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Streit um die Ö-Frage

Eckernförde Streit um die Ö-Frage

So ein Buchstabe, der fällt ja sonst nicht weiter ins Gewicht. Aber bei einem Ortsnamen, da hört der Spaß auf. Die Ö-Frage beherrscht die Diskussion im Eckernförder Ausschuss für Jugend, Kultur, Bildung und Sport. Wie soll sich Eckernförde auf Plattdeutsch nun schreiben? Mit einem oder zwei Ö?

Eckernförde.  Die Ein-Ö-Verfechter formierten sich schon in der Einwohnerfragestunde. „Es geht um ein Stück Heimat und um das Begehren vieler Bürger“, appellierte Hermann Wolter. Und gegen das Doppel-Ö: „Eines Tages wird man sagen, dass war mal wieder so eine Rechtschreibreform“. Eckernför mit Solo-Ö findet sich in vielen älteren Publikationen. Sei es Mensings Plattdeutsches Wörterbuch von 1927, alte Heimatlieder und Gedichte oder der berühmt gewordene Sprotten-Spruch „In Eckernför hebbt wi’t rut, ut ’Sülwer Gold to maken“.

 „Viele Gäste wundern sich über die unterschiedlichen Schreibweisen“, sagt Christel Fries, die als Opsteekfru Stine plattdeutsche Stadtführungen anbietet. Sie verweist nicht nur auf 500 gesammelte Unterschriften für ein Ö an, sondern weiß auch die Borbyer Gilde hinter sich. Eckernför sei ein Eigenname, der dürfe durch eine Rechtschreibregelung nicht einfach verändert werden, wetterte Gilde-Vorsitzender Lorenz „Lorne“ Marckwardt in der Fragestunde. „Lasst uns das zweite Ö an den Ortsschildern einfach zukleben.“

 2007 hatte der Kulturausschuss befürwortet, auf neuen Ortseingangstafeln auch die plattdeutsche Schreibweise von Eckernförde zusätzlich aufzuführen. Doch schon damals war man sich unsicher über die Ö-Frage. So wurde der Schleswig-Holsteinische Heimatbund (SHHB) um Stellungnahme gebeten. Der wiederum sprach sich für das Doppel-Ö aus. Die Begründung: Durch den Wegfall der Endsilbe „de“ von Eckernförde kommt es zu einer Längung der vorangehenden Silbe (“...för“), was durch eine Verdopplung des Ös gekennzeichnet wird. So leiten es auch die plattdeutschen Rechtschreibregeln nach Johannes Saß ab. Dieser Empfehlung folgte die Politik und ließ „Eckernföör“ auf die Tafeln schreiben.

 Auch der Vorsitzende der Plattdüütsch Gill, Heiko Gauert, sprach sich für diese Sichtweise aus. Wenngleich bei einer Trendumfrage auf einer Versammlung des Vereins in 2015 laut Christel Fries die Mehrheit der Anwesenden für nur ein Ö die Hand hob. So kommt es auch zu einem Kuriosum auf dem aktuellen Briefumschlag der Gill: Während auf dem Gilde-Emblem „Eckernför“ steht, prangt daneben ein „Eckernföör“. Auch auf der historischen Gildefahne bleibt es bei einem Ö.

 Fraktionsübergreifend hatte sich der Kulturausschuss im Vorfeld darauf geeinigt, den Ö-Tagesordnungspunkt abzusetzen. Mit der Stellungnahme des SHHB sei damals entschieden worden. „Wir sehen keinen Handlungsbedarf“, sagte der Ausschussvorsitzende Reiner Bunte (SPD). Bürgermeister Jörg Sibbel fügte hinzu: „Beide Schreibweisen sind aus unserer Sicht richtig, deshalb gibt es keinen Grund, etwas zu ändern.“

 Die Ein-Ö-Fraktion will sich allerdings noch nicht geschlagen geben. Sie befragte die höchste Instanz für das Plattdeutsche, das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen. Von dort antwortete Dr. Reinhard Goltz: Es gebe einen generellen Unterschied zwischen einer allgemeinen Rechtschreibung und der Schreibung von Ortsnamen, das zeige ein Blick auf die deutsche Landkarte. Vielmehr sei die lokale Tradition von allergrößter Relevanz. „Ich empfehle ihnen die Schreibweise Eckernför.“

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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