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Frischekur für alte Segel

Eckernförde Frischekur für alte Segel

Kein weißes Segel zeigt sich in diesen grauen, windigen Tagen auf der Bucht. Fabian Röhl aber hat gut zu tun. Bei Eckernfördes einzigem Segelmacher rattern die Nähmaschinen, tanzt die Nadel, um marode Nähte auszubessern oder Scheuerstellen zu verstärken. Die Aufträge hat er sich über den Winter verteilt.

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Ein großer Schnürboden ermöglicht es Fabian Röhl, die Segel für die Durchsicht und Reparatur auszulegen. Für das Nähen gibt es Maschinen, vieles ist aber auch reine Handarbeit.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Röhl weiß: „Im März und April kommt der große Ansturm.“ Dann sind Wartezeiten programmiert. „Wir können nicht zaubern“, sagt der Segelmacher. Und fügt augenzwinkernd hinzu: „Der weitsichtige Segler kommt im Winter.“

So wie Jürgen Lichte. Der passionierte Skipper möchte bei Röhl eine Kuchenbude (Cockpit-Zelt) in Auftrag geben. Bordeaux-rot soll sie sein. „Ich wollt’ schon mal vorbeischauen“, sagt er. Denn Pfingstmontag soll es auf Törn gehen. Zwar ist das Schiff an Land noch abgeplant, doch ein paar Details wie Lüftungsöffnungen können schon besprochen werden. „Kuchenbuden und Persenninge sind immer Handarbeit“, sagt Röhl. Von Schiff zu Schiff gibt es Unterschiede. Da ist Maßnehmen vor Ort gefragt. Und Liebe zum Detail.

Röhl hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt – wenn auch mit Umwegen. Obwohl der Segelmacher-Beruf schon immer in seinem Kopf spukte, packte er zunächst eine Steinmetzlehre an, ließ sich dann zum Elektroinstallateur ausbilden und wurde später Rettungssanitäter und Taucherarztassistent beim Bund. „Zwischendurch hab’ ich in Segelmachereien gearbeitet“, erzählt er. Wind und Wellen ließen ihn nicht los. Sogar für einen Drachenworkshop nähte er die Tuche. Mit einer Ausbildung bei Benz Segel auf der Rader Insel machte Röhl seine Leidenschaft schließlich zum Beruf.

Auf der Carlshöhe fand er vor einigen Jahren Räumlichkeiten, um sich selbstständig zu machen. Denn: „In Eckernförde gab es keinen Segelmacher“, erzählt der 38-Jährige. Beherrscht wird seine Werkstatt von einem riesigen Schnürboden. Hier lassen sich Segel und Abdeckungen ausbreiten. Hier kann die Spezial-Nähmaschine auf Bodenhöhe eingesetzt werden. Vor allem die aggressive UV-Strahlung setzt Nähten und Tuchen zu, die ausgebessert werden müssen. Ein Schwerpunkt ist für Röhl mittlerweile aber auch das Fertigen von Sprayhoods, Persenningen und Cockpit-Zelten geworden. Das läuft inzwischen so gut, dass sich der Segelmacher mit Erweiterungsgedanken trägt. Nur geeignete Werkstatträume sind noch nicht gefunden.

Kommt der Segelmacher eigentlich selbst noch zum Segeln? „Früher war ich mehr auf dem Wasser“, gesteht Röhl. „Bin auch mit einer J80 Kieler Woche gesegelt.“ Jetzt ist die Zeit für Schot und Pinne knapper geworden. Segeln, so Röhl, sei für ihn aber immer noch die schönste Form der Entspannung. Doch eines dürfte sich auch dieses Jahr nicht ändern: Viele Segler wird der Saison-beginn nach der Winterpause überraschen und werden wenige Wochen vorher an seine Tür klopfen. „Wie bei den Reifenhändlern zu den Wechselzeiten“, scherzt Röhl.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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