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Ein Geheimnis der Wand gelüftet

St.-Nicolai-Kirche in Eckernförde Ein Geheimnis der Wand gelüftet

Wohl schon seit Jahrhunderten rätseln Eckernförder, was es mit den in der Westwand St.-Nicolai-Kirche eingeritzten Werkzeugen und Symbolen auf sich hat. Hans-Heinrich Janssen aus Kappeln stellte nun eine Erklärung vor: Mittelalterliche Grabsteine seien dort vermauert worden.

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Karl-Friedrich Schinkel (in der Mitte vorne) führte die Besucher zu den Epitaphien in der St.-Nicolai-Kirche.

Quelle: Rainer I. Krüger

Eckernförde. Anlass für seine Erläuterungen war eine Exkursion der Heimatgemeinschaft Eckernförde zum Gotteshaus am Mittwochabend. Aber was ist in der Westwand zu sehen? Diese Frage ließ sich nicht ganz eindeutig beantworten. Konsens war, dass es sich beim oberen Werkzeug um einen Hammer handelte und bei dem darunter um eine Zange. Doch in welchem Bereich wurde die Zange verwendet? „Die Form entspricht einer Hufuntersuchungszange, wie sie Tierärzte verwenden“, erklärte Janssen. Beim Gerät oben tippte er auf einen Beschlaghammer. Seine Vermutung untermauerte Arne Paysen. Der Schmied des Freilichtmuseums Molfsee hatte die aktuelle Werkzeuge zur Hufbearbeitung dabei, die den Ritzungen sehr ähnlich sahen.

 Wichtig für Janssens Interpretation: Auf dem Granitstein mit den Werkzeugen sind auch Buchstaben eingeritzt. Ob C oder G und R oder G konnte er wegen der Verwitterung nicht mehr sagen. „Bei zwei Initialen würde heute jeder sagen, dass es sich um einen Grabstein handelt“, schlussfolgerte er. Nicht anders dürfte es also im Mittelalter gewesen sein.

 Janssen ging davon aus, dass die Steine verarbeitet wurden, als die Kirche im 14. Jahrhundert erweitert wurde. Dabei hätten sie die Bauherren nicht von frischen Gräbern genommen. „Man verwendete wohl alte Steine“, vermutete der Kappelner. Was jetzt vermauert ist, könnte etwa 1275 auf dem Friedhof gestanden haben. Denn mehrere Steine in der Westwand haben laut Janssen eingeritzte Kreuze. Eventuell gab es auch Tricks, um sich beim Bau im 14. Jahrhundert Material zu beschaffen. „Vielleicht sind damals Grabsteine mutwillig zerschlagen worden.“

 Geheimnisvolles gab es auch in der Kirche zu erläutern. Karl-Friedrich Schinkel erklärte den 50 Zuhörern die Epitaphien im Gotteshaus. Ein Epitaph ist eine Grabinschrift oder ein Grabdenkmal für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand. Da viele Adelfamilien ihre Mitglieder in Eckernförde beisetzen ließen, hatte Schinkel viel zu berichten.

 Den Schlusspunkt setzte Heinrich Mehl. Er kam auf den Grafen von Saint Germain zu sprechen. Der 1784 gestorbene Alchimist, Abenteurer und Okkultist soll in der Kirche beigesetzt worden sein. „Der Graf ist die weltweit bekannteste Figur, die mit Eckernförde zu tun hat“, stellte er fest. Dazu trugen vor allem Literaten bei. „Unter anderem Alexandre Dumas, Alexander Puschkin und Umberto Ecco haben über ihn geschrieben“, berichtete Mehl. Und auch Karl May. Mehl präsentierte dessen Buch „Das Zauberwasser“. In ihm kommt die Figur des Grafen vor.

 Zu Lebzeiten war St. Germain unter anderem mit Casanova, der Madame Pompadour und Karl von Hessen. Von der Kirche wurde St. Germain allerdings nicht geschätzt. „Er hatte behauptet, nicht zu altern“, benannte Mehl den Grund. Sein Vortrag beendete er mit einem Appell. „In der Stadt gibt es kein Erinnerungszeichen für St. Germain. Er müsste in irgendeiner Form gewürdigt werden.“ Er nannte Beispiele für literarische Figuren, mit denen das geschieht. „Bei Till Eulenspiegel und den Bremer Stadtmusikanten ist es der Fall.“

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