem Jahr 1934 und Ford A-Modell mit einem lauten Töröö aus der Hupe und Schwiegermuttersitz. Was ist das? Behn erklärt es: Vorne sitzen in dem Sportcoupé aus den 20er Jahren Fahrer und Beifahrer, die zur Not auf ein Stoffdach zurückgreifen könnten, falls es regnen sollte. Im Heck des Fahrzeugs ist eine Klappe, unter der sich ein weiterer Sitz befindet. Dort können Kinder oder weitere Mitfahrer mitgenommen werden. Ein Dach gibt es für sie allerdings nicht. So entstand der Begriff Schwiegermuttersitz, je nach Zuneigung der vorne Sitzenden zur nahen Verwandtschaft.

Die Eckernförder Classics lockten zahlreiche Oldtimer in den Norden.

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Nicht nur Behn, sondern auch die Eigner der Fahrzeuge haben spannende Geschichten zu erzählen. So zum Beispiel Eckart Dege (73), der mit einem Toyota Landcruiser gekommen ist, den er vor 31 Jahren neu kaufte. „Für Mercedes fühlte ich mich damals zu alt“, sagt er schmunzelnd. Der Anhänger stammt aus Korea, wo er als Professor der Geografie arbeitete, und kam als Schrank deklariert nach Deutschland.

Oder Barbara Trapp: Sie startet mit Christel Kankelfitz in einem Renn-Jaguar E-Type, der schon die Rallye Hamburg-Shanghai absolvierte. In Eckernförde geben die beiden Damen Gas und entschwinden mit einem donnernden Grollen.

Und dann ist da noch Joachim Schönberg aus dem Plöner Umland. Er ist mit einem Horch gekommen, der sich seit achtzig Jahren im Familienbesitz befindet. 1931 wurde er gebaut, sein Vater kaufte ihn vier Jahre später, nutze ihn zunächst und mauerte ihn dann im Krieg ein, damit er nicht konfisziert werden konnte. In den 1970er Jahren wurde er wieder befreit, in den 90ern von Joachim Schönberg in 4000 Arbeitsstunden restauriert. „Er fährt mit Ethanol, kann also E10-Treibstoff tanken“, erklärt der Eigner. Im Dritten Reich habe man sich unabhängig vom Mineralölimport machen wollen und eigene Treibstoffe aus Kartoffeln und Rüben hergestellt. Mit Erfolg: Leise fährt der Wagen mit 4,5 Liter Hubraum und 90 PS und gewaltigem Drehmoment auf die Tour, die die Teilnehmer über kleine attraktive Wege durch die Hüttner Berge bis nach Hohn zum Flugplatz und zurück führt.

Mit dabei ist auch Edwina Herzogin zu Mecklenburg von Posern, Schirmherrin der sonntäglichen Prinz-Heinrich-Fahrt durch Schwansen zum Gut Hemmelmark, dem ehemaligen Wohnsitz ihres Urgroßvaters Prinz Heinrich, dem Bruder des letzten deutschen Kaisers. Heinrichs Erfindung, der Scheibenwischer, ist am Fahrzeug seiner Urenkelin natürlich an Bord. Sie ist mit einem 1956er Bentley S1 unterwegs.

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