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Wo Gespenster Platt snacken

En Slot in England Wo Gespenster Platt snacken

Was eine Erbschaft alles auslöst: „Spökenkiekerkrom“ steht ganz obenan, wenn es plattdeutsch wird. Das Plattdüütsch Theoter Eckernför zelebrierte vor ausverkaufter Stadthalle am Mittwochabend seine Premiere „En Slot in England“ – geisterhafte Verwicklungen zum Piepen zum inklusive.

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Willi Holtnagel (Holger Holling) zwingt selbst das Schlossgespenst (Christoph Schnack) zu Boden. Oder hat sein Plattdeutsch-Wahn den Blick für „reales“ Geistertreiben vernebelt?

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Mannomann, Familie Holtnagel aus Eckernförde hat in die Vollen gegriffen. Oberhaupt Willi (Holger Holling), Gründer der Willi Holtnagel Partei (WHP) und eine Art Möchtegern-Donald-Trump „op platt“, kann groß rauskommen. Glaubt er. Das unvorhergesehen geerbte Tumbstone Castle in England soll’s bringen. Und Willis reicher Widersacher Jochen Schütt in seinen Frauenkleidern soll später Augen machen. Nomen est Omen: Grabstein, auf Englisch „tombstone“, und die Tumbheit der später zu enttarnenden Drahtzieher im Hintergrund sind im Namen programmatisch verschmolzen.

 Turbulent geht es auf der zunächst schlicht gehaltenen Stadthallenbühne los, als der schillernde Jochen (Christoph Schnack) auf Highheels durchs Publikum stolziert. Mitreißend witzig gibt Holling den ehrgeizigen Lokalpolitiker Willi. Frisch und frech gebärdet sich der halb erwachsene Nachwuchs Silvia (Nina Willmann) und Max (Jan-Ole Hoffmann). Und Ehefrau Erika (Ursula Tews), die vor der aufregenden Englandreise „noch de Hoor inrulln mutt“, kommt wunderbar komisch rüber. Angekommen in der ehrwürdigen Halle des Herrensitzes, überrascht Plattsnackerin Erna Maltbeer (Margrit Thomsen) als bodenständige Bedienstete, die es angeblich aus Schleswig-Holstein hierher verschlagen hat. Dass sich Max in Marylin Marvel (Jasmin Dechow), Sekretärin der Juristin Mrs. Plumscrough (Barbara Schmidt) verknallt, ist vorgezeichnet bei derlei Verwicklungskomödien. Die beiden Mimen machen den Job fast professionell. Perfekt passt das später aufwendige Bühnenbild (Lasse Thomsen).

 Wo die Reise im Spukschloss hinsteuert, entrollt Regisseur Stephan Greve erst nach der Pause. „Dat Klappergerüst“ (Christoph Schnack) , das den bösen Schlossgeist verkörpert, hält scheinbar alle außer Sir Willi Holtnagel in Schach. Das zelebrierte Selbstbewusstsein, mit dem er selbst Gespenster zu Fall bringt und zum Platt-Studium zwingt, ist Holling auf den Leib geschneidert. Sein Umgang mit Erika, die Blutlachen mit grüner Seife wegschrubben muss, und die Chauvi-Sprüche haben nach dem aufrüttelnden US-Wahlkampf grotesken Realbezug.

 Irritierend ist, dass vor dem dritten Akt und der recht braven Auflösung des Schloss-Komplotts gegen die Holtnagels der Vorhang zu lange geschlossen bleibt. Der schöne Spannungsbogen droht zusammenzufallen. Der Schlussakt hinkt in Tempo und Spritzigkeit zudem ein wenig hinterher. Trotzdem: Neben den bewährten Mimen haben vor allem die vier jungen Plattsnacker den langen Applaus mehr als verdient.

 Weitere Aufführungen in der Stadthalle Eckernförde: 11. und 13. November, 6., 7. und 8. Januar. Karten an der Abendkasse und im Ticketcenter, Kieler Straße 55.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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