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Es geht auch ohne Plastiktüte

Einzelhandel in Eckernförde Es geht auch ohne Plastiktüte

Leinenbeutel und Einkaufsnetze sind wieder auf dem Vormarsch. Waren sie angesichts von Plastiktüten lange Zeit ins Hintertreffen geraten, so sind sie inzwischen angesagter denn je.

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Tüten aus Papier und recycelten Flaschen sowie Kartons aus Pappe: Nancy Nauck hat in ihrem Edeka-Markt an der Sauerstraße ganz bewusst die Plastiktüten auf ein Minimum reduziert.

Quelle: Uwe Rutzen

Eckernförde. Der Grund: Das Bundesumweltministerium erwartet vom Einzelhandel, dass der Verbrauch von Kunststofftragetaschen auf 40 Stück pro Einwohner reduziert wird. Um das zu erreichen, hat das Ministerium mit den Handelsverbänden eine Selbstverpflichtung vereinbart. Danach sollen Plastiktüten nur noch gegen ein Entgelt abgegeben werden.

 „Die meisten Händler halten sich daran“, weiß Malte Behrendt aus dem Vorstand des Wirtschaftskreises Eckernförde (WKE). Einige würden es nicht tun – möglicherweise aus mangelnder Einsicht, möglicherweise aber auch, um sich ihren Kunden gegenüber zu profilieren. Allerdings würden sie damit das angestrebte Ziel gefährden. „Früher oder später werden sie sich anschließen müssen“, ist Behrendt überzeugt. Denn sollte die vereinbarte Selbstverpflichtung bis 2019 nicht greifen, will das Ministerium gesetzgeberische Maßnahmen erzwingen. Soweit solle es aber nicht kommen, meint der Eckernförder Geschäftsmann. „Die meisten Kunden reagieren positiv, da das Ziel jedem einleuchtet. Außerdem sei eine Bepreisung von Plastiktragetaschen aus der Lebensmittelbranche ja schon lange bekannt.“

 Nicht nur Behrendt, auch WKE-Vorsitzender Wilfried Wagner würde es bedauern, wenn das Ministerium mit den Maßnahmen zur Plastikmüllvermeidung bei den Tragetaschen Halt macht. Ein Gang durch den Supermarkt zeige, wie viel Kunststoff für Verpackungen, aber auch für unzählige Gegenstände des täglichen Bedarfs produziert wird. Da sei die Tragetasche nur ein zwar publikumswirksamer, jedoch sehr kleiner Baustein.

 Für Nancy Nauck reicht dieser Baustein bei weitem nicht aus, um ein Umdenken zu erreichen. Die Betreiberin des Edeka-Frischemarktes an der Sauerstraße verfolgt ihr eigenes Konzept – und das mit Erfolg. Seit gut einem Jahr gibt es bei ihr keine Knotenbeutel mehr für Obst und Gemüse. Sie hat sie abgeschafft und durch Papiertüten in drei verschiedenen Größen ersetzt. „Wir haben das unseren Kunden erklärt, und die haben das verstanden“, sagt die 35-Jährige. Für den Heimtransport der gekauften Waren bietet sie sogenannte Goodbags an. Dabei handelt es sich um geräumige Tragetaschen, die aus alten Flaschen recycelt werden. Außerdem können Kunden bei ihr für kleines Geld Kartons mit Tragegriffen erwerben, die die Klappboxen aus Kunststoff ersetzen sollen. Auch die sind aufgrund der Wiederverwertbarkeit bei den Kunden sehr beliebt.

 Nancy Nauck will den Kampf gegen Plastikverpackungen weiterführen. Insbesondere stören sie die Kunststoffbehälter für das Zusammenstellen frischer Zutaten aus der Salatbar im Markt. Der kleine Stapel mit Behältnissen aus Pappe sieht dazwischen etwas verloren aus. „Leider halten die Pappboxen nicht dauerhaft die Flüssigkeit“, bedauert sie. Ihr Traum: eine Desinfektionsschleuse für Plastikbehälter. Die kleinen Dosen mit Deckel können von den Kunden mitgebracht, in die Schleuse gestellt und nach der Desinfektion mit Salat nach Wahl gefüllt werden. Allerdings sind solche Schleusen noch sehr teuer.

 Auch der Öko-Gemüsehof Boll auf dem Eckernförder Wochenmarkt hat sich erfolgreich nach Alternativen umgeschaut. Tomaten oder Karotten kommen in die Papiertüte, Salate in eine kompostierbare Tüte aus gentechnikfreier Maisstärke. Nur für den portionierten Pflücksalat wird noch eine Klarsicht-Lösung gesucht. Müllvermeidung steht beim Verkauf an oberster Stelle. „Wir fragen immer, ob eine Tüte überhaupt gebraucht wird, und freuen uns, wenn eigene Taschen mitgebracht werden“, sagt Mitarbeiter Andreas Markus. Das klappt nach seiner Erfahrung sehr gut. Bei Stammkunden treffe das auf völlige Akzeptanz. 80 Prozent würden bereits eigene Tüten oder Taschen mitbringen. Kostenfrei werden am Marktstand nur Tüten abgegeben, die zur jeweiligen Ware passen. Wer beispielsweise Zwiebeln im Maisstärke-Beutel haben möchte, muss etwas dazu bezahlen. Generell ist laut Markus das Bewusstsein bei den Kunden in Sachen Verpackungsmüll spürbar gewachsen.

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Ein Artikel von
Uwe Rutzen
Ressortleiter Eckernförder Nachrichten

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Tüten-Nostalgie
Foto: Martha Hesselbarth (83) besitzt nicht nur eine umfangreiche Sammlung alter Plastiktüten, sondern weiß sogar noch, was sie darin transportiert hat. „Was ich für wertvoll halte, will ich behalten“, erklärt die Kielerin ihre Tüten-Nostalgie.

Eigentlich ist sie gerade auf dem Rückzug, die gute, alte Plastiktüte mit Geschäfts-Logo, die es früher an jeder Kasse ungefragt zur Ware dazu gab und die heute als Umweltsünde schlechthin ganz langsam aus Läden und Haushalten verschwindet. Aber, Hand aufs Herz: Ein bisschen schade ist das ja schon.

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