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Erfolgsgeschichte der Stadtführer

Eckernförde Erfolgsgeschichte der Stadtführer

„Stadtführer? So ’was brauchen wir nicht. Was gibt’s denn in Eckernförde schon groß zu sehen?“ Kurdirektor Ruprecht Bernhard und der seinerzeit für die Kurbetriebe zuständige Stadtwerke-Leiter Werner Pötzsch waren sich vor einem Vierteljahrhundert in ihrer Ablehnung einig. Dass sich wenige Monate später dennoch die Arbeitsgemeinschaft der Stadtführer gründete, war dem damaligen Kulturbeauftragten Sven Wlassack und Museumsleiter Uwe Beitz zu verdanken. Jetzt konnten die Beteiligten auf eine 25-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken.

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Informativ und amüsant: Die Stadtführungen von Opsteekfru Stine und Fischer Fiete sind ganz besonders beliebt. Die Botschafter des Ostseebades haben stets viel zu erzählen – sehr zur Freude der Gäste.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Uta Rohlfs erinnert sich noch gut. Am 6. Juni 1990 leitete die gebürtige Koselerin die erste Führung. Spezielle Themenbereiche, so sagt sie, gab es damals noch nicht. Beim Bummel durch die Straßen Eckernfördes wurden Daten und Fakten zur Nicolai-Kirche, zum Hafen, Strand und der Innenstadt erläutert. Wer Stadtführer werden wollte, musste vor der Prüfung zunächst einmal 60 Mark zahlen. Der Betrag hielt nur wenige Interessenten ab: Es meldeten sich auf Anhieb 50 Personen.

Heute hat die von Telse Vorbrook geleitete Arbeitsgemeinschaft der Stadtführer 36 Mitglieder, von denen 17 aktiv sind. Im vergangenen Jahr wurden rund 2300 Besucher durch die Stadt geführt. Neben den offiziellen Angeboten, die über die Touristik laufen, gibt es noch eine Vielzahl privat gebuchter Führungen. Ganz besonders gefragt sind die der beiden Eckernförder Originale: Wenn Fischer Fiete und Opsteekfru Stine mit ihrem Sprottenkarren vorangehen, dann folgt ihnen stets eine große Gruppe Wissbegieriger. „Im vergangenen Jahr hatten wir 89 Termine. In diesem Jahr waren es schon 60“, weiß Christel Fries, die plietsch, wortreich und stets „op platt“ die Figur der Stine verkörpert. Fiete heißt im bürgerlichen Leben Werner Pötzsch und ist der, der vor 25 Jahren meinte, in Eckernförde gebe es nicht viel zu sehen.

Bürgervorsteherin Karin Himstedt sprang dem einstigen Stadtwerke-Chef in einer kleinen Feierstunde zur Seite. „Die Einstellung zu den Stadtführern hat sich grundlegend geändert“, sagte sie. Auch das Themen-Angebot ist vielfältiger geworden. Neben der Traditionspflege wird auch über Blumen und Pflanzen informiert. Es gibt Führungen durch das alte Borby, rund um das Windebyer Noor oder einen Altstadtbummel mit Küstennebel. Das, so betonte die Bürgervorsteherin, seien Super-Angebote nicht nur für Touristen, sondern auch für Zugereiste oder Einheimische.

Auch Touristik-Chef Stefan Borgmann spendete Lob und machte damit deutlich, dass nicht mehr die Einstellung wie vor 25 Jahren herrsche. Die Tätigkeit der Stadtführer sei in vielerlei Hinsicht bedeutend für Eckernförde, dankte er allen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft für ihren Einsatz.

Lorenz „Lorne“ Marckwardt von der Borbyer Gilde betonte: „Ihr lebt die Kultur und tragt sie weiter. Und ihr informiert euch nicht nur aus alten Büchern.“ Das, so wurde im Verlauf der Feierstunde deutlich, ist vor allem ein Verdienst von Cäcilie Dronske. „Sie ist unser wandelndes Lexikon und steht uns immer hilfreich zur Seite“, hieß es aus dem Kreis der Stadtführer.

Sven Wlassack, der wieder in seine Heimatstadt Wien zurückgekehrt ist und derzeit gerade einen mehrwöchigen Urlaub an der Ostsee verbringt, erinnerte daran, dass im Ursprung die Bezeichnung „Stadtbild-Erklärer“ angedacht war – eine Idee, die sich glücklicherweise nicht durchgesetzt habe. Bekannt humorvoll stellte er die Frage, was denn der Unterschied zwischen dem lieben Gott und den Stadtführern sei. Die Antwort: „Der liebe Gott weiß alles. Die Stadtführer wissen alles besser.“

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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Hafen
Foto: Informativ und amüsant: Opsteekfru Stine und Fischer Fiete führte eine große Besuchergruppe anlässlich des Weltfischbrötchentages durch die Eckernförder Altstadt. Die beiden Botschafter des Ostseebades hatten viel zu erzählen – sehr zur Freude der Gäste.

Mit Fischer Fiete und Opsteekfru Stine dörch dat ole Eckernför: Am Freitag, 1. April, nehmen Stadtführer Christel Fries und Werner Pötzsch in historischen Gewändern ihre Gäste um 10.30 Uhr mit in die Welt der Fischer. Treffpunkt ist die Holzbrücke am Hafen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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