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Relikt der „goldenen Zeiten“

Schornstein fällt Relikt der „goldenen Zeiten“

Einer der letzten Räucherei-Schornsteine in der Eckernförder Altstadt wird abgerissen. Er ragte aus dem Gebäudekomplex der ehemaligen Räucherei Büll heraus und war baufällig geworden.

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Einer der letzten Räuchereischornstein in der Eckernförder Altstadt fällt. Eine Sanierung des Abzugs aus den 1960er Jahren wäre zu aufwendig geworden.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Im historischen Viertel erinnern jetzt nur noch die Schornsteine der Räucherei Rebehn & Kruse und des Museums Alte Fischräucherei als Wahrzeichen an die große Zeit der Fischverarbeitung in der Ostseestadt.

 Elisabeth Büll blickt mit etwas Wehmut auf die Bauarbeiten. Sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, erzählt die 60-Jährige, die jetzt das Räucherei-Anwesen in der Altstadt übernommen hat. Die Wetterseite des 15 Meter hohen Schornsteins sei einmal neu verputzt worden. Doch jetzt platzt alles wieder ab. Herunterfallende Teile werden dann zum Risiko für die Hinterhöfe. Sie habe lange hin und her überlegt, so Büll. Neu verputzen, neu verkleiden oder abreißen? Letztlich senkte sich die Waagschale zum Abriss. Der Erhalt des nicht mehr genutzten Schornsteins wäre zu aufwendig gewesen. „Auch wenn es mir in der Seele weh tut.“

 Die Räucherei reicht in ihren Ursprüngen bis in das 18. Jahrhundert zurück. Der Schornstein allerdings war jüngeren Datums. Er wurde erst 1960 errichtet und stand nicht unter Denkmalschutz. „Er stammt aus der Zeit, als mein Vater Johannes Büll den Betrieb modernisierte“, blickt Elisabeth Büll zurück. Damals, nach dem Krieg, waren die ursprünglichen Absatzmärkte der Eckernförder Fischräucherer weggebrochen. Sie mussten reagieren und neue Geschäftszweige aufbauen. Johannes Büll setzte verstärkt auf den Ausbau des Einzelhandels. Schon in den 1950er-Jahren gründete er weitere Fischgeschäfte in Eckernförde, eine Filiale in Schleswig und übernahm die „Fischhalle“ in der Kieler Straße.

 Bei Büll wurde noch bis 1998 nach alter Art geräuchert. Dann machten EU-Verordnungen den Altonaer Räucheröfen den Garaus. Der Räuchereiraum mit acht dieser Öfen ist noch bis heute erhalten. Der Aufsteckraum, in dem die Sprotten auf die Räuchergestelle gesteckt wurden, ist inzwischen abgerissen. Die alten Öfen möchte Elisabeth Büll noch so lange wie möglich bewahren. Denn an der Räucherei hängen für sie viele Erinnerungen. Auch einige Ausstattungsgegenstände wie Fischkisten und der Wahlspruch „In Eckernförde haben sie es raus, aus Silber Gold zu machen“ verweisen auf früher.

 Doch die Zeiten ändern sich. Im Erdgeschoss des zur Räucherei gehörenden Wohnhauses soll jetzt eine Ferienwohnung entstehen. Und die Eckernförder Räuchereigeschichte hat mit dem Museum Alte Fischräucherei in der Gudewerdtstraße einen würdigen Platz gefunden. Beim Schauräuchern wird hier das alte Handwerk wieder lebendig.

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Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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