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Ein Mexikaner an der Ostsee

Austauschschüler Ein Mexikaner an der Ostsee

Mexiko Stadt: hektisches Treiben, Lärm, schlechte Luft. Offiziell neun Millionen Einwohner. Dort wohnt Pablo Gonzales Acosta. Seit knapp einem Jahr ist der 17-Jährige zu Gast in Eckernförde: 22000 Einwohner. Ein ungewöhnlicher Sprung, der Pablo zum Umdenken in vielen Lebensbereichen zwang.

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„Er hat perfekt zu uns gepasst“, freut sich die Familie Haß: Pablo (17, zweiter von links), fällt der Abschied schwer von Hannah (15), Hauke und Clarissa Haß und Lennard (13, von links).

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Clarissa und Hauke Haß aus Eckernförde haben mit ihren Kindern Hannah (15) und Lennard (13) den jungen Mexikaner schätzen gelernt. Seit elf Monaten wohnt Pablo bei ihnen, Ende Juli geht es zurück in seine Heimat. „Ich geh zurück als ein Anderer“, sagt Pablo. In Eckernförde habe er viele Freundschaften geschlossen, insbesondere natürlich mit der Familie Haß, die für ihn ein zweites Zuhause geworden ist. Der Abschied fällt schwer, obwohl er sich auch auf Mexiko City freut.

 Der Mexikaner ist 2015 mit der gemeinnützigen Austauschorganisation Youth for Understanding (YFU) nach Deutschland gekommen. Er ist damit einer von etwa 550 Schülern aus 50 Partnerländern, die ein Jahr in Deutschland verbracht haben. Sie besuchen wie Pablo regelmäßig die Schule und leben in Gastfamilien. Seit 50 Jahren organisiert YFU langfristige Jugendaustauschprogramme und setzt sich für Toleranz und interkulturelle Verständigung ein. Seit der Gründung im Jahr 1957 hätten insgesamt rund 60000 Jugendliche diese Chance genutzt, berichtet Isabel Nowack von YFU in Hamburg.

 Für Pablo hieß es in Deutschland: Dimensionen runterfahren. Die Autos sind kleiner. Die Wege sind kürzer. Die Luft ist besser. Verabredungen werden eingehalten. Pünktlich erscheinen. Sicher fühlen. „In Mexiko Stadt brauche ich eine Stunde Fahrt mit dem Bus für fünf Kilometer Schulweg“, berichtet Pablo. In Eckernförde sei er mit dem Rad in 15 Minuten in der Jungmannschule gewesen. Überhaupt: Radfahren. In Mexiko undenkbar. „Viel zu gefährlich“, warnt Pablo, das würde nicht lange gut gehen, die Autofahrer würden keine Rücksicht nehmen.

 Glücklicherweise wohnt Pablo in seiner Stadt auf einem Hügel, so erreicht ihn der tägliche Smog der Großstadt nicht so oft. Und doch: Die Luft in Schleswig-Holstein hat es ihm angetan. „Die werde ich vermissen“, so der Mexikaner. Auch das Wetter ist anders. „Bei uns zuhause ist es schlagartig dunkel oder hell, es sind nicht so fließende Übergänge wie hier“, stellt er fest. Hell bis um 22 Uhr: undenkbar.

 Pablo, der schon in Mexiko Deutsch in der Schule hatte, ist in Eckernförde voll in den Alltag eingetaucht. Handball in der B-Jugend beim EMTV, Trompete spielen im Jugendrotkreuzorchester. Außer Sauerkraut und Rotkohl mag er alles gern essen. Was er auch zu schätzen weiß: „Es gibt hier so wenig Müll auf den Straßen.“ In Mexiko würden die Menschen einfach alles fallenlassen.

 Mit seiner Gastfamilie hat er einige Städte in Deutschland besucht: Berlin, Hamburg, Dresden, Leipzig. Zweimal war er in Dänemark, einmal auf den Kanaren. Und er will wiederkommen und in Deutschland Ingenieurwesen studieren. „Ich mag Mathe“, sagt er. Ein Vorteil seiner Heimat fällt ihm dann doch noch ein: „Bei uns darf man ab 15 Jahren Autofahren.“

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