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Sie machen Appetit auf den Aderlass

Gettorf Sie machen Appetit auf den Aderlass

Früher schmierten sie unzählige Pausenbrote für ihre Kinder. Jetzt, wo der Nachwuchs aus dem Haus ist, werden von den Gettorfer DRK-Damen für eine andere Klientel Schnittchen zubereitet: für die Blutspender, die fünf- bis sechsmal im Jahr zum Aderlass in die Isarnwohld-Schule kommen – wie jetzt am Montag wieder.

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Leckere Schnittchen von fröhlichen DRK-Damen: Heike Kruse, Renate Wulf, Monika Matzen, Greta Freitag und Heinke Stüwe (von links) versorgen die Blutspender.

Quelle: Burkhard Kitzelmann

Gettorf. Das Team vom Blutspendedienst Nord-Ost aus Schleswig ist mit einem großem Lkw angerückt. In den Klassenräumen der 6a und 8l werden insgesamt 16 Liegen aufgebaut. Hinzu kommen Gerätschaften wie zum Beispiel Blutmischwaagen und Beutelhalter. Es ist noch gut eine Stunde Zeit, bis um 15.30 Uhr die ersten Blutspender kommen.

Nicht nur in den beiden Klassenräumen, die jetzt aussehen wie mobile Krankenstationen, auch in der Isarnwohld-Schulküche herrscht rege Betriebsamkeit. Die Rotkreuz-Damen bereiten das Büfett vor. „Dafür bekommen wir vom DRK-Blutspendedienst pro Teilnehmer einen festen Betrag“, erklärt Renate Wulf, während auf dem Herd gerade 40 Eier hart gekocht werden. Ein leichter Zwiebelgeruch liegt in der Luft. „Brote mit Zwiebelmett sind bei den Blutspendern hier in Gettorf besonders beliebt“, verrät Heinke Stüwe. Für die heutige Aktion wurden anderthalb Kilo Hackepeter eingekauft – etwas weniger als sonst, da in den Sommerferien viele Blutspender, die sonst regelmäßig zu den Terminen kommen, im Urlaub sind.

Laut Statistik lassen sich nur drei Prozent der Deutschen für den guten Zweck anzapfen. „Vielen Menschen ist die Notwendigkeit des Blutspendens gar nicht bewusst“, bedauert Jan-Christian Weck, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Blutspendedienst Nord-Ost. Seinen Worten zufolge gerät das demographische Gleichgewicht zwischen Blutspendern und Blutempfängern zunehmend aus der Balance. Im Klartext: Auf der einen Seite werden die Menschen immer älter. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie aufgrund von Krankheiten zu Blutempfängern werden. Auf der anderen Seite gibt es wegen des Geburtenrückgangs immer weniger junge Menschen und damit weniger potenzielle Blutspender.

Was geschieht eigentlich mit dem halben Liter Lebenssaft, den Schwester Silke und ihre Kolleginnen an diesem regnerischen Sommertag in Gettorf jedem Spender abzapfen? „Das Blut und die Blutbestandteile werden zu 19 Prozent bei Krebstherapien eingesetzt, gefolgt von Herzerkrankungen sowie Magen- und Darmkrankheiten mit jeweils 16 Prozent sowie Unfallverletzungen mit zwölf Prozent“, erklärt Jan-Christian Weck.

Mittlerweile ist es 15.30 Uhr. Die ersten Blutspender treffen ein. Die Prozedur ist immer dieselbe: erst zur Anmeldung, dann den Hämoglobinwert (Eisen) messen, kurzes Arztgespräch, dann die eigentliche Blutspende, die etwa zehn Minuten dauert, und schließlich der Imbiss. Es wird gemunkelt, dass es in Gettorf und Umgebung Leute gibt, die nur wegen der leckeren Schnittchen zu den Blutspendeterminen kommen.

Um 19.30 Uhr fangen die Mitarbeiter des Blutspendedienstes damit an, die Gerätschaften zusammenzupacken und zu verladen. Auch für die DRK-Damen ist der ehrenamtliche Einsatz noch nicht vorbei. Die Blutspender haben heute beim Büfett wieder gut zugelangt. Dementsprechend hat sich reichlich Geschirr angesammelt, das jetzt noch gespült werden muss – „von Hand“, wie Renate Wulf verrät.

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Ein Artikel von
Burkhard Kitzelmann
Eckernförder Nachrichten

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